Bergischer Tenniskönig ist Niederländer

Bergischer Tenniskönig ist Niederländer

Guy den Heijer vom Gastgeber Barmer TC siegt in Einzel sowie und im Doppel mit Moritz Poswiat.

Es wurde das erhoffte Tennisfest im Jubiläumsjahr des 125 Jahre alten Barmer Tennisclubs: die 76. Bergischen Meisterschaften oben am Toelleturm und auf der Anlage der neuen SG Fischertal. Der älteste und der jüngste Tennisclub in Wuppertal hatten die Titelkämpfe ausgerichtet und bis auf wenige Regenstunden auch Glück mit dem Sonnenschein, der am Samstag auf strahlende Sieger, aber auch auf tapfere Verlierer fiel.

An erster Stelle seien da die Kontrahenten im Herren-Einzel der offenen Klasse genannt: Guy den Heijer (Barmer TC) und Tom Schönenberg (NBV Velbert), die sich vor imposanter Kulisse ein mitreißendes Match lieferten, in dem schließlich der für den BTC spielende Niederländern (21) 7:5 und 6:3 gewann. Zwar eröffnete den Heijer das Spiel gleich mit einem Ass und gewann auch seinen ersten Aufschlag.

Doch Schönenberg, der morgens im Halbfinale mit 6:0 und 6:1 gegen Jan Augustat (Bayer) brilliert hatte, zeigte ebenfalls überragende Klasse. Beide Spieler entwickelten enormen Druck, Tempo und versuchten sich gegenseitig mit präzisen Schlägen in Bedrängnis zu bringen. Nach einem Break führte Schönenberg sogar 4:3, doch das Rebreak folgte zur Freude der begeisterten Fans auf dem Fuß, und der erste Satz ging knapp zugunsten des „Barmers“ aus. Im zweiten Durchgang wurde das enorme Niveau gehalten mittels rasanter Volley-Duelle am Netz, vieler abwechselnd cross geschlagener Bälle und etlicher Asse. Trotzdem gewann den Heijer langsam die Oberhand, und als er mit einem unglaublichen Reflex einen Ball am Netz returnierte, da blieb auch Schönenberg nur noch verblüfftes Staunen. Vielleicht eine Schlüsselszene, denn am Ende hieß es 6:3 für den jungen Niederländer bei lebhaftem Applaus für beide Kontrahenten.

Den Heijer feierte wenige Stunden später zusammen mit dem Einzel-Vorjahressieger Moritz Poswiat (BTC) im Doppel seinen zweiten Triumph gegen das Bayer-Duo Jan Augustat und Chris Topham. 6:2 hieß es nach dem ersten Satz, weil einerseits die BTC-Cracks großartige Leistungen zeigten, andererseits sich die Bayeraner durch Doppelfehler bei eigenem Aufschlag selbst um mögliche Punktgewinne brachten. Im zweiten Durchgang hieß es bereits 5:0 für den Heijer/Poswiat, als die plötzlich kindlicher Spieltrieb packte, was Augustat und Topham gnadenlos ausnutzten und vier Punkte hintereinander holten. Bei 4:5 drohte sogar der dritte Satz, doch ein Stopp von den Heijer direkt hinters Netz beendete das sehenswerte Spiel dann mit 6:4 für das BTC-Duo. „Wir wollten den Fans noch ein bisschen was bieten“, grinste Moritz Poswiat nach dem Spiel.

Weit deutlicher ging es beim Damen-Finale zu, wo Ana-Lena Toto als Titelverteidigerin, wie im Vorjahr, auf Anika Kurt (Solinger TC) traf. Die hochgewachsene Bayer-Spielerin ließ in souveräner Manier nie einen Zweifel am späteren Sieg aufkommen und profitierte auch von Anika Kurts permanentem Konflikt mit dem Netz, das auch bestgemeinte Bälle von Kurt stoppte. 6:0 und 6:2 spricht eine deutliche Sprache. Doch die kleine Anika Kurt hatte noch eine zweite Chance. Und zwar zusammen mit ihrer Vereinskameradin Johanna Kern gegen die Überraschungsfinalisten Zahra El Otmany und Dorothea Reiß (SV Bayer). Und die nahm sie wahr. Die Wuppertalerinnen, die die Nummer zwei der Setzliste Gneuß/Mertens im Halbfinale geschlagen hatten, mussten die Überlegenheit der Solingerinnen anerkennen und unterlagen 2:6 und 1:6.

Wer sich bei dem Herren 30-Finale nach 6:1 für Vincent Wollweber (Blau-Weiss Elberfeld) im ersten Satz schon anderen Schauplätzen zuwandte, hatte etwas verpasst, denn da drehte der mehr als zwei Meter große Marcel Grote (GW Lennep) den Spieß plötzlich um und gewann seinerseits 6:1. Den Matchtiebreak entschied Grote mit dem letzten Erfolgserlebnis im Rücken dann ebenfalls 10:5 für sich. „Nach 1:6 habe ich selbst nicht mehr an meine Chance geglaubt. Aber dann lief es plötzlich“, freute der Sieger sich immer noch verwundert.

Normalerweise sind Bergische und Stadtmeisterschaften mit dem Matchball im Herren-Doppel beendet. Doch das gilt nicht, wenn bei den Herren 40 noch der Defensivkünstler Marc Walbrecht (BWE) auf dem Platz steht. Als alles zur Siegerehrung rüstete, beharkten sich Walbrecht und Frank Dittschar (BWE) noch immer. Und erst der Matchtiebreak entschied nach mehrstündigem Spiel für Dittschar.

Voll des Lobes waren die Verantwortlichen des Barmer TC für die hervorragende Arbeit der Turnierleitung um Wolfgang Luchtenberg, Rosi Warlich, Jürgen Liesert und Oberschiedsrichter Patrick Iber. Dieses Team war bemüht, auch „exotische“ Terminwünsche der Aktiven zu erfüllen und behielt selbst in hektischen Situationen stets einen kühlen Kopf.

Erfreulich am Schluss: Jürgen Ernsting (GW Elberfeld) hatte es sich zur Aufgabe gemacht, bei den Meisterschaften über das Kinderhospiz im Burgholz zu informieren und Spenden einzuwerben. Mit Erfolg wie das gut gefüllte Spendenglas bewies.

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