Basketball: Als der BTV 1996 das Triple feierte

Basketball: Als der BTV 1996 das Triple feierte

Vor 20 Jahren holten die Basketball-Damen des Barmer TV drei Titel in einer Saison. Höhepunkt war 1996 der Sieg in der Europaliga.

Wuppertal. Es wäre wieder einmal Zeit für ein Mannschaftstreffen. Darin sind sich Petra Kremer, Martina Kehrenberg und Marlies Askamp einig. Vor 20 Jahren haben sie mit ihren Mitspielerinnen vom Barmer TV Vereins- und Sportgeschichte geschrieben. Den Basketballerinnen des BTV gelang 1996 das begehrte Triple. In einer Saison gewannen sie den DBB-Pokal, die Deutsche Meisterschaft und als krönenden Höhepunkt die Europaliga, den Wettbewerb der Landesmeister.

Wer diese Mannschaft vor 20 Jahren spielen und in den meisten Partien siegen sah, der gerät noch heute ins Schwärmen. Um die Kehrenberg-Zwillinge Petra und Martina, die schon in der Jugend des Barmer TV eine Klasse für sich waren, hatte Trainer Bernd Motte im Laufe der Jahre ein hochprofessionelles Team zur weltbesten Vereinsmannschaft geformt. Mit dem BTV stand praktisch das gesamte deutsche Nationalteam auf dem Parkett, das durch die beiden australischen Ausnahmespielerinnen Sandy Brondello und Michele Timms auf den beiden Aufbaupositionen optimal ergänzt wurde.

Am 21. März 1996 entthronte der Barmer TV in Sofia im Final-Four-Turnier den bis dahin als unschlagbar geltenden italienischen Titelverteidiger Como. „Nach dem Halbfinalsieg gegen Ruzomberok haben wir uns geschworen, dass wir mehr wollen“, erinnert sich Marlies Askamp. Im Endspiel spielte der BTV dann seine Trümpfe aus: Technik, Taktik Disziplin, Kondition — und einen unglaublichen Siegeswillen. Wie eine Schutzimpfung gegen immer wieder einmal aufkommende Zweifel der deutschen Spielerinnen unter dem Korb wirkte die mentale Stärke von Brondello und Timms. Dem einzigen Triumph eines deutschen Teams in der Basketball-Europaliga folgte wenige Tage später der Gewinn der Deutschen Meisterschaft in der Uni-Halle, der das Triple komplett machte.

Obwohl das von Bernd Motte und seinem damaligen Co-Trainer Olaf Lange betreute Team im folgenden Jahr noch einmal ins Finale der Europaliga einzog, wo es gegen Ruzomberok aus der Slowakei verlor, hatte die Mannschaft bereits in Sofia ihren Zenit erreicht. Es begann die Zeit der Abschiede, an deren Ende 2002 die Auflösung des Meisterteams und die Insolvenz der aus dem Mutterverein ausgegliederten Wuppertal Wings stand. In der Bundesliga hatte sich der Serien-Meister zu Tode gesiegt, für Erfolge in der Europaliga fehlten finanzstarke Sponsoren.

„Wir haben gerade erst wieder angefangen, uns sporadisch zu treffen“, sagt Petra Kremer, die ihrer aktiven Laufbahn als Spielerin eine erfolgreiche Karriere als Schiedsrichterin folgen ließ. Martina Kehrenberg und Marlies Askamp spielten noch eine Saison zusammen in Oberhausen in der Bundesliga. „Das war aber nur ein Jahr, um die Laufbahn ausklingen zu lassen“, sagt „Tina“ Kehrenberg.

Dem professionellen Basketballsport und sich selbst sind Sandy Brondello und Olaf Lange treu geblieben. Die beiden hatten sich in Wuppertal kennengelernt und pendeln als Trainergespann zwischen den Welten. Sandy Brondello gewann als Trainerin des Jahres 2014 mit Phoenix Mercury den US-Titel in der WNBA. Mit UMMC Jekaterinenburg stehen die beiden Mitte April im Final Four der Europaliga. Olaf Lange ist dort der Chefcoach und Sandy Brondello steht als Co-Trainerin an seiner Seite.

„Michele Timms lebt in Australien, Sandy und Olaf sind in Sachen Basketball ständig auf Achse. Einige andere aus dem Team wie Sophie von Saldern, Maren Schiller oder Heike Roth leben ganz in der Nähe“, sagt Petra Kremer, langjähriger Mannschaftskapitän des BTV-Teams.

„Die Bronzemedaille bei der Europameisterschaft und der Gewinn der Europaliga 1996 sind meine größten Erfolge“, sagt Marlies Askamp. Den Titel mit dem BTV stuft sie höher ein als den WNBA-Titel mit Phoenix, wo sie nach ihrer Zeit beim Barmer TV spielte. Die frühere Centerin des BTV arbeitet als Amtsanwältin für die Staatsanwaltschaft Wuppertal. Sie wohnt in Mettmann und ist bei Mettmann-Sport im Abteilungsvorstand tätig, wo ihre Kinder Jonathan und Frederike Basketball spielen. Die nächste Basketball-Generation scheint gesichert, denn auch Amelie, Nils und Michel aus der Sportfamilie Kehrenberg haben ihr Herz für den Basketball entdeckt.

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