Jugend forsch beim WSV

Fünf ehemalige A-Jugendliche unterstreichen mit Trainingsfleiß ihre Ambitionen auf einen Platz in der Startelf.

Wuppertal. Zwei Running Gags (wiederkehrende Lacher) ziehen sich bisher wie ein roter Faden durch das Trainingslager des WSV in Bad Griesbach. Für den einen sorgt der hörgeschädigte Torwarttrainer „Zimbo“ Zimmermann, der allabendlich in seinem einmaligen Sprachstil bei Tisch einen Witz erzählt und vom Team mit erhobenen Händen (in der Taubstummensprache Applaus) belohnt wird. Für den anderen, weniger witzigen, sorgen Sportvorstand Jörg Albracht und die Spieleragenten, mit denen er weiter einen anspruchsvollen Testspielgegner sucht.

Auch Franz Beckenbauer, der im Nachbarhotel „Maximilians“ mit der Familie einen Golf-Kurzurlaub verbringt, wusste auf Anfrage der WZ keinen Rat. „Die Sechziger sollen sich hier irgendwo rumtreiben“, meinte er nur. Zweitligist 1860 München kommt auf Nachfrage der WZ aber nicht infrage, wie eine Sprecherin von 1860 sagte. „Das Team hatte den Härtetest am Montag vor dem Ligastart am kommenden Sonntag.“

Das Training beim WSV bleibt unterdessen hart. Mittwochfrüh gab es zwei gute und eine weniger gute Nachricht für die Spieler. Der Frühlauf fiel erstmals weg und beim Morgentraining war der Ball im Spiel. Allerdings in Verbindung mit einem sogenannten hochintensiven Intervalltraining (HIT). Zwischen Torschüssen und Zweikämpfen waren Spurts und Sprünge eingebaut. Bei 28 Grad und Schwüle lief bereits nach wenigen Minuten der Schweiß in Strömen. Und wehe dem, der nachließ — der durfte sicher sein, dass er von Trainer Karsten Hutwelker lautstark gerüffelt wurde. Lob und Tadel — damit arbeitet Hutwelker intensiv. „Das ist halt mein Naturell und meine Philosophie von leidenschaftlichem Fußball.“

Besonders die fünf ehemaligen A-Jugendlichen Jörn Zimmermann, Felix Herzenbruch, Bastian Sube, Jan-Steffen Meier (alle eigene Jugend) und Nico Matern (aus Halle) dürfen sich der (meist wohlwollenden) Zuwendung des Trainers sicher sein. „Sie ziehen hier voll mit und haben alle Qualität. Ich hätte absolut keine Bedenken, sie ins kalte Wasser zu werfen“, sagt Hutwelker. In ihrem ersten Seniorenjahr sind die Fünf schon allein deshalb wichtiger Bestandteil der Mannschaft, weil der WSV mit ihnen die vom DFB vorgegebene U23-Quote erfüllt. Alle Regionalliga-Vereine müssen mindestens vier Spieler unter 23 Jahren im Kader haben. Die WSV-Talente sind aber auch schon ernsthafte Alternativen für die gestandenen Spieler.

Jörn Zimmermann wurde als Vertreter der jungen Fraktion in den Mannschaftsrat gewählt. Felix Herzenbruch, wegen seiner ausgeprägten Oberkörper-Muskulatur und seines Kämpferherzens im Mannschaftskreis bereits „Conan“ genannt (in Anlehnung an Arnold Schwarzeneggers Rolle in „Conan der Barbar“), nimmt jeden Wettkampf begeistert an.

Und Bastian Sube, der im ersten Regionalliga-Spiel der neuen Saison gegen Fortuna Düsseldorf II wegen einer roten Karte aus der vergangenen A-Jugend-Bundesliga-Saison noch gesperrt ist, wird von Sascha Samulewicz als ernsthafter Konkurrent angesehen. „Ich sehe es sehr positiv, dass wir jetzt hier voll dabei sind. Druck, spielen zu müssen, mache ich mir sicher nicht, aber es kann immer mal passieren, dass man ins Team rutscht“, sagt der 19-jährige Torwart und seine jungen Kollegen nicken.

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