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Missbrauchsprozess gegen Ex-Schwimmtrainer des SV Bayer geplatzt

Missbrauchsprozess gegen Ex-Schwimmtrainer des SV Bayer geplatzt

Wuppertal/Kiel. Der Missbrauchsprozess gegen einen Olympia- Schwimmtrainer vor dem Kieler Amtsgericht ist am Freitag überraschend geplatzt. Das Verfahren gegen den Mann, der bis September Trainer des SV Bayer Wuppertal war, muss ganz neu aufgerollt werden, obwohl für den heutigen Freitag nach bisher neun Verhandlungstagen eigentlich das Urteil angekündigt war.

Verteidigerin Annette Marberth-Kubicki sagte vor Journalisten, das Kieler Amtsgericht habe "endlich unserem Beweisantrag stattgegeben, ein Glaubwürdigkeitsgutachten zur Zeugin einzuholen". Die Anwältin wies darauf hin, dass dieser Antrag bereits vor längerer Zeit gestellt wurde. Mit Zeugin ist offenbar das mutmaßliche Opfer gemeint, das im Prozess als Nebenklägerin auftritt. Gerichtssprecher Hans G. Meenke teilte heute mit, dass auf Antrag der Verteidigung das Schöffengericht beschlossen habe, ein aussagepsychologisches Gutachten für die Nebenklägerin einzuholen. Ein Gutachter aus Kiel werde mit der Erstellung des Gutachtens beauftragt werden.

Da ein Ergebnis nicht innerhalb von wenigen Wochen zu erwarten sei und damit vermutlich die zulässige Unterbrechungsdauer zwischen zwei Hauptverhandlungstagen von drei Wochen bzw. von einem Monat bei weitem überschritten werde, sei das Verfahren Verfahren ausgesetzt worden. Das bedeutet, dass das Verfahren vor dem Amtsgericht im nächsten Jahr noch einmal beginnt und die Beweisaufnahme wiederholt durchgeführt werden muss. Zeugenaussagen, die bisher bereits erfolgt sind, können dann nicht verwertet werden. Die Zeugen - elf waren im bisherigen Verfahren angehört worden - müssen erneut vernommen werden. Ein Termin für den neuerlichen Prozessbeginn sei derzeit noch nicht absehbar, so Meenke Dem Trainer wird sexueller Missbrauch einer Schutzbefohlenen vorgeworfen. Er soll sich als damaliger Schwimmtrainer von Neptun Kiel von 2004 bis 2006 in 18 Fällen an der zu diesem Zeitpunkt noch minderjährigen Schwimmerin vergangen haben. Die Verteidigung sprach dagegen stets von "einvernehmlichem" Sex.