Sportler der Woche: Auf „Hage“ kann der WSV bauen

Sportler der Woche : Auf „Hage“ kann der WSV bauen

Seit 2016 ist Stürmer Kevin Hagemann beim WSV ein Versprechen für die Zukunft.

Linksschuss - abgeblockt - Rechtsschuss -Tor! Nach seinem technisch fein gemachten Treffer gegen den VfB Homberg am vergangenen Sonntag war Kevin Hagemann in seinem Jubellauf von den Mitspielern kaum einzufangen gewesen. Dem schnellen Dribbler von Regionalligist Wuppertaler SV war gleich bewusst, dass es ein besonderes Tor war. „Das war definitiv ein wichtiger Sieg für uns, er gibt der ganzen Mannschaft ein positives Gefühl für den Rest der Saison“, sagt der 28-Jahre alte Stürmer, dessen Tor im Viertelfinalspiel des Niederrheinpokals das einzige und damit das entscheidende blieb. Und das dem gerade aus akuter finanzieller Not befreiten WSV ein weiteres Stück Zukunftsperspektive gibt.

Als Torjäger ist der Ennepetaler nicht unbedingt verschrien, seit er in der Saison 2016/17 von der SSVg Velbert zum WSV geholt wurde. Dafür aber als Schreck der gegnerischen Abwehrreihen, die er mit seinen Läufen und Dribblings aufzureißen versteht. Zwölf Treffer in 56 Regionalliga-Spielen sind ihm seitdem gelungen. „Er arbeitet sich unheimlich viele Chancen selbst heraus“, lobt Sportvorstand Manuel Bölstler seinen leichtfüßigen Stürmer. Für den war der WSV im Sommer 2016 sogar bereit gewesen, eine Ablösesumme an Velbert (laut Transfermarkt.de 10 000 Euro) zu bezahlen, um ihn aus seinem laufenden Vertrag herauszulösen. „Das hat sich sicher gelohnt, wenn man sieht, wie lange Kevin hier schon spielt“, sagt Bölstler. Als einer der wenigen hat der zudem schon einen Vertrag über das Saisonende hinaus bis 2020.

Es wären sicher einige Treffer mehr gewesen, hätte sich Hagemann nicht nach neun Spielen der vergangenen Saison an der Schulter verletzt und wäre nach einem Rückschlag im Winter, der eine Operation nötig machte, für den Rest der Saison ausgefallen. Lange hatte er daran zu knabbern. „Inzwischen denke ich nicht mehr daran. Ich bin schon mehrmals wieder auf die Schulter gefallen und fühle mich jetzt sicher“, sagt der 28-Jährige.

Von ihm, wie von allen Stürmern, fordert Trainer Adrian Alipour noch mehr Verantwortung, erst recht seit Torjäger Christopher Kramer im Winter gegangen ist. „Er soll immer den Abschluss suchen und egoistischer werden“, sagt Alipour über Hagemann, mit dem er im Trainingslager viel gute Gespräche geführt habe. Von seiner Persönlichkeit her ist der eher bescheiden. „Grundsätzlich steht die Mannschaft über der persönlichen Rolle. Ich versuche das umzusetzen, was der Trainer mir aufgibt. Gerade auch im Defensivbereich kann ich da sicher noch etwas lernen“, sagt Hagemann, der neben dem Fußball voll berufstätig ist.

In seiner Karriere habe er von jedem Trainer etwas mitgenommen. In der Jugend beim TuS Ennepetal trainierte ihn sein Vater. Beim Ennepetaler A-Jugend-Pfingstturnier hat er gegen spätere Größen wie Heung-min Son (damals HSV) und Franco di Santo (damals Chelsea) gespielt. Hagemanns Weg führte damals in die Oberliga nach Rhynern unter Trainer Björn Mehnert, dann nach Velbert mit Lars Leese und André Pawlack - auch beim WSV hat er bereits drei Trainer gehabt. Er ist keiner, der aufmuckt, braucht aber Vertrauen, um seine Leistung zeigen zu können.

So wie jetzt im Pokalspiel, bei dem er von der tollen Unterstützung der Wuppertaler Fans schwärmt. „Vor allem nach dem Abpfiff war das ein Gänsehaut-Gefühl“, berichtet der 1,73 m-Mann, der das Zeug zum Publikumsliebling hat.

Unterstützung können er und der WSV auch am Samstag in Straelen zum Auftakt der Regionalliga-Restrunde gebrauchen. So bezieht „Hage“, wie er von allen genannt wird, auch die Zuschauer ein, wenn er das Saisonziel formuliert, das nach dem Aderlass im Winter neu justiert werden musste. „Wir wollen die Leute mit unserer Art und Weise zu spielen Spiel neu beweisen. Was dabei am Ende herauskommt, werden wir sehen.“

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