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Kämpferin für den Vereinssport in Wuppertal

Sportlerin der Woche : Kämpferin für den Vereinssport

Petra Glebe war eine der ersten weiblichen Club-Vorsitzenden.

Die Überraschung war riesig: „Ich habe erst geglaubt, dass es sich um eine Verwechslung handelt“, sagt Petra Glebe (78), die am 18. März im Glassaal der Stadtsparkasse bei der Wuppertaler Sportlerehrung als „Funktionärin des Jahres“ ausgezeichnet wird. Sie ist seit 28 Jahren Vorsitzende des Nützenberger Turn- und Spielvereins. „Eine der ersten Frauen, die in einem Verein Verantwortung übernommen haben“, lobt Dorothee Hartmann, die Vorsitzende des Turnverbands Wuppertal die 78 Jahre alte agile Funktionärin, die dafür sorgt, dass in ihrem 680 Mitglieder starken Verein alles funktioniert.

„Du hast es verdient. Nun nimm diese Ehrung auch an“, ermutigt sie auch ihre Mitstreiterin Hanni Bujak, die im NTV einen Eltern-Kind-Turnkurs leitet und zu den unentbehrlichen Helferinnen gehört, denen Petra Glebe die Auszeichnung gleichfalls widmet. „Ohne diese ehrenamtlichen Kräfte können Vereine wie der unsere nicht existieren“, hebt Glebe hervor. Wer ihren Lebenslauf studiert, stößt auf eine für Frauen eher ungewöhnliche Ausbildung.

Sie absolvierte neben dem Schulabschluss einer Zeichner-Lehre im Architektenbüro Mohr auch eine abgeschlossene Maurer-Ausbildung, die mit der Meisterprüfung vor der Industrie- und Handelskammer vollendet wurde. Petra Glebe war dann im öffentlichen Dienst beim Hochbauamt und als Straßenmeisterin im Tiefbauamt der Stadt Wuppertal tätig.

Zum Sport kam sie eher zufällig. Glebe: „Unsere Tochter Tanja genügte der Ballett-Unterricht nicht, und deshalb ist sie in den Nützenberger TV eingetreten, um dort noch Rhythmische Sportgymnastik zu betreiben.“ Das war 1980, und nicht alle Eltern in Tanjas Riege verfügten über ein Auto. „Da bin ich oft als Fahrerin zu den Wettkämpfen eingesprungen. Der nächste Schritt war das Frauenturnen, und 1981 wurde ich in den Festausschuss gewählt“, schildert die energiegeladene Seniorin die Stufen ihrer Funktionärs-Karriere. „1988 wurde ich dann zur zweiten Vorsitzenden gewählt, und weil sich der Vorsitzende Hans Tillmann so langsam aus der Vereinsleitung zurückziehen wollte und niemand sich zu diesem Amt drängte, war ich dann 1992 plötzlich die 1. Vorsitzende.“

Eine Funktion, die Petra Glebe bis heute ausübt, ohne Scheu, Dinge, die in ihren Augen nicht richtig laufen, auch beim Namen zu nennen. „Sie kämpft wie eine Löwin für ihren Verein. Und zwar ohne nachzulassen. Wenn Petra sich für oder gegen etwas engagiert, dann bleibt sie dran“, meint Dorothee Hartmann voller Respekt.

Ebenso wichtig sei ihr soziale Kompetenz, die gerade in Turnvereinen einen hohen Stellenwert habe. „Hier lernt man nicht nur, sich sportlich zu bewegen, sondern auch, Rücksicht zu nehmen, sich diszipliniert und respektvoll gegenüber seinen Mitmenschen zu verhalten“, so Petra Glebe, die keine Anzeichen von Amtsmüdigkeit zeigt, weil sie sich gern im Kreis ihrer Vereinskameraden und in den drei Hallen (Nützenberger Straße, Kyffhäuserstraße, Sillerstraße), die dem NTV zur Verfügung stehen, bewegt. „ Wer sich über so lange Zeit für den Sport auch über ihren Verein hinaus für Andere engagiert, der hat diese Ehrung verdient“, sagt Volkmar Schwarz, der Geschäftsführer des Stadtsportbundes.

(fwb)