Interview mit dem WSV-Verwaltungsratsvorsitzenden Christian Vorbau

Interview : Christian Vorbau: „Verwaltungsrat war nicht involviert“

Christian Vorbau ist verärgert über die Informationspolitik des WSV. Die WZ sprach mit Christian Vorbau, Vorsitzender des Verwaltungsrats (VWR) des Wuppertaler SV, nach der Beurlaubung von Trainer Andreas Zimmermann.

Herr Vorbau, wie haben Sie von der Trennung erfahren?

Vorbau: Ich wurde am Dienstag von Vorstandssprecher Alexander Eichner informiert, habe es aber bereits vorher durch die Medien und die Instagram-Seite von Andreas Zimmermann erfahren.

Sportdirektor Karsten Hutwelker sprach davon, dass die Gremien getagt hätten und er der Überbringer der schlechten Nachricht sei. So ist der Eindruck entstanden, als ob der Verwaltungsrat des Vereins an dieser Entscheidung beteiligt gewesen wäre.

Vorbau: Deswegen haben uns auch gestern viele Fans angerufen. Nach dem Motto: ‚Seid ihr noch ganz dicht.‘ Ich bin auch extrem verärgert über diese Aussage, denn der Verwaltungsrat war in die Entscheidung weder involviert, noch wurde er vorher informiert. Auch den Kollegen stößt das sauer auf. Als Vorsitzender muss ich auf solche Unwahrheiten reagieren und sie klarstellen. Mir tut es für Andreas Zimmermann extrem leid, ich habe am Dienstag auch lange mit ihm telefoniert und unser Bedauern ausgesprochen. Ich muss auch ganz ehrlich sagen, dass ich mich aktuell schäme, Repräsentant des Vereins zu sein.

Wie wird der Verwaltungsrat auf diese Entscheidung reagieren?

Vorbau: Wir werden uns bei unserer nächsten Sitzung am kommenden Montag mit dem Thema natürlich beschäftigen. Vielleicht gelingt es uns ja, den Vorstand umzustimmen und Zimmermann zurückzuholen. Das wäre eine schöne Vorstellung und wohl einmalig im Fußball. Aber man kann auch mal der Erste sein. Zimmermann ist schnell zu einer Identifikationsfigur im Verein geworden. Er hat für seine Aufgabe gebrannt. Auch der Zusammenhalt in der Mannschaft ist sehr gut, mein Sohn hat selbst in der Vorbereitung mittrainiert. Ich muss aber auch betonen, dass es für uns als VWR sehr wichtig ist, dass Ruhe im Verein herrscht. Deswegen werden wir trotz unterschiedlicher Auffassungen die Entscheidung des Vorstands akzeptieren. Denn der ist für das operative Tagesgeschäft zuständig, worauf der VWR nur sehr bedingt Einfluss hat. Der Vorstand ist nicht verpflichtet, dem VWR vorweg mitzuteilen, welche Entscheidungen er trifft. Auch Sportdirektor Karsten Hutwelker muss nicht mit uns reden.

Die Fans sind empört ob der Entscheidung, der Fanshop blieb aus Protest am Mittwoch geschlossen. Droht dem WSV die Spaltung?

Vorbau: So hoch würde ich das nicht hängen. Ich finde es gut, dass die Fans rebellieren. Das zeigt, dass der WSV noch lebt. Schlimmer wäre, wenn gar nichts kommen würde. Gut, wir haben uns als Verein Leitsätze wie Zuverlässigkeit, Nachhaltigkeit und seriöses Handeln auf die Fahnen geschrieben. Aber nochmal: Das operative Geschäft können wir als Verwaltungsrat nicht beeinflussen, sondern nur beratend einwirken.

Zuletzt machten Gerüchte die Runde, dass der Verwaltungsrat in zwei Lager aufgeteilt sei. Zudem ist neulich mit Carsten Sander nach Carsten Kulawik ein weiteres Mitglied ausgeschieden.

Vorbau: Grabenkämpfe kann ich nicht bestätigen. Es wird zwar viel kontrovers diskutiert, aber es ist ein lebendiges Gremium, für das das Wohl des WSV an erster Stelle steht. Wir haben ja ein schweres Erbe angetreten und am Anfang gab es bei dem einen oder anderen vielleicht zu viel Hitze oder Angst, etwas falsch zu machen. Jetzt herrscht aber ein professionelles Miteinander. Und dass Mitglieder ausscheiden, halte ich für einen relativ normalen Vorgang. Sander ist beruflich stark beansprucht. Ich persönlich sehe mich in der Pflicht, weil ich von den Mitgliedern gewählt wurde.

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