Breitensport : Erfolgsmodell Kinderturnen

Beim Nützenberger TV wurde sportlich Weihnachten gefeiert - wie in vielen Klubs.

Polly (2) erbittet sich vom Publikum die nötige Aufmerksamkeit, als sie sich „todesmutig“ vom Kasten auf die weiche Matte stürzt. Währenddessen treibt Linda (4) Mutter Irena, die auf Knien und Händen das Rentier spielt, zu größeren Aktivitäten an, und Frida (3) ist die schräg an der Sprossenwand verankerte Bank als Rutschbahn offensichtlich nicht steil genug. Elisabeth (4) flitzt Vater Timo ein ums andere Mal weg und jauchzt strahlend, wenn sie ihm wieder einmal entwischt ist. Szenen aus dem „Nikolaus-Turnen“ des Nützenberger TV in der adventlich geschmückten Turnhalle der Offenen Ganztagsgrundschule an der Nützenberger Straße.

Doch das „Nikolaus-Turnen“ war „nur“ eine von den engagierten Übungsleiterinnen zusätzlich angebotene Veranstaltung, zu der die Eltern ihre Kinder aus sechs Gruppen einschließlich der Geschwisterkinder angemeldet hatten. Im Normalbetrieb, so betonte Petra Glebe, die langjährige Vorsitzende des NTV, wird nämlich unterschieden zwischen dem Eltern-und-Kind-Turnen für Kinder von einem und zwei Jahren beziehungsweise zwei und drei Jahren und dem allgemeinen Kinderturnen in verschiedenen Altersgruppen zwischen vier und elf Jahren. So wird es in vielen Turnvereinen gehandhabt, die Kinderturnen mit gleichem Idealismus anbieten, denn dieses Angebot ist heute so aktuell wie vor Jahrzehnten und für viele Kinder der Einstieg, um Bewegungserfahrung zu sammeln und für spätere sportliche Aktivitäten.

„Bei den Kleinsten sind die Eltern noch dabei, weil die Kinder dann noch nicht so gut zu Fuß sind und eine vertraute Person an ihrer Seite brauchen“, erklärt Petra Glebe. „Doch ab vier Jahren ist es besser, wenn die Eltern uns mit den Kindern allein in der Halle lassen“, sagt Anja Schacht, die mit Alexandra Heke und Hanni Bujak die Kurse leitet und Ansprechpartnerin für die Eltern ist. „In der Kita und später in der Schule sind Mama und Papa ja auch nicht dabei.“

Spielerischer Einstieg
in die sportliche Bewegung

Beim Nikolaus-Turnen tobten auch so „Große“ wie Leo (7) durch die Halle. Der hatte sich gleich zwei Nikolaus-Säcke aufgeladen, ehe er vom Kasten auf die Matte hüpfte und seinem Bruder Ede (3) ebenso imponierte wie Mutter Sandra. „Hier werden die Kinder spielerisch an den Sport heran geführt“, weiß Anja Schacht. Das geschieht mit Matten, Bällen, Reifen, Kästen und mit Luft gefüllten Gummiringen, aber auch mit einfachen Hilfsmitteln, wie Teppichfliesen, die sich auf dem Hallenparkett als Schlitten verwenden lassen.

„Rund 250 Kinder turnen bei uns in den einzelnen Kursen“ stellt Petra Glebe mit Stolz fest und legt Wert darauf, dass die Übungsleiterinnen ohne Sponsoren vom NTV bezahlt werden. Die machen allerdings auch einen großartigen Job, wie auch die Eltern voller Freude feststellen. „Die Alex macht das ganz toll“, lobt Vater Alexander Übungsleiterin Alexandra Heke, die die sportliche Feier zu Nikolaus inszeniert hat.

Und dann kommt natürlich auch der Nikolaus mit Gefolge und hat für die Kleinen ein kleines Geschenk mitgebracht. „Wie sie sehen, sind uns hier die Kinder aus allen Nationen willkommen, und wir leisten damit auch einen erheblichen Beitrag zur Integration“, vermerkt die NTV-Vorsitzende und weist noch auf einen anderen wichtigen Aspekt hin, der in ähnlicher Form auch für viele andere Turnvereine gilt. „Auch wenn wir hier keine Rekorde aufstellen und mit Meisterschaften ins Licht der Öffentlichkeit treten, wird hier doch in unseren Hallen an der Nützenberger Straße, der Kyffhäuser Straße oder der Sillerstraße und natürlich von den anderen Vereinen im Tal doch wichtige Arbeit geleistet. Das können auch die Eltern bestätigen, die nicht selten selbst mit ihren Eltern früher beim Eltern-Kind-Turnen gewesen sind.

(fwb)