LTV: Mehr als nur Handball

LTV: Mehr als nur Handball

1885 gegründet, feiert der Langerfelder Turnverein in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen.

Wuppertal. "LTV Wuppertal: mehr als nur Handball." Unter dieser Überschrift präsentiert sich der Langerfelder Turnverein von 1885 unter dem Vorsitz von Jochen Lergon heute in seinem Internet-Auftritt als facettenreicher Verein, in dem rund 20 unterschiedliche Abteilungen zusammen gefasst sind. 900 Mitglieder führt der Verein, davon etwa 350 Kinder in seiner Kartei.

Auch wenn der LTV in den vergangenen Jahrzehnten vorwiegend durch Handball von sich reden machte - ursprünglich ist er ein Turnverein mit der zwischenzeitlich zu einem Schmuckstück renovierten Turnhalle auf dem Hedtberg und einem gemütlichen Vereinsheim als Heimat im Herzen Langerfelds. Gegründet am 17. Februar 1885 hatten sich Vereinsväter zunächst das Turnen auf die Fahne geschrieben.

Turner waren es auch, die den frühen Ruhm des familiären Klubs im Wuppertaler Osten begründeten. 1902 richtete der Verein in Langerfeld das Gauturnfest aus, 1931 wurde Ernst Winter Weltmeister am Reck. Ein Kunstturnwettkampf 1948 in London und 1951 der Rückkampf im Barmer Fita-Palast gegen die englische Olympia-Auswahl waren erste zarte Zeichen der Völkerverständigung einstiger "Feinde" kurz nach dem 2. Weltkrieg. Dass der englische Mannschaftsführer bewegt mit den Worten "I love you" dankte, durfte man nicht nur im Wuppertaler Osten als diplomatischen Erfolg werten.

Nach dem Olympialehrgang am Hedtberg (auswärtige Olympia-Anwärter wie Adalbert Dickhut wurden bei den gastfreundlichen Langerfeldern zu Hause untergebracht) wurden 1952 die LTV-Athleten Hardi Frenger und Helmut Bantz nach Helsinki zu den Olympischen Spielen entsandt. 1953 wurde die Langerfelder Kunstturnriege mit Bantz, Frenger, Beuth, Kotthaus, Apel, Koch und Beckmann sogar deutscher Meister. Die schneidigen Turner bestritten dann im Kunsthaus in Luzern einen internationalen Wettkampf, zu dem auch Wuppertals damaliges Stadtoberhaupt Heinrich Schmeissing gereist war. Die Schweizer Presse schrieb: "Ihrem Körperbau nach waren die Langerfelder wuchtiger. Ihr Turnen war präzis, kühl und männlich."

Das Jahr 1956 war sicher der Höhepunkt der Vereinsgeschichte: Helmut Bantz gewann in Melbourne die Goldmedaille im Pferdsprung und gehört zu den wenigen Ehrenmitgliedern. Übrigens: Beim LTV wurde auch mal geschwommen und gefochten.

Auch wenn der LTV Traditionen in Ehren hält, ist der Blick doch nach vorn gewandt: Es wird Boule und Badminton gespielt, man trifft sich zu Nordic Walking, zur Ski-Gymnastik, betreibt Jazz und Modern Dance, arbeitet beim Kinderturnen unter fachkundiger Anleitung (der LTV beschäftigt etwa 45 Trainer und Übungsleiter) gezielt gegen die Bewegungsarmut und bietet auch in diversen Senioren-Abteilungen den älteren Aktiven Sport.

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