Es geht auch ohne Schiri: Das Prinzip Fairplay hat sich bewährt

Es geht auch ohne Schiri: Das Prinzip Fairplay hat sich bewährt

Bambini und F-Jugend übernehmen das System künftig generell.

Wuppertal. Kein Schiedsrichter, vereinfachte Regeln (Tor, Einwurf, Abstoß, Foul) und ein „Sicherheitsabstand“ zu hereinrufenden Eltern — das Modell der Fairplay-Liga, das etwa in Aachen bereits vier Jahre praktiziert wird, soll nun auch im Fußballkreis Wuppertal bei den Jüngsten generell eingeführt werden.

Am Samstag war auf dem neuen Kunstrasenplatz an der Widukindstraße der letzte Spieltag für die elf F-Jugendmannschaften, die im Kreis Wuppertal/Niederberg seit Februar diese Form als Pilotprojekt spielen. „Die Resonanz ist fast ausschließlich positiv, negative Stimmen gibt es so gut wie gar nicht“, stellte Michael Kurtz vom Kreisjugendausschuss fest, nachdem er den letzten Spieltag noch einmal zu ausgiebigen Gesprächen genutzt hatte. In der kommenden Saison soll diese Form nun für alle rund 100 Bambini- und F-Jugend-Mannschaften eingeführt werden. „Wir schreiben gerade alle Vereine an und haben bisher noch niemanden, der nicht mitmachen will“, verkündete der Vorsitzende des Kreisjugendausschusses Karl Häger. Es werden sich also weitere Eltern und Trainer umgewöhnen müssen. Für diese, so die Erfahrung, ist die Umstellung nämlich am größten.

„Ich hatte am Anfang große Bedenken, zumal man aus dem Fernsehen ja die Streitereien kennt, aber die Kinder haben das allein ganz toll hingekriegt“, sagte Christiane Kern, deren Sohn Tobias bei den Breiten Burschen Barmen kickt.

Auf der Galerie des Sportplatzes, gut 15 Meter vom Spielfeld entfernt, juckt es den ein oder anderen Vater, doch hereinzurufen, wenn der Filius am Ball ist oder gerade hart angegangen wird. „Ein Schiri wäre ab und zu schon nicht schlecht, manchmal setzt sich einfach nur der Stärkere durch“, meint Heiko Friedrich, generell laufe es aber erstaunlich gut. „Die Kinder sind nicht mehr ferngesteuert und drehen sich nicht nach jeder Szene suchend nach den Eltern um“, findet ein anderer Vater uneingeschränkt positiv. Im nächsten Augenblick darf er jubeln, denn gerade ist für den TSV ein Tor gefallen — und positive Anfeuerung aus Entfernung ist ja weiter erlaubt und erwünscht.

Dass seine Kicker viel selbstständiger geworden sind, kann auch Peter Ueberfeldt, Trainer der F-Jugend des FC 1919 bestätigen. „Auch zum Trainer dreht sich keiner mehr um, wir sprechen im Training alles durch, aber im Spiel sollen die Kinder selbst entscheiden“, sagt er. Seine Spieler hätten sich dadurch erstaunlich gut entwickelt, auch die eher zurückhaltenden. Von so manchen Kollegen wisse er aber, dass es ihnen schwerfalle, während des Spiels sparsam mit Anweisungen umzugehen. „Die fühlen sich dann arbeitslos.“

Eingreifen sollen sie höchstens bei strittigen Entscheidungen oder wenn sich ein Kind wehtut. Das passiert aber pro Spiel höchstens zwei-, dreimal, wie die Erfahrung lehrt.

Ueberfeldt bedauert regelrecht, dass er nächstes Jahr als E-Jugend-Trainer wieder nach dem alten System spielen wird. „Es wäre aber noch zu früh, das auch in der E-Jugend einzuführen, zumal dort fast alle schon Jahre lang nach dem alten System gespielt haben. Außerdem beginnt in der E-Jugend teilweise die leistungsmäßige Auslese“, erklärt Michael Kurtz für den Kreis. In der F-Jugend sollen dagegen noch reine Spaß-Kriterien gelten. Kurtz: „Die meisten wissen nachher gar nicht, wie es steht, erinnern sich aber sehr wohl an die besten Szenen.“ Wie auf dem Bolzplatz eben — und da gibt es auch keinen Schiri.

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