Frauenfußball in Wuppertal: Mehr Konkurrenz wäre schön

Frauenfußball in Wuppertal: Mehr Konkurrenz wäre schön

Zur WM beleuchtet die WZ die Lage im Wuppertaler Mädchen- und Frauenfussball. Am Freitag geht es um den SV Bayer, bei dem sehr erfolgsorientiert gearbeitet wird.

Wuppertal. Vom Arme hochreißen müssten die U 13-Mädchen des SV Bayer eigentlich permanent Muskelkater haben. Mehr als 134 Mal haben sie in den 20 Spielen der abgelaufenen Saison getroffen, und mit dem 6:1 im letzten Spiel beim TSV Beyenburg ihre weiße Weste bis zum Schluss behalten.

„Hier gewinnen wir alles“, sagt Alina (12), schuss- und dribbelstarke Stürmerin, die ihre eigenen Treffer gar nicht mehr gezählt hat und sich ein bisschen mehr Konkurrenz gewünscht hätte. So wie einst bei den Jungs des TSV Ronsdorf, wo sie vorher gespielt hat. Konkurrenz wird es nächstes Jahr für sie satt geben. Dann muss Alina die U 13 verlassen und mit bis zu 16 Jahre alten Mädchen spielen, da es beim SV Bayer keine U 15 gibt.

Mangelnde Ausgeglichenheit, sowohl, was Konkurrenz als auch Alter betrifft, sind zwei Probleme, mit denen man in vielen Vereinen zu tun hat, in denen weibliche Teams auf Torejagd gehen.

Seit 2006 wird beim SV Bayer Mädchenfußball gespielt, Rainer Gross und seine Tochter Nicole Gross-Tholl hatten damals eine U 15-Mannschaft auf die Beine gestellt aus der später wegen der nicht ganz homogenen Altersstruktur eine U 13 und eine U 17 gebildet wurden.

„Es war nicht einfach, den Leistungsgedanken hereinzubringen, aber wir haben gleich dreimal die Woche trainiert“, erinnert sich Marcus Hermanspann, der nach einem Jahr dazustieß. Vorher hatte er beim WSV Jungs trainiert und schon bei den Wuppertaler Vorreitern in Sachen Mädchenfußball, Fortuna und Linde, hospitiert. Bei Schulturnieren hielt er nach geeignetem Nachwuchs für den SV Bayer Ausschau und warb sehr um die Kandidatinnen.

„Wir haben uns damals vorgenommen, in fünf Jahren die Nummer eins im Mädchenfußball in Wuppertal zu sein“, sagt Hermanspann. Er empfinde es dabei als große Herausforderung, die Balance zwischen Spaß bewahren und Leistung fordern zu halten.

Nach vier Jahren hatte man es geschafft. Die U 17 spielte Niederrheinliga, musste aber zuletzt wieder absteigen. „Die stärksten Spielerinnen haben uns Richtung anderer Vereine verlassen, etwa Celine Klem oder Michelle Gatzki, die zum FCR Duisburg gegangen sind, und von unten kam nicht genug nach“, beschreibt Hermanspann die Problematik.

Die vor einem Jahr neu gebildete Damenmannschaft, die er nun übernimmt, soll nun Talenten im eigenen Verein eine Perspektive geben. Faktisch ist sie eine U 19, aber prompt aus der Kreis- in die Bezirksliga aufgestiegen. Die Konkurrenz wächst also, aber auch die Entfernung bei den Auswärtsfahrten.

Selbst in der U 13 müssen sie bis Wermelskirchen, haben in Wuppertal selbst nur wenige Gegner. „Aber es macht einfach Spaß mit den Mädels“, sagt Trainer Stefan Koch. „Vom Einsatzwillen her spielen sie genau wie die Jungen, sie sind aber wissbegieriger im Training, diskutieren allerdings auch mehr“, ergänzt er.

Und die WM, wie wird die erlebt? Einige Spielerinnen der U 13 werden mit ihren Eltern ein Viertelfinalspiel in Leverkusen besuchen. Eingeladen hat der Kidsclub des SV Bayer Leverkusen, der mit seinen Stars der Herren-Bundesliga wirbt, die auch von den Mädchen umschwärmt werden. Wer im Club ist, bekommt via e-mail ständig neue Infos. „Ich kennen keinen Club, der Nachwuchsarbeit so professionell betreibt“, sagt Marcus Hermanspann. Worüber Jungenmannschaften aus dem Tal klagen — nämlich ein Abwerben — dürfte auch im Mädchenbereich zunehmend ein Thema werden . . .