Kampfsport: Die Gemeinschaft steht beim SC Nippon im Vordergrund

Kampfsport: Die Gemeinschaft steht beim SC Nippon im Vordergrund

Der bergische Verein legt nicht nur viel Wert auf Technik und Fitness. Respekt und Miteinander werden ebenfalls vermittelt.

Wuppertal. „Sa Zen“ — mit der Aufforderung zur Meditation im Sitzen beginnt und endet beim SC Nippon Wuppertal jedes Jiu-Jitsu-Training. Auch die Jüngsten beim Kindertraining, die zwei Minuten vorher noch das gerade Erlernte gegenseitig anwenden sollen, was je nach Ausbildungsgrad noch wie eine wilde Kabbelei aussieht, verbeugen sich nun ganz ruhig, atmen durch und sind mucksmäuschenstill.

Nicht nur die Technik, sondern auch die Philosophie der fernöstlichen Kampfkunstarten wie Jiu Jitsu, Aikido oder Karate „rüberbringen“, für Körper und Geist etwas tun — das ist von Beginn an das Credo des im Jahr 2000 gegründeten Vereins gewesen.

Damals gab die Firma Rheinkalk Haus 9 seines ehemaligen Gebäudekomplexes an der Dornaper Straße 16 bis 18 frei, und der inzwischen verstorbene Rainer Wirtz, der mit einigen weiteren Kampfsportlern wie dem heutigen 1. Vorsitzenden Ralf Stecklum den Verein aus der Taufe hob, konnte das Betriebssport- und Verwaltungsgebäude als neues „Dojo“ (japanisch Trainingsstätte) mieten.

Auf 400 Quadratmetern unter einem Tonnendach, wo früher im Betriebssport Tischtennis- und Tennisbälle flogen, rollen heute die Kampfkünstler von Jung bis Alt über das riesige Mattenfeld. Aber auch Rückengymnastik, Body-Work-out und seit neuestem Kara T Robics — Fitnesstraining mit Musik und Karatetechniken — gehören zum Angebot.

„Wir wollen in unserem Verein möglichst allen Altersgruppen Angebote machen“, sagt Ralf Stecklum, selbst Schwarzgurtträger des 5. Dan im Jiu Jitsu und zertifizierter Übungsleiter und Ausbilder. Großen Wert legt er auf die Aus- und Weiterbildung der Trainer. Dazu bietet der Verein selbst beste Voraussetzungen, obwohl er mit 114 Mitgliedern recht klein ist. Mit seinem Gebäude, in dem sich auch ein Schulungs- und ein großer Jugendraum mit kleiner Küche befinden, ist der SC Nippon Landesstützpunkt des Jiu Jitsu-Verbandes. Häufig finden dort Seminare und Fortbildungen, aber auch Dan-Prüfungen statt, an denen Sportler aus ganz NRW teilnehmen. Für die Vereinsmitglieder sind die Wege dadurch kurz. Doch auch weitere werden zur Fortbildung nicht gescheut. So war ein Aikido-Trainer des Vereins kürzlich in Belgien, wo ein japanischer Großmeister ein Showtraining anbot.

Kampfkunsttechnik ist eine Sache — die Vereinsphilosophie eine andere. Sie wird beim SC Nippon seit kurzem in einer Vereinsfibel festgeschrieben, in der viel von gegenseitigem Respekt und sportartübergreifendem Zusammensein die Rede ist. „Wir versuchen hier ein Miteinander aller Sportler, haben deshalb auch keine Abteilungsleiter“, sagt Stecklum. Gemeinschaftssinn wird groß geschrieben. Zweimal im Jahr treffen sich die Mitglieder, um gemeinsam das Dojo gründlich zu reinigen. Eltern von jungen Vereinsmitgliedern haben eine Bücherecke eingerichtet, in der man Bücher tauschen, sich aber auch das Warten verkürzen kann, während der Nachwuchs trainiert. Im Jugendraum sitzen vor allem die Erwachsenen nach dem Training oft noch zusammen. „Das genieße ich“, sagt etwa Frank Siepmann, der regelmäßig zum Jiu Jitsu-Training kommt, in Wülfrath arbeitet und in Essen wohnt. „Dort gibt es auch Studios, aber bei vielen ist man nur eine Nummer“, ergänzt er.

Der SC Nippon, der im Wuppertaler Westen auf der Grenze zum Kreis Mettmann liegt, nennt sich bewusst bergischer Verein und hat nach einem Vorstandswechsel, der nach einem Todesfall nötig wurde, an einer neuen Identität gearbeitet, um sich weiterzuentwickeln und das Dojo auch weiterhin auszulasten. „Dabei hat mir mein Stellvertreter David Bosse sehr geholfen. Er ist selbstständiger Vertriebler und im Marketing sehr versiert“, sagt Ralf Stecklum.

Ein elektronischer Newsletter sorgt dafür, alle Vereinsmitglieder auch ohne Papierkram auf dem Laufenden zu halten. Facebook und seit neuestem auch You Tube werden ebenfalls verstärkt zur Bindung der Vereinsmitglieder genutzt, aber auch um die Bekanntheit des Vereins zu steigern. Auf Youtube etwa kann man sich beim SC Nippon gedrehte Schulvideos von Kampftechniken anschauen.

Dass Ehrenamtler das Vereinsheim auch für private Zwecke nutzen dürfen und ermäßigten Vereinsbeitrag zahlen, gehört zum Belohnungssystem, um neue Helfer zu finden. Um den Familiensinn zu stärken, gibt es reduzierte Familienbeiträge und die Möglichkeit, ohne Aufpreis jedes Kursangebot zu nutzen.

Mit dem Wort „Re“ beendet die 11-jährige Annika die abschließende Meditationsphase beim montäglichen Jiu-Jitsu-Kindertraining. Seit viereinhalb Jahren ist sie schon dabei, hat bereits drei Gürtelprüfungen abgelegt. Klar, dass sie da im Training bevorzugte Partnerin beispielsweise auch für Neuzugänge wie Matthias (11) ist. Dem macht das „Kämpfen“ Spaß. Vereinssport hat er zuvor noch nicht betrieben. „Bisher haben wir die Freizeit genossen, jetzt lenken wir das in sinnvolle Bahnen“, sagt seine Mutter, während sie den Aufnahmeantrag abgibt.

Mehr von Westdeutsche Zeitung