Mehr als 66 000 Wuppertaler sind Mitglied in Sportvereinen

Interview : „Die Mitgliederzahlen sind wieder stabil“

INTERVIEW Volkmar Schwarz, hauptamtlicher Geschäftsführer des Stadtsportbundes, spricht über die Situation der Sportvereine.

Volkmar Schwarz ist seit 1991 hauptamtlicher Geschäftsführer des Stadtsportbundes. Die WZ sprach mit ihm vor der Mitgliederversammlung des Dachverbands der Wuppertaler Sportvereine über die Entwicklungen.

Herr Schwarz, 66 626 Menschen waren zum 31. Dezember 2018 Mitglied in Sportvereinen in Wuppertal und damit nur marginal weniger als zwei Jahre zuvor. Ist der Mitgliederschwund, der in den Jahren zuvor erkennbar war, gestoppt?

Volkmar Schwarz: Richtig erkannt. Wir haben seit zwei Jahren stabile Mitgliederzahlen in unseren Vereinen, so wie man sich das auch erhofft hat.

Worauf führen Sie das zurück?

Schwarz: Einerseits hat das sicher auch mit der Bevölkerungsentwicklung zu tun (die Einwohnerzahl ist im gleichen Zeitraum um 11 000 gestiegen, die Red.), aber andererseits auch mit einer Angebotserweiterung in den Vereinen.

Was heißt das konkret?

Schwarz: Ich glaube schon, dass das Bewusstsein, gerade bei den Älteren, sich mit Sport fit halten zu können, gewachsen ist. In den vergangenen Jahren haben wir bei den über 60-Jährigen weiter steigende Zahlen. Erfreulich ist aber auch, dass die Zahlen bei den bis 18-Jährigen ebenfalls wieder gestiegen sind.

Hat auch das Thema Migration seinen Anteil daran?

Schwarz: Natürlich kümmern wir uns in den Vereinen auch darum und leisten unseren Beitrag zur Integration. In den Zahlen lässt sich das aber nicht ablesen.

Welche Entwicklungen sind die prägnantesten?

Schwarz: Neben dem Wettkampfsport, den weiter nur unsere Vereine anbieten, hat es eine Vielzahl von Vereinen geschafft, u.a. noch mehr Gesundheitskurse anzubieten.

Sind die organisatorischen Hürden, die zum Beispiel die neue Datenschutzgrundverordnung für die Vereine bedeutet, inzwischen verarbeitet?

Schwarz: Ich glaube schon, dass sich die erste verständliche Aufregung inzwischen relativiert hat. In den meisten Vereinen wurden die richtigen Maßnahmen ergriffen, um der Datenschutzgrundverordnung Herr zu werden. Nach wie vor ist aber das eine oder andere da sicher weiter in einer Grauzone.

Was hat den Stadtsportbund zuletzt am meisten beschäftigt?

Schwarz: Unsere erste Aufgabe ist und bleibt die Interessenvertretung unserer Mitgliedervereine. Da gibt es immer kleinere und größere Probleme, die wir mit unseren Partnern zu lösen versuchen. Ein Beispiel ist die Erhöhung der Zuschüsse durch die Stadt für Vereine, die eigene Anlagen betreiben und städtische Anlagen in Eigennutzung übernommen haben.

Ist Wuppertal bei den Sportstätten aus Ihrer Sicht gut aufgestellt?

Schwarz: Wir sind sicher nicht schlecht aufgestellt. Aber es gibt immer noch Luft nach oben.

Zum Beispiel?

Schwarz: Sicher im Bereich Turn- und Sporthallen. Da würde die eine oder andere neue Halle helfen, die Dichte zu lockern und Raum für neue Angebote zu schaffen. Wie zum Beispiel in Cronenberg.

Beschäftigt Sie auch der WSV?

Schwarz: Da, wo wir gefragt werden, versuchen wir zu helfen. Grundsätzlich ist es schade, dass beim führenden Fußballverein der Stadt Probleme dieses Ausmaßes auftreten. Man darf ja nicht vergessen, dass auch dort die überwiegende Zahl der Verantwortlichen ihre Arbeit ehrenamtlich leistet.

Wird das Ehrenamt genügend gewürdigt, viele Vereine haben ja Probleme, Posten zu besetzen?

Schwarz: Anerkennung mit Worten ist sicher wichtig, andererseits muss man sich fragen, ob man nicht auch stärkere finanzielle Anreize geben kann, etwa durch eine Erhöhung der Ehrenamtspauschale. Aber das ist nicht in Wuppertal zu klären.

Welche Entwicklungen im Wuppertaler Sport haben Sie im vergangenen Jahr am meisten gefreut?

Schwarz: Ich finde, dass unter den Bedingungen in Beyenburg am Stausee die Kanuten der KSG eine wirklich gute Arbeit machen, die auch mit dem einen oder anderen Titel belohnt wurde. Gleiches gilt für die Schwimmer der SG Bayer, die immer wieder neue Talente nach vorne bringen, aber auch für die Leichtathleten des LAZ. Das freut mich besonders, weil es alles olympische Kernsportarten sind.

Zurück zum Breitensport. In den vergangenen zwei Jahren ist der Tag des Sports, der lange Jahre ein Schaufenster der Wuppertaler Vereine und ihrer Angebote war, ausgefallen. Wird es 2019 wieder einen Tag des Sports geben?

Schwarz: Nein. Wir haben uns mit unseren Partnern Stadtsparkasse und Stadt überlegt, erst einmal alles auf den Prüfstand zu stellen, was Organisation und auch Örtlichkeit angeht. Klar ist, dass es eine lieb gewonnene Veranstaltung ist. Wir müssen sehen, in welcher Form so etwas für die Zukunft wieder auf die Beine zu stellen ist.

Bei der Mitgliederversammlung wird auch neu gewählt. Tritt das Vorstandsteam des SSB wieder an?

Schwarz: Ja, komplett. Das heißt Peter Stroucken als Vorsitzender, Dirk Dörner als Stellvertreter, Stefan Langerfeld als Kassenwart, Wolfram Lumpe als Pressewart, Suse Hartmann als Sportwartin und Ralf Beckmann als Beisitzer.

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