Sportfunktionärin des Jahres: Langer ist die gute Seele der ETG

Sportfunktionärin des Jahres : Langer ist die gute Seele der ETG

Schatzmeisterin Ulrike Langer hält der Elberfelder TG seit 30 Jahren in offiziellen Ämtern die Treue.

Im Rampenlicht zu stehen und große Worte vor Publikum zu sprechen, ist nicht das Ding von Ulrike Langer. Deshalb war die 63-Jährige auch ein wenig nervös, als sie am Mittwoch bei der alljährlichen Sportmeisterehrung in der Glashalle der Stadtsparkasse auf die Bühne gebeten wurde, um als Wuppertaler Sportfunktionärin des Jahres ausgezeichnet zu werden. „Ich hatte doch Herzklopfen“, bekannte sie. Natürlich habe sie die Auszeichnung sehr gefreut, doch für sie sei es keine Bürde, sondern eine Herzensangelegenheit, im Verein zu wirken - und das inzwischen seit mehr als vier Jahrzehnten.

Schon als junge Hockeyspielerin, damals noch beim Wuppertaler SV, dem sie sich mit 14 anschloss, nachdem sie zunächst heimlich zum Training gegangen und ihre Eltern damit überrumpelt hatte, übernahm sie Verantwortung auch außerhalb des Feldes. 1972 lernte sie dort auch ihren heutigen Mann Norbert kennen und lieben. Beide waren damit befasst, den Newsletter für die Hockeyabteilung zu erstellen, kamen sich dabei näher. Er fuhr sie ins Stadion, wo der Newsletter damals noch auf Matritze vervielfältigt wurde. Später leiteten sie sogar gemeinsam die Abteilung, die sich aber so langsam auflöste, weil es keine Jugend und keine richtige Heimat gab, die Mannschaften sich Plätze und Hallen im ganzen Stadtgebiet suchen mussten.

Genau dieses Heimatgefühl ist es, das ihr bei der Elberfelder TG so gut gefällt. Der schloss sie sich 1990 nach einem kurzen Intermezzo bei Gold-Weiss an. Mit dem Platz am Dorner Weg und der Halle Hesselnberg habe der Verein ideale Voraussetzungen, die Gemeinschaft und die Geselligkeit zu fördern, die für Vereine so wichtig sei, findet sie.

Schon drei Jahre später ließ sich Ulrike Langer auch bei der ETG in die Pflicht nehmen, zunächst als Kassenwartin und Geschäftsführerin der Hockeyabteilung, später auch als Schatzmeisterin des Gesamtvereins. „Ich bin Buchhalterin, das liegt mir im Blut“, bekennt sie, dass dieses für Vereine so wichtige, aber wenig beliebte Amt ihr nicht schwerfalle, auch wenn die Bürokratie immer mehr geworden sei. Noch mehr Spaß mache es ihr allerdings, als Geschäftsführerin der Hockeyabteilung, den Kontakt zu den Mannschaften zu halten, deren Termine sie ja koordiniert. Bei zwölf bis 16 Teams in der Hallensaison und zehn bis elf im Sommer ist das eine durchaus zeitraubende Aufgabe. Und dennoch blickt sie auch gern noch über den Tellerand hinaus, etwa wenn die ETG in regelmäßigen Abständen Deutsche Jugendmeisterschaften organisiert. „Ich spreche sehr gerne mal mit anderen Vereinen“, sagt Ulrike Langer, die Abwechslung mag. Auch im Urlaub, wo Städtereisen ihr Steckenpferd sind, um stetig Neues kennenzulernen.

„Sie ist die gute Seele des Vereins, hilfsbereit und sehr engagiert. Es macht Spaß mit ihr zusammenzuarbeiten“, sagt der ETG-Vorsitzende Harald Scheuermann-Giskes und fügt lobend hinzu: „Die ETG-Hockey-Abteilung wäre ohne sie nicht die selbe.“

So nennt Ulrike Langer den Verein auch nach der Beendigung ihrer sportlichen Karriere, die sie (noch beim WSV) bis in die damals höchste Spielklasse geführt hatte, weiter ihr Hobby. Für das hat sie noch mehr Zeit, seit sie vor drei Jahren in Rente ging. „Wenn man mich noch erträgt, mache ich es auch noch ein bisschen weiter, allerdings nicht bis zum Sankt-Nimmerleinstag“, sagt sie augenzwinkernd. Die Wärme in einem Verein sei es, was ihr besonders gefalle. Gerade da würden es die Klubs aber in Zukunft immer schwerer haben. „Viele kommen nur noch, wollen ihr Programm machen und sind dann wieder weg“, sagt sie. Etwa im Bereich Fitness seien da die Studios mit ihrem Dienstleistungsangebot inzwischen eine übermächtige Konkurrenz. Beim Mannschaftssport sehe es etwas anders auch, auch wenn die früher übliche Gemeinschaft längst nicht mehr selbstverständlich sei.

Sie selbst genießt es, sich noch jeden Mittwoch mit den „Mädels“ der ehemaligen ETG-Zweiten zu treffen. Zwölf bis 16 seien da regelmäßig in gemütlicher Runde zusammen. Gemeinsam unternimmt man auch Reisen. „Wir haben sogar mal den Aufstieg in die Oberliga abgelehnt, weil wir nur gemütlich Hockey spielen wollten“, berichtet sie in der Rückschau - ganz gute Seele des Vereins.

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