Nattmanns Paukenschlag bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften

Nattmanns Paukenschlag bei den Deutschen Kurzbahnmeisterschaften

Der 20-Jährige vom SV Bayer holt Gold über 50 Meter Rücken — zeitgleich mit zwei Konkurrenten.

Wuppertal. Was hat Lukas Nattmann mit Britta Steffen und Paul Biedermann gemeinsam? Sie alle standen Freitag am zweiten Tag der Deutschen Kurzbahnmeisterschaften in der Schwimmoper ganz oben auf dem Treppchen.

Während das für die Superstars Steffen und Biedermann über ihre Spezialstrecken 100 und 200 m Freistil Normalität ist, war es für Lokalmatador Nattmann etwas ganz Besonderes. Der 20-Jährige sorgte über 50 Meter Rücken für die erste Medaille von Gastgeber SG Bayer Wuppertal/Uerdingen/Dormagen bei den Titelkämpfen und erzielte seinen bisher größten Erfolg.

Der wird auch deshalb unvergessen bleiben, weil er mit einem Kuriosum verbunden war. Altmeister Stefan Herbst (Leipzig) und Jan-Philip Glania (Frankfurt) schlugen in 24,56 Sekunden nämlich auf die Hundertstel Sekunde zeitgleich an. Es gab also drei Meister über diese Distanz. „Ein Wahnsinnsgefühl, danke für die Unterstützung in der Halle“, sagte Nattmann anschließend überglücklich.

Dass es eng werden würde, habe er schon bei der Wende gesehen. Aber der 20-Jährige, der am morgen in 24,70 Sekunden bereits die beste Vorlaufzeit hingelegt hatte, verkrampfte nicht und steigerte seine persönliche Bestzeit noch einmal.

„Das ist auch der Lohn für das harte Training in der Vergangenheit“, strahlte Nattmann, der inzwischen aufgrund seines Chemiestudiums in Wuppertal nicht mehr ganz so viel trainiert.

Während Nattmann seine Medaille, die wieder transparent in Schwimmoperform gehalten ist, sicher in Ehren halten wird, erfreuten Biedermann und Steffen die Schwimmkinder des SV Bayer nicht nur mit Unterschriften sondern auch mit ihren Medaillen sowie Kinokarten und Gummibärchen, die ebenfalls jeder Meister erhielt. „Das mache ich immer so. Ein Mädchen hat mir gesagt, dass sie meine Urkunde aus dem vergangenen Jahr immer noch täglich anschaut, dass hat mich sehr gefreut“, strahlte Britta Steffen, die im Vorfeld der Titelkämpfe mit ihrer Kritik am DSV hohe Wellen geschlagen hatte. Gestern gab es einen Händedruck für DSV-Sportdirektor Lutz Buschkow, der Steffen zum Dialog aufgefordert hatte.

Gastgeber SG Bayer durfte übrigens nicht nur über Nattmanns Goldmedaille jubeln. Die 4 x 50-m-Kraulstaffel der Männer mit Nattmann, den Dormagenern Christoph Fildebrandt und Nils Rötgers sowie dem Uerdinger Alexander Lohmar holte in 1:29,58 Minuten noch eine Bronzemedaille. Fildebrandt über 200 m Freistil und Nattmann über 50 m Delphin verpassten diese als jeweils Vierte zudem nur knapp.

Erfreulich auch der Sieg der 15-jährigen Wuppertalerin Tanja Makaric im B-Finale über 200 m Rücken. In 2:12,40 konnte Makaric dabei ihre bisherige Bestzeit weiter steigern. Das gelang auch der erst 13-jährigen Sarah Jedamsky, die über 50 m Delphin in 28,95 Sek. 30. von 51. Starterinnen wurde. Jenny Sonnenschein, die am Donnerstag bereits die 1500 m Freistil geschwommen war, war gestern mit ihren 9:26 Minuten über 800 m dagegen wohl nicht zufrieden.

Eher schwach waren angesichts der Spitzenleistungen und Stars in der Schwimmoper die nur 350 zahlenden Zuschauer, die sich gestern die Finals anschauten. Heute und morgen gibt es nun noch die Chance, die einmalige Atmosphäre zu erleben.

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