Auszeichnung für Uni-Forscher

Auszeichnung für Uni-Forscher

Sportwissenschaft: Matthias Hoppe findet Formel für Trainingssteuerung.

Rund 1000 Forscher und Ärzte aus 20 Ländern trafen sich am Wochenende beim Deutschen Olympischen Sportärztekongress in Hamburg. Mittendrin als Referenten und als Preisträger waren Sportwissenschaftler der Bergischen Universität Wuppertal. Matthias Hoppe, Mitarbeiter am renommierten Institut für Bewegungs- und Trainingswissenschaft von Professor Jürgen Freiwald, wurde mit dem mit 20 000 Euro dotierten Förderpreis der Gesellschaft für Orthopädisch Traumatologische Sportmedizin (GOTS) ausgezeichnet. Hoppe erforscht seit Jahren, welchen Einfluss Richtungswechsel und Antritte auf anaeroben und anaeroben Stoffwechsels (die Muskelarbeit mit und ohne Sauerstoffverbrennung) haben. Auf Basis der Forschungsergebnisse der Wuppertaler Arbeitsgruppe konnte Hoppe erstmals Berechnungsformeln für die Trainingssteuerung erstellen. „Beispielsweise im Tennis wird durch die kurzen Antritte fast ausschließlich anaerob bereitgestellte Energie benötig, ausgiebige Dauerläufe im Training machen da gar keinen Sinn“, sagt Freiwald.

In die Freude über die Auszeichnung mischt sich bei Freiwald, der zum dritten Mal in Folge in den Vorstand der GOTS gewählt wurde, die Enttäuschung darüber, dass die Bergische Universität nicht in der Lage gewesen sei, Hoppe zu halten, nachdem er hier im vergangenen Jahr mit summa cum laude promoviert und die besten Bewertungen der Lehre von Seiten der Studierenden habe. Freiwald: „Gerne wäre Herr Hoppe geblieben und hätte hier habilitiert. Sehr schade, dass es der Uni nicht gelungen ist, einem solchen, anerkannten Spitzenforscher eine Weiterbeschäftigung anzubieten.“

Seit April ist Hoppe, der in Hamburg auch den dritten Preis als „Young Investigator“ erhielt, als wissenschaftliche Leiter an der Klinik für Orthopädie, Unfall- und Handchirurgie in Osnabrück tätig. Er hat aus Eigenmitteln des Wuppertaler Arbeitsbereiches für Bewegungs- und Trainingswissenschaft aber noch eine 40-Prozent-Stelle in Wuppertal. Die soll unter anderem dazu dienen, weiter in dem nun ausgezeichneten Bereich zu forschen und zu publizieren. Hoppe und die Uni arbeiten unter anderem in der Trainingssteuerung mit dem BHC.

Apropos Publikationen: Ein wissenschaftlicher Artikel der Wuppertaler Arbeitsgruppe war 2017 die weltweit meistgelesene sportmedizinische Fachpublikation („Paper of highest public interest“). Darin ging es um Schaumstoff-Rollen (Foam roll), die heute vielfach unter anderem als Mittel der Regenation nach hartem Training verwendet werden. Deren Wirkungen aber sind, so Freiwald, wissenschaftlich nicht erwiesen: „Da gibt es bessere Mittel, etwa die Kaltwassertonne und oder den Blutrückfluss fördernde Sportmassagen.“

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