Die Breite des Kaders als Erfolgsrezept

Die Breite des Kaders als Erfolgsrezept

Der BHC in der Bilanz: Vom Marathonmann bis zum torgefährlichsten Keeper der Liga.

Da waren sich die Experten einig: Neben der Klasse seiner Einzelspieler war es vor allem die Breite im Kader, die die Überlegenheit des Bergischen HC in der abgelaufenen Saison der 2. Handball-Bundesliga ausmachte. Trotzdem stachen einige Spieler besonders heraus.

Allen voran Marathonmann Arnor Gunnarsson, der als einziger Rechtsaußen im Kader fast immer durchspielte, zum Glück verletzungsfrei blieb und bei allen 38 Saisonspielen auf der Platte stand. Mit 275 Toren war der 30 Jahre alte Isländer, der seine Klasse ja auch schon in der ersten Liga hatte nachweisen können, mit Abstand bester BHC-Schütze und zweitbester in der Liga. 112 seiner Tore erzielte er vom Siebenmeterpunkt aus, hatte dort eine Trefferquote von 78 Prozent. 70 Tore erzielte er aus dem Gegenstoß heraus — mit weitem Abstand die meisten aller Zweitliga-Spieler.

Zweitbester BHC-Schütze war Rückraummann Linus Arnesson mit 134 Toren, alle aus dem Feld erzielt. Auch Arnesson war, wie auch noch Max Darj, Milan Kotrc und Torwart Christopher Rudeck bei allen 38 Saisonspielen dabei, wobei Rudeck gegen die Rimpar Wölfe keine Einsatzzeit bekommen hatte.

Arnesson war von den Trainern und Managern der Liga, wie berichtet, zum Spieler der Saison gewählt worden, hatte ja auch bei der WM, wo er zusammen mit Darj mit Schweden Vizeweltmeister werden konnte, auf sich aufmerksam gemacht. Arnesson war auch in der Abwehr eine wichtige Komponente, zeigte sich mit 23 Steals und 16 Blocks als bester Balleroberer.

Kreisläufer Darj, im Nationalteam vor allem Abwehrstratege, war beim BHC im Innenblock (30 Blocks) wie Angriff unverzichtbar und mit 82 Feldtoren fünftbester BHC-Schütze. Bestimmende Figur in der BHC-Abwehr war daneben Csaba Szücs, der nach seiner einjährigen Pause wegen Kreuzbandrisses sehr schnell Fuß fasste und nur deshalb „nur“ 27 Saisonspiele machte, weil er zwischenzeitlich erneut mit einer Knieverletzung ausgefallen war. Lange rein als Abwehrspieler eingesetzt, durfte er in den letzten beiden Partien auch seine Qualitäten als Regisseur zeigen, warf 15 Tore. Mit Arnesson und Tomas Babak war der BHC ansonsten auf der Mittelposition ja erstligareif aufgestellt, beide agierten zudem stark auf den Halbpositionen in der Abwehr.

Der Tscheche Babak hatte Pech, dass er sich im Winter im Nationalteam eine Ellenbogenverletzung zuzog und deshalb die WM verpasste. Beim BHC stieg er nach drei Monaten wieder ein, machte insgesamt 32 Spiele und 65 Tore.

Zweitbester BHC-Schütze war Rückraumshooter Fabian Gutbrod, der bei 33 Einsätzen 111 Mal traf. Gefolgt von dem jungen Polen Maciej Majdzinki, der auf der dreifach besetzten Position auf Rückraum rechts bei 37 Einsätzen 91 Mal erfolgreich war. Mit Kapitän Kristian Nippes (36 Spiele, 42 Tore) und dem wurfgewaltigen Shooter Bogdan Criciotoiu (30 Spiele, 51 Tore) standen Trainer Sebastian Hinze dort noch zwei Alternativen zur Verfügung.

Den Durchbruch, zumindest mal in der zweiten Liga, scheint der junge Rückraumlinke Max Leon Bettin geschafft zu haben. Der 23-Jährige war mit 72 Treffern in 34 Spielen siebtbester BHC-Schütze, etablierte sich als zweiter Siebenmeter-Schütze (19 Tore) neben Gunnarsson. Auf Linksaußen hatte Milan Kotrc die Nase mit 78 Toren (bei bemerkenswerten 18 Balleroberungen) zwar vor Jan Artmann vorn. Artmann, die jahrelange Nummer zwei beim BHC auf dieser Position, holte in den letzten Spielen aber noch gewaltig auf, brachte es bei nur 30 Einsätzen am Ende noch auf 55 Treffer.

Kreisläufer Leos Petrovsky wird noch mehr Potenzial bescheinigt, sowohl was Abwehr aber auch den Angriff betrifft, er fehlte nur im letzten Spiel, traf 53 Mal - in der internen Liste Rang zehn. In der Sünderliste sammelte er mit 16 Zwei-Minuten-Strafen die drittmeisten hinter Szücs (26/ligaweit Rang elf) und Darj (23). Das Trio sammelte auch die vier einzigen Roten Karten des BHC. In der internen Liste der Verwarnungen rangiert Trainer Sebastian Hinze („Ich bin viel ruhiger geworden.“) übrigens mit neun Gelben Karten auf Rang sechs.

Eingesetzt wurden noch: Torwart Bastian Rutschmann (29 Spiele, zwei Tore), der aufgrund eines zwischenzeitlich erlittenen Fingerspiralbruchs fünfmal von Janis Boieck (von Dormagen mit Zweitspielrecht ausgeliehen), Jonas Dell (sechs Spiele, ein Tor) und Alexander Weck (ein Spiel) vertreten wurde. Rutschmann lag bei der Quote der gehaltenen Bälle mit 33,66 Prozent übrigens nur knapp hinter Rudeck (34,20), hatte bei insgesamt nur etwa halb so viel Spielzeit bei den gehaltenen Siebenmetern mit 15 (Rudeck: 8) klar die Nase vorn. Rudeck wiederum war mit fünf Treffern — über das gesamte Feld hinweg ins leere Tor des Gegners erzielt — torgefährlichster Keeper der Liga (Rutschmann zwei Tore).

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