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Boxen: Zwei Fäuste für Olympia

Boxen: Zwei Fäuste für Olympia

Nach fünf Deutschen Meisterschaften hat Pinar Yilmaz vom ASV Wuppertal jetzt die Qualifikation für London ganz fest im Visier.

Wuppertal. Pinar Yilmaz’ großer Traum heißt Olympia. Und damit die zierliche Vorzeige-Boxerin des ASV Wuppertal sich diesen im kommenden Jahr in London erfüllen kann, liegen jetzt ganz entscheidende Wochen vor der 23-Jährigen. In einem Ausscheidungskampf gegen ihre deutsche Konkurrentin Azize Nemani, muss sie sich am 7. Oktober erst einmal national für die nächste Runde qualifizieren. Die steht dann zwei Wochen später bei den Europameisterschaften an, wenn es um die Rangliste im weltweit stärksten Kontinentalverband geht. „Nur wer da weit vorne landet, hat die Chancen auf eine gute Auslosung für die Weltmeisterschaften im kommenden Jahr, die dann die letzte Hürde vor Olympia sind“, sagt Pinar Yilmaz.

Klingt nach scharfem Verstand und kühlem Kopf. Den beweist sie nicht nur in ihrer Sportart, sondern auch beim Sportstudium in Köln. Sie will Sportlehrerin werden, parallel aber erst einmal ihren Gegnerinnen im Boxring das Fürchten lehren. Da es in Wuppertal auf ihrem Niveau längst weder Gegnerinnen noch einen geeigneten Trainer gibt, hat die gebürtige Wermelskirchenerin ihren Lebensmittelpunkt inzwischen ganz nach Köln verlegt.

„Wir halten aber nach wie vor Kontakt“, versichert ASV-Präsident Harald Nowoczin, der gerne davon erzählt, wie klein Pinar bei den Barmern ihre ersten boxerischen Schritte machte. Sie war damals elf und begleitete mit ihrem Vater eigentlich nur ihren Bruder zu Kämpfen. Trainer Gerry Schwarzkopf animierte sie, es doch einmal auszuprobieren und landete einen Volltreffer.

Inzwischen heißt ihr Coach Gregori Tolkowetz und ist Junioren-Nationaltrainer am Stützpunkt Köln. Doch gerade darin befürchtet Pinar Yilmaz einen kleinen Standortnachteil. Ihre kommende Gegnerin Azize Nemani ist nämlich am Bundesstützpunkt Heidelberg Schützling des Frauenbundestrainers. Die Vermutung liegt nahe, dass der gerne Nemani bei Olympia sehen würde. Die hatte nicht an den Deutschen Meisterschaften teilgenommen, die Yilmaz kürzlich gewann, erhielt aber dennoch den Ausscheidungskampf, der in der Sportschule Hennef stattfinden wird.

Neu ist diese Situation für Pinar Yilmaz nicht. Auch im vergangenen Jahr gewann sie einen solchen Ausscheidungskampf, als es um die Teilnahme an der WM ging. „Nur, dass für mich damals der Ausscheidungskampf das eigentliche Ziel war, diesmal ist er nur Zwischenstation vor der EM“, erklärt sie und ist sicher: „Wenn ich mein Training weiter so gestalten kann und nicht krank werde, gewinne ich.“

Gewichtsprobleme hat sie — anders als Olivia Luczak, die sich als zweite Wuppertaler Boxerin Hoffnungen auf Olympia macht — nicht. Während Luczak noch etwas abnehmen muss, bevor sie ihre Olympia-Startklasse (61 Kilo) erreicht hat, ist Yilmaz, die im Fliegengewicht schon seit einem Jahr im Soll. Das lautet im Fliegengewicht 51 Kilo. Im Training (sechsmal die Woche) kann sie sich so voll auf Technik und Kondition konzentrieren.

Finanziell wird sie von der Sporthilfe unterstützt, erhält kleinere Zuschüsse durch den Förderkreis Leistungssport und den Landessportbund. „Sponsoren wären nicht schlecht, bis auf ein paar kleine gibt es die aber noch nicht“, sagt Pinar Yilmaz. Die hübsche junge Frau taugt durchaus als positives Aushängeschild des Frauenboxssports. Erfolg auf dem Weg nach London könnte da noch ein wenig nachhelfen.