Mister Danish Dynamite aus Wuppertal hat seine Energie behalten

Volleyball : Mister Danish Dynamite hat seine Energie behalten

Mit Jens Larsen feierte Wuppertal in den 1990er Jahren Volleyball-Triumphe. In Wuppertal ist er geblieben - als Vermögensberater.

Sein Spitzname war „Danish Dynamite“, und wer in der Uni-Halle oder der Bayer-Halle miterlebt hat, wie Jens Larsen die Bälle von außen über das Volleyball-Netz schmetterte und wie emotional er das Publikum und seine Mannschaftskollegen vom SV Bayer Wuppertal bei jedem Punkt mitnahm, der weiß auch warum. Die Triumphe, die die Bayer-Volleyballer in den 90er-Jahren feierten, sind mit dem Namen des Dänen genauso eng verbunden wie mit dem des 2011 gestorbenen Kulttrainers Hee Wan Lee oder des Wuppertaler Nationalspielers Wolfgang Kuck. 1994, in Larsens erstem Jahr (er wurde bester Außenangreifer der Liga), wurde die Mannschaft, die 1992 aus Leverkusen nach Wuppertal geholt worden war, prompt Deutscher Meister, ein Jahr später Pokalsieger und 1997 noch einmal Meister.

„Die Stimmung in der Uni-Halle war einfach toll, das war damals eine sehr schöne Halle“, erinnert sich Larsen. Derzeit hat er mit dem Volleyball nur noch über seine zehnjährigen Zwillinge zu tun, die in Schwelm spielen. Sein Sohn spielt Fußball in der U 16 des 1. FC Köln. Seinen sportlichen Ehrgeiz, Risikobereitschaft und das Herz hat Larsen, der im August 50 Jahre alt geworden ist, in seinen neuen Beruf als Vermögensberater mitgenommen. Mit seiner Agentur unter dem Dach der Deutschen Vermögensberatung hat er neben seinem Sitz in Wuppertal inzwischen mehrere Dependancen, unter anderem in Magdeburg, wo die Ehefrau von Dänemarks Handball-Nationaltorwart Jannick Green für ihn arbeitet. Viele Topsportler, unter anderem Fußballprofis von Borussia Dortmund, gehören zu seinen Kunden, wobei die gemeinsamen Erfahrungen als Leistungssportler natürlich Vertrauen schaffen. Mit Toni Mester und Gergely Chowanski hat er noch zwei ehemalige Bayer-Volleyballer im Agentur-Team. Neuestes Großprojekt ist eine Betriebsrente, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber nichts kosten soll. Larsen: „Die Formel wie das funktioniert, verrate ich natürlich nicht. Das ist Betriebsgeheimnis.“

Genauso also wie früher die Spielrezepte, die in seinen bis 1999 dauernden Jahren als Spieler beim SV Bayer so häufig aufgingen. Danach spielte Larsen noch zwei Jahre erfolgreich Beachvolleyball, war dann Spielertrainer in Marienlyst und kehrte 2005 als Trainer zum SV Bayer zurück. Er erlebte, wie der Konzern den Volleyball immer weniger unterstützte, daraus die Titans hervorgingen, bevor 2012 das Kapitel Spitzenvolleyball in Wuppertal endgültig geschlossen wurde, weil die finanzielle Unterstützung von außen zu gering war.

Wehmütiger Blick auf die Entwicklung des Spitzensports

Jens Larsen. Foto: Larsen

Larsen hatte sich 2009 bereits verabschiedet. „Wegen unterschiedlicher Auffassung in der Mannschaftsführung mit dem damaligen Manager“, wie er sagt. Der Bayer-Sportpark, findet er, biete immer noch ideale strukturelle Voraussetzungen für Spitzenvolleyball. Doch was nutzt das, wenn das Geld fehlt? Überhaupt sei der Spitzensport in Wuppertal ein trauriges Kapitel. Da gebe es nur noch den BHC, der allerdings einen phantastischen Job mache, vor allem auch organisatorisch.

 Er selbst kann sich höchstens vorstellen, auf Management-Ebene in den Sport zurückzukehren, nicht mehr als Trainer. „Da reden einem zu viele rein.“ In Deutschland geblieben sei er übrigens, weil er hier - anfangs noch parallel zum Volleyball - die Möglichkeit zur Ausbildung erhalten habe. Mit offiziellen IHK-Abschlüssen als Vermögensberater - und der gleichen Dynamik wie früher als Spieler.

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