Auszeichnung ist ein Ansporn

Klettergruppe „Die GäMSen“ wurde mit dem Silbernen Stern des Sports geehrt. Der Verein sieht das als Bestätigung für die gute Arbeit.

Ein bisschen hatte Peter Weigel schon gehofft, dass es zu Platz eins reichen könnte, als er und die Mitglieder seiner Klettergruppe „Die GäMSen“ am Montag bei der Preisverleihung unter den besten Fünf im Landeswettbewerb „Sterne des Sports“ im NRW-Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration in der ersten Reihe platziert wurden. „Vielleicht lag das aber auch daran, dass wir einige Rollstuhlfahrer dabei hatten“, sagt Weigel nachträglich.

Vielleicht war es ja beides. Denn tatsächlich erhielt die Klettergruppe der Wuppertaler Sektion im Deutschen Alpenverein anschließend den Silbernen Stern und den ersten Preis im Landeswettbewerb, der seit Jahren von den Volks- und Raiffeisenbanken und dem Deutschen Olympischen Sportbund sowie auf Landesebene den Landessportbünden ausgelobten Trophäe. Gewürdigt werden soll damit das ehrenamtliche Engagement von Vereinen, die in besonderer Weise gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Das sind in erster Linie Integrations- und Inklusionsprojekte.

Im Fall der „GäMSen“ heißt das: Auch an Multipler Sklerose (MS) erkrankten Menschen das Klettererlebnis zu ermöglichen. Peter Weigel, dessen Ehefrau MS hat, war die Idee im Jahr 2013 gekommen, als er im Internet zum Thema Para-Climbing-WM, also WM für Kletterer mit Behinderung recherchierte. Wettbewerbe gewinnen wollen die GäMSen (das Wort ist eine Ableitung aus den Klettertieren und der Abkürzung MS), die Weigel kurz darauf in seiner Heimatsektion Wuppertal im Deutschen Alpenverein gründete, natürlich nicht. „Für mich war es wichtig, die Isolation, in der sich viele MS-Kranke durch ihre Bewegungseinschränkung in der Freizeit befinden, aufzubrechen und deren Familie einzubeziehen. Ganz zu schweigen von der therapeutischen Wirkung“, erklärt er seine Intention, die beispielgebend war. Schnell erweiterte sich der Kreis, der sich alle zwei Wochen samstags in der Kletterhalle Wupperwände trifft, gemeinsame Ausflüge plant und einmal im Jahr in den Sommerferien zur großen Tour in die Alpen aufbricht, um dort auch an den echten Fels zu kommen. Nur möglich freilich, weil Weigel zugleich viele ehrenamtliche Helfer fand — sei es aus den Familien oder aus dem Verein —, die Unterstützerdienste leisten.

„Man muss sich vorstellen, dass man im Gelände allein mehrere Personen braucht, um einen behinderten Kletterer an die Felswand zu bringen. Die einen tragen den Rollstuhl, die anderen die Person“, erläutert Britta Gawens von der Volksbank im Bergischen Land. Sie betreut das Projekt, seit es von Weigel zum Wettbewerb eingereicht wurde und ja auch prompt die erste Stufe, den Regionalwettbewerb Stern des Sports in Silber gewann. Nun geht es im Januar zum Bundeswettbewerb nach Berlin für die GäMSen. „Beispielgebend ist auch, dass die Gruppe im Internet ein Forum geschaffen hat, wo sich die Betroffenen austauschen können“, sagt Gawens, die vor zehn Jahren mit einer Inklusionssportgruppe des SV Bayer Wuppertal schon einmal einen Landessieger betreut hatte.

Peter Weigel ist ebenso stolz wie überrascht, dass sein Projekt in Düsseldorf den ersten Preis zuerkannt bekommen hat. „Auch die anderen vier Projekte hätten es verdient, da hätte ich nicht Jurymitglied sein wollen“, bekennt er. So ging beispielsweise Rang zwei an den Verein GW Braunshausen, der in seiner ländlichen Umgebung einen Open-Air-Fitnesspark für alle Generationen aufgebaut hat. Lange überlegen, was die GäMSen mit dem jetzt gewonnenen Preisgeld von 2500 Euro anfangen, muss Weigel nicht: „Das wird für unsere nächste Freizeit in den Alpen im nächsten Sommer verwendet.“ Einen Wunsch hat er angesichts der bundesweiten Aufmerksamkeit, die seine Gruppe jetzt auf sich gelenkt hat, noch: „Es wäre toll, wenn wir bald auch an der Nordbahntrasse in der Bramdelle klettern dürften.“ Das im Einklang mit dem Naturschutz zu bewerkstelligen, wird gerade von der Stadt und Sektion Wuppertal im Deutschen Alpenverein geprüft. Weigel: „Für die Mitglieder unserer Gruppe wäre das ein besonderes Erlebnis und das gleich in der Nähe und mit dem Rollstuhl gut zu erreichen.“

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