JHV: Das Defizit des Wuppertaler SV wächst

JHV: Das Defizit des Wuppertaler SV wächst

Der WSV-Vorstand rechnet mit rund 100.000 Euro weniger Einnahmen als in der vorigen Saison.

Die finanzielle Situation bei Fußball-Regionalligist Wuppertaler SV hält nicht mit der sportlichen Schritt. Was Vorstandssprecher Lothar Stücker seit Monaten betont, unterlegte er am Montagabend bei der Jahreshauptversammlung auch mit traurigen Zahlen.

Foto: Stefan Fries

So hat der Verein in der Saison 2016/17 nach dem Verpassen des Niederrheinpokalfinales die negativen Prognosen sogar noch übertroffen. Unter dem Strich stand ein Minus von 136 636 Euro, wobei laut Stücker eine nicht eingehaltene Zusage von 75.000 Euro erschwerend hinzukam.

Für die aktuelle Saison, in der der WSV den Etat für die erste Mannschaft gemäß seinem Konzept WSV 2020 von 660.000 auf 850.000 Euro erhöht hat, sieht es nicht besser aus. Aktuell, so Stücker, laufe es auf ein Defizit bis zum Saisonende von 157.500 Euro aus. Dabei habe man die Zuschauereinnahmen sehr vorsichtig kalkuliert, da man nicht erwarten könne, dass nach mit den vielen Spielausfällen die Einnahmen sprudelten.

Weil vermeintliche Topspiele etwa gegen RWE, Aachen oder Viktoria Köln schlechter lagen als im Vorjahr, aber auch wegen des Zuschauerrückgangs durch die Preiserhöhung vor der Saison geht man von Mindereinnahmen von 100.000 Euro gegenüber der Vorsaison aus. Das habe eine geringe Erhöhung der Sponsoreneinnahmen nicht ausgleichen können.

Vor diesem Hintergrund, so Stücker, sei es auch ausgeschlossen gewesen, die Lizenz für die Dritte Liga zu beantragen. „Wir haben uns im Herbst ernsthaft damit beschäftigt und sind offensiv an die Öffentlichkeit gegangen“, so Stücker. Aber die erhofften Impulse auf der Sponsorenseite habe es — ähnlich wie bei der Reaktion auf das Konzept 2020 — nicht gegeben. Das Defizit steigt also weiter. Stücker legte aber dar, dass Darlehen aus früheren Fehlbeträgen weiter planmäßig getilgt würden.

Aus dem Plenum folgte vor allem für die erfolglose Suche nach einem Trikotsponsor viel Kritik. Der Antrag auf ein Misstrauensvotum gegen den Vorstand wegen der aus Sicht des Antragstellers unbegründeten und stillosen Trennung von Trainer Stefan Vollmerhausen wurde aber zurückgezogen. Stücker hatte sich bei seinem Vortrag bei Vollmerhausen für sein Engagement bedankt. Der Applaus für den abgelösten Trainer war ähnlich groß wie der für seinen Nachfolger Christian Britscho, der mit der gesamten ersten Mannschaft erschienen war.

Sportvorstand Manuel Bölstler legte bei den Auswirkungen der Finanzsituation noch einen drauf: „Wir haben eine charakterlich und spielerisch tolle Mannschaft. Gerne würde ich jedem Spieler einen neuen Vertrag geben, aber nach derzeitigem Stand werde ich das wohl nicht können.“ Aktuell hätten nur zehn Spieler Vertrag über das Saisonende hinaus, man habe auch noch keinen Trainer und kein Funktionsteam. Die gute sportliche Entwicklung werde gestoppt, wenn sechs bis sieben Spieler gehen müssten. „Wir brauchen Unterstützung, sonst müssen wir unsere Ziele zurückschrauben.“ Zumindest ein Mitglied erhörte die Bitte um Unterstützung. Es versprach 19.540 Euro für die Trikotbrust in den restlichen Spielen.

Nach der durchaus kontroversen Debatte wurden alle Vorstandsmitglieder, auch die 2017 ausgeschiedenen Alexander Eichner und Host Willich, dennoch mit überwältigender Mehrheit entlastet. Auch die 17 Gegenstimmen für Lothar Stücker waren bei 245 Stimmberechtigten überschaubar.

Es gab auch noch einen Austritt aus dem Verwaltungsrat: Dieter Schauf, gegen den die übrigen zwölf Verwaltungsratsmitglieder wegen Vertrauensbruchs einen Abwahlantrag gestellt hatten, trat aus eigenen Stücken zurück, wobei er die Vorwürfe strikt von sich wies. Er führt noch ein Verfahren gegen den WSV wegen seiner Einlage in die Horst-Buhtz-Stiftung zur Jugendförderung. Die hat er zurückgefordert, weil die Stiftung immer noch nicht gegründet ist. Das werde aber jetzt erfolgen, versprach Lothar Stücker, die nötige Einlage von insgesamt 50.000 Euro sei anderweitig gesichert.