Fabian Gutbrod trifft in letzter Sekunde

Handball-Bundesliga : BHC holt in Lemgo noch einen Punkt

Im Schlussspurt machen die Bergischen Handballer aus einem 15:20-Rückstand noch ein 22:22.

Im vorletzten Spiel vor der WM-Pause hat Bundesliga-Neuling Bergischer HC am Sonntag beim Traditionsclub TBV Lemgo durch ein tolles Finish noch einen Punkt erkämpft. Nach 15:20-Rückstand zehn Minuten vor Schluss hieß es am Ende noch 22:22. Damit konnten die Lemgoer nur teilweise Revanche für die klare 26:35-Hinspielniederlage nehmen. Der bisherige Tabellen-Siebte BHC hat weiter ein positives Punktekonto, rutschte allerdings hinter Göppingen (gewann beim nächsten BHC-Gegner Hannover) auf Platz acht.

Bastian Rutschmann flucht. Gerade hat Tim Hornke aus spitzem Winkel gegen ihn zum 22:21 für den TBV Lemgo getroffen. „Wir hatten einen anderen Wurf auf dem Zettel“, wird der Torhüter später sagen. „Aber das Gegentor hat mich doch sehr geärgert.“ Denn zuvor hatte es der Bergische HC auch dem Keeper zu verdanken, dass er in Lemgo noch für einen Sieg in Frage kam. 15:20 hatten die Löwen bereits zurückgelegen. Zum Schluss erntet Fabian Gutbrod die Früchte für die Aufholjagd. Der Rückraum-Linke bringt den letzten Wurf zum 22:22 im Tor unter. Dann brechen bei den Gästen alle Dämme.

Nur 10:9 führten die Gastgeber zur Pause. Ein Ergebnis, mit dem die Bergischen gut leben konnten, denn offensiv hatten sie eine gebrauchte Halbzeit erwischt. Sie nutzten ihre Chancen nicht. Bogdan Criciotoiu traf zwar zum 1:0 aus dem Rückraum, doch in der Folge gelang im Abschluss nicht allzu viel. Immerhin taten sich die Lipper ähnlich schwer. Sie scheiterten mehrfach an Torhüter Christopher Rudeck und bekamen auch gegen die 6:0-Abwehr der Löwen wenig Zugriff.

Torwart Rutschmann
leitet die späte Wende ein

Trotzdem präsentierte sich der TBV  effizienter. Als Fabian Gutbrod nach überstandener Verletzung wieder die Platte betrat, vergab er gleich seine ersten beiden Würfe. Rudeck verfehlte das leere Tor, Arnor Gunnarsson setzte einen Siebenmeter an die Latte, und in einer Phase hielt Peter Johannesson mehrfach für Lemgo. So setzten sich die Hausherren auf 10:7 ab, während die Gäste im Abschluss von individuellen Qualitäten profitierten. Linus Arnesson überraschte mit zwei Schlagwürfen. Vor der Pause verkürzte der BHC durch Arnesson und Jeffrey Boomhouwer per Strafwurf auf 9:10, während Lemgo offensiv Fehler fabrizierte und es damit verpasste, sich für die stärkere Leistung zu belohnen.

Die Chance, die Partie zu drehen, war nach der Pause also groß. Tomas Babak setzte sich durch und glich aus, Boomhouwer hatte beim nächsten Gegenstoß die Führung in der Hand, traf aber nur die Latte. Es blieb Sand im Getriebe des Löwen-Angriffs. Die Gastgeber zogen erneut auf vier Tore Abstand davon (16:12) – auch weil die Gäste in der Deckung großes Pech hatten. Der Ball war schon fast gesichert, doch beim Versuch, ihn Richtung seiner Mitspieler abzulenken, erwischte Kristian Nippes Tim Hornke, der frei vom Kreis einnetzte.

Zwischen die Pfosten rückte nun Bastian Rutschmann, um einen neuen Impuls zu setzen. Und der BHC kam immer mal wieder nah ran. Gutbrod und Rafael Baena verkürzten auf 15:17, aber in den hitzigen Phasen behielten die Hausherren den kühleren Kopf. Sie hatten auch Glück, dass eine Aktion von Tim Suton nicht als Stürmerfoul geahndet wurde, sondern Gunnarsson für zwei Minuten vom Feld flog und Hornke einen Siebenmeter bekam. Zehn Minuten vor Schluss führten die Hausherren 20:15.

Dass die Gäste noch einmal zurückkamen, war fast sensationell. Rutschmann parierte drei Mal frei, Petrovsky stibitzte den Ball, und vorne kam die Mannschaft zum ersten Mal  in Schwung. Ein 4:0-Lauf brachte die Gäste auf 19:20 heran. Die Lemgoer Auszeit brachte nichts. Nippes stahl die Kugel, Pass auf Gunnarsson – Ausgleich.

Die 250 mitgereisten BHC-Fans waren nun lauter als die restlichen 4330 in der Phoenix-Contact-Arena. Nachdem Gutbrod seinen fünften und wichtigsten Treffer zum 22:22 markiert hatte, kannte der Jubel keine Grenzen mehr.

Stimmen

Auch wenn der Bergische HC in den ersten 50 Minuten gefühlt wenig Effektivität im Angriff gezeigt hat, fiel Sebastian Hinzes Gesamtbilanz positiv aus: „In Summe haben wir 45 Angriffe, von denen wir 22 zu Toren nutzen.“ Die Chancenauswertung bei Rückraum-Gelegenheiten war zwischendurch jedoch mau. „Allerdings waren die Schuss-Situationen gut. Nur geht der Ball nicht rein“, sagte der Trainer des Bergischen HC – und ergänzte: „Ich kann mit dem Punkt sehr gut leben.“

Gerade die Umstellung auf den siebten Feldspieler in der zweiten Halbzeit hat dem Coach sehr gut gefallen. „Entscheidend war aber, dass Bastian Rutschmann dann drei freie Bälle hält.“ In den letzten zwei Minuten war sogar noch mehr drin als ein Unentschieden. Jeffrey Boomhouwer lief völlig blank auf Peter Johannesson zu. Der TBV-Schlussmann blieb Sieger. Es wäre das 22:21 für die Gäste gewesen. „Mit ein bisschen Glück nehmen wir hier sogar den Sieg mit“, meinte Torhüter Rutschmann. „Man muss aber auf jeden Fall von einem gewonnenen Punkt sprechen.“

Schließlich erholte sich das Team von einem 15:20-Rückstand. „Wie wir damit umgegangen sind, zeigt Moral“, freute sich der 35-Jährige. „Lemgo hatte die Chance, das Ding zuzumachen. In eigener Halle. Aber sie haben es nicht geschafft.“

So haderte TBV-Coach Florian Kehrmann ein wenig: „Wir hatten den BHC bis zum 20:15 da, wo wir ihn haben wollten. Dann lassen wir freie Chancen liegen – und sogar einen Siebenmeter.“ Tim Hornke hatte nur den Pfosten getroffen. „Dann hatte Fabian Gutbrod auch noch ein, zwei Mal Glück mit seinen Würfen. Gefühlt ist es ein verlorener Punkt für uns.“ Apropos Gutbrod: Über das Comeback freute sich Hinze besonders. „Er sollte seine Schussstärke nutzen. Das ist hervorragend gelungen.“

„Es war ein leistungsgerechtes Unentschieden im stimmungsvoller Atmosphäre“, fand BHC-Geschäftsführer Jörg Föste. „Wenn man nach 50 Minuten mit fünf hinten liegt, um dann mit dem letzten Wurf auszugleichen, muss man mit dem Punkt zufrieden sein.“