Sporthistorie: Große Wasserballzeiten in der Mirke

Sporthistorie : Große Wasserballzeiten in der Mirke

Heiner Mokroß erinnert an den SSC Hellas und Länderspiele in Wuppertal.

Am vergangenen Samstag ludt der Förderverein des Freibades Mirke zu einem denkwürdigen Filmabend ein: „Children of Glory“ heißt das zweistündige Epos, das den ungarischen Aufstand von 1956 und dessen blutige Niederschlagung durch die sowjetische Armee zum Inhalt hat. Und hierbei wird auch die Geschichte des ungarischen Wasserball-Teams erzählt, das 1956 nach einem 4:0-Sieg im „Blutspiel von Melbourne“ gegen die Sowjetunion im Halbfinale später Olympiasieger wurde.

Die Brücke von der Erhebung des Volkes der Magyaren gegen die sowjetische Armee zum Freibad Mirke ist relativ schnell geschlagen. Und zwar durch Miklos Sarkarny, den jüdischen ungarischen Erfolgstrainer, den Wolfram Keseberg, ein Spross der wassersportbegeisterten gleichnamigen Familie, vom SSC Hellas in die Mirke holte, wo er nach seiner Flucht über Österreich zunächst als Vereinstrainer und später sogar als deutscher Bundestrainer wirkte.

Wasserballer des SSC Hellas hatten in der Mirke ihr Zuhause

Heiner Mokroß, der Vorsitzende des Fördervereins Freibad Mirke und passionierter Wasserballer, wusste sowohl zum Film wie auch zu dem ungarischen Trainer, der als Aktiver zweimal Gold holte und in die „Jewish Hall of Fame“ Einlass gefunden hat, viel Wissenswertes. So, dass der Wasserball beim SSC Hellas, der in der Mirke seine Heimspiele austrug, dank des harten Trainings und der Kompetenz des Ungarn bald in der höchsten Klasse spielte und der übermächtigen Wuppertaler Konkurrenz der Wasserfreunde und der SSF Barmen auf die „Pelle“ rückte.

Aber die Geschichte des Schwimmsports und des Wasserballs geht in der Mirke noch viele weitere Jahre zurück. Nämlich bis in das Jahr 1891. Da wurde der Schwimmverein Hellas gegründet.

„Der Name bedeutet nicht, dass man dem Olymp entgegenstreben, sondern dass man den altgriechischen Gedanken, nach dem nur der als kultivierter Mensch galt, der lesen und schwimmen konnte, nacheifern wollte“, weiß Mokroß. Der SSC Hellas setzte sich dafür ein, dass Schwimmen zum Unterrichtsfach in den Schulen werden sollte.

„Ein Wunsch, der heutzutage angesichts der vielfachen Bäderschließungen aktueller denn je ist“, merkt Heiner Mokroß kritisch an.

Die Schwimmwettkämpfe zwischen den Wuppertaler Vereinen endeten meist mit einem Wasserballspiel, bei dem sich auch die Schwimmer nochmal so richtig austoben konnten. „Die Schwimmbegeisterung in Wuppertal machte den Verantwortlichen auch Mut, ein Projekt wie die Schwimmoper in Angriff zu nehmen“, so Mokroß.

Einen phänomenalen Aufschwung erhielt die Mirke Anfang der 1960er Jahre, als man nicht nur eine Wasseraufbereitungsanlage, sondern auch eine Beckenheizung einbaute. „Wie mir Wolfram Keseberg erzählte, war das eine der ersten in Deutschland und sorgte für rund 100 000 Besucher“, staunt Mokroß noch heute.

Also auch beste Trainingsbedingungen für Miklos Sarkarny, der auch Klassespieler aus seiner alten Heimat Ungarn nach Wuppertal lockte. So wurde die Mirke auch Austragungsort für das Wasserball-Länderspiel Deutschland gegen Frankreich, das damals noch ein eher distanziertes Verhältnis zur Bundesrepublik hatte.

Ein Länderspiel, das Sarkarny schlecht in Erinnerung geblieben sein dürfte, war die Olympiaqualifikation in der Schwimmoper 1964, bei der „seine“ BRD-Mannschaft gegen die DDR unterlag. Der Wasserball-Begeisterung tat das noch keinen Abbruch. Und die wurde bis in die 90er Jahre durch Funktionäre wie Ernst Werner Quambusch (SSF Delphin) aufrechterhalten. Beim SSC Hellas agierte Roman Bacik aus der damaligen CSSR als Trainer. „Ein fachlich hochqualifizierter Mann“, so Mokroß über den Pfiffikus, der auch mal den SSF-Torhüter Aleksandr Tchigir, Mitglied der russischen Nationalmannschaft, der als bester Wasserball-Keeper der Welt galt, zum Training holte. „Ich habe es nicht geschafft, gegen den einen Ball ins Netz zu bekommen“, bewundert Mokroß noch heute dessen Klasse.

Der SSC Hellas hatte damals fünf Wasserballmannschaften. „Jetzt gibt es nur noch eine, bei der ich auch noch mitmache“, meint Heiner Mokroß bedauernd, hofft jedoch, dass sich das wieder zum Positiven ändert. „Dazu kann ein Freibad wie die Mirke, die auch zu einem Bürgertreffpunkt geworden ist, erheblich beitragen.“

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