Radsport: Mit Tempo 90 den Grifflenberg hinab

Radsport : Mit Tempo 90 den Grifflenberg hinab

Das 28. Uni-Radrennen war für den RC Musketier ein Erfolg. 2020 gibt es eine Neuauflage.

Ob mit spontanen Ausreissversuchen, atemberaubenden Abfahrten den oberen Grifflenberg hinunter oder mitreißenden Sprints auf der Zielgeraden in Höhe des Uni-Parkhauses - die 28. Auflage des Uni-Radrennens des Rad-Club Musketiere Wuppertal (RCMW) bot am Samstag für Sportbegeisterte wieder ein Spektakel vom Feinsten. Von den Fahrern forderte das weit über die Grenzen Wuppertals hinaus bekannte Streckenprofil mit seinen anspruchsvollen Anstiegen und Abfahrten dagegen großes Stehvermögen.

„Die Strecke ist wirklich nichts für Sprinter“, sagte Marvin Schmidt, der gleich bei seiner ersten Teilnahme den Wettbewerb das 62,1-Kilometer-Rennen der Amateure gewann. „Bisher kannte ich das Rennen nur von Erzählungen her. Es ist ein sehr interessanter Kurs mit schweren Bergfahrten, die es so ja sonst kaum noch gibt“, meinte der Westerwälder. Er gab dem Turnier-Chef und Musketier Vorsitzenden Markus Zaremba gleich schon seine Zusage fürs nächste Jahr.

Youngster Jochum schaltet einen Moment zu früh ab

Neben einigen Premiere-Startern gab es aber auch viele Wiederholungstäter. Von den Lokalmatadoren fehlte zwar Simona Janke bei den Damen und Ben Jochum, der zum Landesverbandstraining für die Deutschen Meisterschaften am kommenden Wochenende musste, mit Dorothee Janke und Moritz Jochum (U15) sorgten aber die beiden Geschwister für Vertretung. Moritz Jochum schrammte dabei sogar knapp am Podium vorbei. Der 14-jährige erwies sich zunächst als bergfest. Nach einer letzten Attacke schaltete er aber zu früh ab. „Ich war mir schon sicher, den dritten Platz zu bekommen und habe wohl einen Tritt ausgelassen“, sagte er nachher und versprach, aus dieser Lektion gelernt zu haben: „So, schnell passiert mir das nicht mehr.“

Dagegen ging der Plan des Wuppertaler Adam-Donner-Racing Teams im Rennen der Senioren-3 voll auf. Mit einer geschickten Strategie konnte die Mannschaft des Wuppertaler Stempel- und Prägespezialisten Michael Donner alle Podiumsplätze ergattern. In einer sehr abwartenden Gruppe, in der sich alle Favoriten belauerten, lief das Rennen ganz im Sinne von Vorjahressieger Rainer Beckers. Nachdem sich die Donner-Fahrer alle drei Zwischensprints geholt hatten, zog Thomas Meyer das Tempo an, bevor Dirk Trautmann noch einmal ausriss. „Das war wirklich eine tolle Leistung von uns allen. Beim Sprint am Ende wusste ich, dass im Moment in Deutschland kaum einer schneller ist als ich“, sagte der 52-jährige Beckers, der aber die Vorarbeit seiner Kollegen lobte. „Natürlich macht es stolz, wenn dein Team in deiner Heimatstadt den Preis gewinnt, den du gestiftet hast“, sprach Teamchef Michael Donner von einem tollen Moment.

Auch Jessica Hirsch vom Hauptsponsor Chrestos, die mit dem Streckenfahrzeug drei Runden als Beifahrerin mitfuhr, zeigte sich von den Leistungen der Sportler begeistert. „Bei 90 Stundenkilometern den Berg runter wurde mir etwas mulmig. Aber die rasen da einfach so runter. Es ist Wahnsinn, wie die Fahrer dann immer noch schnell in die Kurven fahren“, zollte sie den Teilnehmern ihren Respekt.

Der Sturz von Elisa Hüllhorst blieb der einzige Zwischenfall. Sie war am steilsten Stück bergauf gefallen und hatte sich zum Glück nur leiche Abschürfungen zugezogen.

Die längste Distanz im Rennen hatten die Elite Amateure mit 101,2 Kilometer zu bewältigen. Hier gewann Nils Büttner. Die längste Anfahrt per Rad hatte wohl Hartmut Höing hinter sich gebracht. Der 76 Jahre alte ehemalige Musketier-Vorsitzende, der mittlerweile in Berlin lebt, war von dort auf zwei Rädern gekommen. Ältester Teilnehmer war er aber nicht. Diesen Titel holte sich mal wieder Karl-Otto Franke von Blitz Barmen.

Beim Hobby-Rennen hatte Christian Theis, Chefarzt der Anästhesie im Helios, aufgrund seines Rufdienstes ein Ohr immer am Telefonhörer. „Wenn ein Anruf kommt, fahre ich eben mit dem Rad ins Krankenhaus“ berichtete der Mediziner.

„Es ist eine unserer erfolgreichsten Veranstaltungen der vergangenen Jahre“, zog Markus Zaremba am Ende zufrieden Bilanz. Er versprach, dass es die inzwischen einzige Radrennveranstaltung in Wuppertal auch im kommenden Jahr wieder geben werde.

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