Sportlerin der Woche: Im Sprint senkrecht die Wand hoch

Sportlerin der Woche : Im Sprint senkrecht die Wand hoch

Franziska Ritter (16) ist mit ihrem Speed-Rekord in der Kletterszene in aller Munde.

Wuppertal hat eine neue Hoffnung für Olympia. Wenn im Jahr 2024 Speed-Klettern zur olympischen Disziplin wird, möchte Franziska Ritter von der Sektion Barmen im Deutschen Alpenverein gerne dabei sein. „Ja, das wäre ein Traum“, sagt die Schülerin des Gymnasiums am Kothen. Der scheint nicht so unrealistisch. Denn mit erst 16 Jahren ist Franziska Ritter aktuell schon die schnellste Deutsche in dieser Disziplin, bewältigte, wie berichtet, vor zwei Wochen beim Deutschen Jugendcup in Kempten die 15 Meter senkrecht in die Höhe führende Normroute in 9,527 Sekunden.

Franziska Ritter ist sozusagen ein Kind der ersten Stunde im Kletterzentrum Wupperwände an der Badische Straße. Schon als Dreijährige hielt es sie nicht am Boden, wenn ihre Eltern und ihr acht Jahre älterer Bruder Simon dort kletterten. Ihren ersten Wettkampf bestritt sie mit acht Jahren, ist mit jetzt 16 also schon fast ein alter Hase, sogar im Nationalkader unterwegs. Dennoch ist da etwas Neues dazugekommen: Jetzt wird sie bei jedem Wettkampf groß als Rekordhalterin angekündigt. Bereits vor drei Wochen beim Europacup in Italien hatte sie die nationale Bestmarke im Speedklettern auf 9,6 Sekunden gedrückt und galt deshalb auch in Kempten als Favoritin. „Wenn du dann so groß angekündigt wirst, ist das schon mit einem gewissen Druck verbunden. Du hast das Gefühl, dass alle jetzt wieder etwas Besonderes von dir erwarten“, berichtet sie, schiebt aber gleich nach: „Das ist schon cool.“ Dem Druck in Kempten hatte sie mit ihrer neuerlichen Bestmarke jedenfalls locker standgehalten.

Ihre Leidenschaft Klettern
pflegt Franziska fast täglich

Klettern, das ist für sie schließlich Leidenschaft. Das wettkampffreie Pfingstwochenende nutzt sie beispielsweise, um mit ihrem Bruder zum Ausflug ins in der Szene als Boulderparadies geltende Klettergebiet Fontainbleau bei Paris zu reisen. Auch in normalen Wochen ist sie so gut wie täglich an der Wand. Entweder an den Wupperwänden oder in der Boulderhalle Bahnhof Blo an der Nordbahntrasse, die von zu Hause aus noch näher liegt. Oft fährt sie gleich nach der Schule in die Halle, ist einmal die Woche auch in Hilden, wo es in der Umgebung die einzige Speedroute gibt.

Dieser dritte Teilbereich des ab 2020 olympischen Sportkletterns - dazu gehören noch Bouldern (ohne Seil bis Absprunghöhe) und Lead (angeseilt Routen klettern) - ist inzwischen ihre Spezialdisziplin geworden. Angeseilt sind die Kletterer bei einer Höhe von 15 Metern natürlich auch. Wegen der Rasanz hält ein Automat das Seil auf Spannung. Dass es dabei vor dem Bauch verläuft, stört Franziska Ritter nicht. „Viele legen es sich über den Rücken, aber ich komme vorne sogar besser damit zurecht“, sagt sie. Beim Anvisieren des nächsten Griffes sollte es auf keinen Fall stören.

Theoretisch kann man Griffe auch auslassen, um schneller nach oben zu kommen. Das erfordert viel Kraft und Explosivität. Franziska Ritter arbeitet daran. Schließlich ist international noch viel Luft nach oben. Der Damen-Weltrekord liegt aktuell bei knapp über sieben Sekunden.

Sie versucht jetzt erst einmal, sich bei den Deutschen Meisterschaften in Duisburg in zwei Wochen zu behaupten, wo sie sicher wieder groß angekündigt wird. Top-Ten beim Europacup in Italien Ende August ist noch so ein großes Ziel von Franziska Ritter in diesem Jahr, genau wie die Jugendweltmeisterschaft, für die sie sich bereits qualifiziert hat. Momentan scheint es jedenfalls nur steil bergauf zu gehen.

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