„Höherklassigen Fußball gibt es in Wuppertal kaum noch“

Amateurfußball : „Höherklassigen Fußball gibt es kaum noch“

Bedauern über den angekündigten Rückzug des ASV Wuppertal aus der Bezirksliga.

Weder beim Fußballkreis noch bei Bezirksliga-Staffelleiterin Stefanie Weide war am Montag eine offizielle Mitteilung vom Rückzug der Bezirksliga-Fußballer des ASV Wuppertal vom Spielbetrieb angekommen. Noch-ASV-Abteilungsleiter Andreas Krüger und Präsident Michael Lutz bestätigten allerdings noch einmal, dass es kein Zurück von diesem am Sonntagabend veröffentlichten Beschluss geben werde.

Krüger, der mit Wirkung vom Donnerstag mit seinen Kollegen der Abteilungsleitung zurücktritt, sagte: „Mit der Meldung haben wir ja noch bis zum 31. Zeit, aber es ist definitiv, dass wir am Sonntag nicht mehr spielen werden. Für Freitag sei bereits ein Abschiedsfrühstück abgemacht, darüber hinaus seien einige Spieler bereits in Gesprächen mit anderen Vereinen.

Michael Lutz will noch entscheiden, ob man als feststehender Absteiger in der kommenden Saison einen Startplatz in der Kreisliga A wahrnehmen wolle. Lutz: „Wir haben ja noch etwas Zeit, zu sehen, ob wir es schaffen, unter den neuen, billigeren Voraussetzungen eine Mannschaft zu finden. Die zweite Mannschaft, die in der Kreisliga B Drittletzter ist, hochzuziehen, hält er für keine gute Idee. Bald werde er eine Abteilungsversammlung einberufen und schauen, ob es neue Leute gibt, die bereit seien, Verantwortung zu übernehmen. „Die stehen unter diesen Umständen sicher nicht Schlange, aber ich bin Optimist“, sagt er.

Der Stern des ASV, der in den 80er Jahren mal die zweite Kraft im Wuppertaler Fußball hinter dem WSV gewesen war (in der Jugend spielte hier unter anderem der spätere Nationaspieler Holger Fach) und sogar in der damals dritthöchsten Liga kickte, ist schon seit Jahren gesunken. Zwischendurch stand mal das Finanzamt auf der Matte wegen Schwarzgeldzahlungen an Spieler, was den Verein fast das Leben gekostet hätte. Er überstand es mit Mühe. Vor acht Jahren stiegen die Barmer aus der Landesliga ab und wurde gleich weiter in die Kreisliga durchgereicht, von wo aber der Wiederaufstieg gelang. Unter anderem mit Ex-Profi Issa Issa hatte man zwischendurch wieder eine ambitionierte Mannschaft, mit dem inzwischen gestorbenen Rolf Blankertz einen Mäzen. Bereits vor zwei Jahren hatte es im Winter einen Umbruch gegeben, laut der abwandernden Spieler, weil finanzielle Zusagen nicht gehalten wurden. Trotzdem wurde der ASV am Ende noch Vierter.

„Das ist alles sehr traurig, wir hätten uns gewünscht, dass sie weiter spielen“, sagt Dirk Müller, Sportlicher Leiter des SSV Germania, der sich bereits auf das Derby gegen den ASV gefreut hatte, das am Sonntag hätte stattfinden sollen. Müller sorgt sich um den Fußball im Tal: „Hier gibt es ja hinter dem WSV und Cronenberg keinen höherklassigen Fußball mehr, und jetzt fällt auch noch einer von vier Bezirksligisten weg.“

Roman Benkert, Sportlicher Leiter von Liga-Konkurrent TSV Ronsdorf, sieht es ähnlich. Auch wenn es ungewöhnlich sei, früh in der Saison den Spielbetrieb einzustellen, will er sich nicht anmaßen, den Stab über dem ASV zu brechen. „Für alle Mannschaften ist es inzwischen schwierig, einen Etat zusammenzubekommen. Das ist eine Katastrophe. Es gibt keine Mäzene mehr wie Rolf Blankertz oder Bernd Bigge, die mal einen größeren Betrag reintun. Du musst gucken, dass du viele kleine Sponsoren an Land ziehst.“

(gh)