Laufsport: In 100 Stunden durch Deutschland

Laufsport : In 100 Stunden durch Deutschland

Oliver Witzke startet mit 17 Läufern eine Staffel von Sylt bis Garmisch und will Spenden sammeln.

Wuppertal. Staffettenläufe haben im Bergischen eine gute Tradition, seit Ende der 1980er-Jahre eine teilweise prominente Läufergruppe die Strecke von Wuppertal bis in die Partnerstadt Kosice im Zeichen der Freundschaft zu Fuß zurücklegte. Jetzt plant der in der Bergischen Laufszene bekannte Solinger Oliver Witzke ein ähnlich ambitioniertes Laufprojekt, verbunden mit einer Spendenaktion für die Spürhundestaffel des THW Wuppertal. Hintergrund: Im Februar war ein Freund bei einem Lawinenunglück in der Schweiz ums Leben gekommen, konnte auch von Lawinensuchhunden nicht mehr rechtzeitig gerettet werden.

In knapp fünf Tagen, vom Montag, 17., bis Freitagmittag, 21. September, soll es vom Startpunkt auf Sylt aus nach Garmisch-Partenkirchen gehen, 1230 Kilometer, 100 Stunden nonstop bei Tag und bei Nacht.

Zu den 17 unentwegten Läufern, die sich jeden Kilometer abwechseln und so auf einen Schnitt von deutlich unter fünf Minuten für die 1000 Meter kommen sollen, gehören mit Corinna Mertens, Benjamin Lehmbach (beide LG Wuppertal), Sascha Hoter (Jugendleiter des Cronenberger SC) und Lars Beer auch vier Wuppertaler. „Die meisten Passagen der Strecke habe ich selbst erkundet und für alle abschnittsweise Pläne gemacht, damit sie sich nicht verlaufen“, berichtet Witzke. Eine ähnliche Aktion hat er vor fünf Jahren mit dem Staffellauf von Remscheid in die französische Partnerstadt Quimper bereits einmal erfolgreich gestartet. Auch Corinna Mertens war damals schon mit dabei. Die 1000 Kilometer legte die Gruppe in drei Tagen mit einem Kilometerschnitt von 4:17 Minuten zurück. „Insofern sollte die jetzige Vorgabe kein Problem darstellen“, so Witzke.

Doch bei allem läuferischen Vermögen der Teilnehmer stellt das ganze logistisch riesige Herausforderungen. Drei Fahrzeuge - eines davon stellt der Stadtsportbund Wuppertal, eines das THW Wuppertaler zur Verfügung - begleiten die Aktion ständig. Eines ist dabei der gerade aktiven Läufergruppe zugeteilt, eines der, die gerade auf einem Campingplatz ruht, dazu gibt es ein Versorgungsfahrzeug mit der Ausrüstung. Auf schwer zugänglichen Etappenabschnitten, wenn es über enge Feld- und Waldwege geht, sollen die Läufer übrigens mit dem Fahrrad begleitet werden, um auf diese Weise den regelmäßigen Wechsel zu garantieren - „und um die Autos zu schonen“, betont Witzke.

Benjamin Lehmbach, gerade noch Staffelsieger beim Zoo-Berglauf, wird die Taggruppe anleiten, Witzke die Nacht-Läufer. „Alle sind gut vorbereitet“, sagt Lehmbach. Mit Inga Hundeborn aus Solingen ist noch eine weitere Siegerin des Zoo-Berglaufs unter den Staffelläufern. Die wollen sich am Ankunftstag in Garmisch noch eine gemeinsame Wanderung auf die Zugspitze gönnen.

Minutiös hat Oliver Witzke die Woche durchgeplant und sich für die Etappe durch die heimischen Gefilde etwas ausgedacht. Etwa gegen 7 Uhr will man am Mittwoch, 19. September, an der Ruhrbrücke in Witten ankommen, später durch den Tunnel Schee auf Wuppertaler Stadtgebiet laufen, das man über Wittener Straße, Bahnhof Oberbarmen, Scharpenacken und Ronsdorf wieder verlässt.

Dann wird sich auch Arnd Bader - in der hiesigen Szene bestens bekannt - einreihen, um die Läufer zu entlasten. „Er hat beruflich bedingt leider nur an diesem Tag Zeit, will sich das aber nicht nehmen lassen“, so Oliver Witzke. Beim Frankreich-Lauf vor fünf Jahren war Bader noch komplett dabei gewesen, ebenso wie Lawinenopfer Benjamin Vogt, dessen Gedenken Witzke die Neuauflage widmet. „Die Ausbildung von Lawinen- und Spürhunden erfordert viel Zeit und Geld. Wie wichtig sie sind, hat sich gerade wieder bei der Explosion des Hauses in Oberbarmen gezeigt“, so Witzke, der auf ein glückliches Ankommen seiner Läufer in Garmisch und natürlich auf viele Spender für den guten Zweck hofft.

Mehr von Westdeutsche Zeitung