Extremsport: Kein Urlaub am Roten Meer

Extremsport: Kein Urlaub am Roten Meer

Thomas Opel vom Tri-Club Wuppertal startete beim Israman-Triathlon im israelischen Badeort Eilat.

Wuppertal. Die meisten Menschen kommen zum Ausspannen nach Eilat, dem einzigen israelischen Badeort am Roten Meer. Im mitteleuropäischen Winter herrschen im Süden des Heiligen Landes gut 30Grad. Thomas Opel war aber nicht nach Urlaub zumute. Denn der Hobbyathlet des Wuppertaler Tri-Clubs kam wegen des Isramen-Triathlons nach Eilat.

"Ich hatte mir vorgenommen, dass mein 25. Wettkampf über die Langdistanz etwas besonderes werden sollte", sagt der 50-Jährige und erinnert sich zurück an den Februar2009. Missmutig saß er damals zuhause am Fenster und beobachtete das Thermometer, das seit Tagen im Minusbereich festhing. "Ich konnte nicht raus zu meinem geliebten Radtraining. Kachelnzählen im Schwimmbad ist nicht mein Ding. Also bin ich joggen gegangen", erinnert sich Opel.

Höhepunkt des tristen Tages war das anschließende Bad in der warmen Wanne. "Ich blätterte dabei in einer Triathlon-Zeitschrift und stieß auf den Wettkampf in Eilat. Tolle Bilder, aber wer tut sich das im Januar an - ohne richtiges Radtraining aus unserem Winter heraus? Schwachsinn so etwas", dachte sich Opel damals. Aber fortan ließ ihn der Israman nicht mehr los. "Ich hatte im Sommer ein paar tolle Wettkämpfe absolviert und darauf gesetzt, dass ich meine Form einige Zeit konservieren kann", sagt Opel.

Beim Abschlusstraining in Eliat verlor er ein wenig an Optimismus. Gut, er hatte noch die 20-stündige Anreise in den Knochen, aber die Ausfahrt auf der Radstrecke machte ihn fertig. "Puls 135, der Tacho zeigte bei Gegenwind kümmerliche 17 Kilometer pro Stunde und die Berge hatten noch gar nicht angefangen", erinnert sich Opel. Aber ein Zurück gab es nicht mehr für den Mann mit dem leichten Winterspeck auf den Rippen.

Um 6.15 Uhr, pünktlich zum Sonnenaufgang, startet Opel sein Jubiläumsrennen (3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren 42 km Laufen) im aufgewühlten Roten Meer. Der erfahrene Triathlet schluckt viel Salzwasser. Unterwegs wird ihm speiübel. Den Wechsel auf das Fahrrad empfindet Opel als Erlösung. Zum Glück für ihn ist es nicht so heiß, doch auch bei 17Grad ist der 15 Kilometer lange Aufstieg in die Negev-Wüste kein Spaziergang. "Das Triathlonleben ist wie eine Schachtel Konfekt. Man weiß nie was man bekommt", heißt es in der Branche. Leicht bergab mit starkem Rückenwind meint man zu fliegen - leicht bergauf bei Gegenwind scheint man zu stehen.

Ein geplatzter Reifen setzt bei Opel noch einmal Adrenalin frei und motiviert ihn zusätzlich. Der Marathon kann ihn nicht mehr schocken. "Das Rennen war richtig hart, aber die Schönheit der Landschaft hat jeden Kilometer zu einem Erlebnis gemacht", sagt Opel, dem bei seiner Reifenpanne auch die Hilfsbereitschaft der anderen Athleten beeindruckt hat. "Jeder der vorbeikam hat angehalten und seine Hilfe angeboten. Normalerweise undenkbar."

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