Lit.Ronsdorf beginnt mit einem kulinarischen Streifzug durch Wuppertal

Ronsdorf. : Lit.Ronsdorf beginnt kulinarisch

Der Festivalauftakt bot einen Streifzug durch den Stadtteil mit Einblicken in Künstlerateliers.

Es ist keine alltägliche Art, Literaturwochen zu eröffnen, aber eine schöne und eingespielte: Als Startschuss zur mittlerweile 13. Lit.Ronsdorf ging es nicht etwa in eine Bibliothek, sondern in Wald und Flur. Bis hin zur Falknerei Bergisch Land zog die „Kulinarische Wanderung“, veranstaltet von Ronsdorfs Heimat- und Bürgerverein, über mehrere Stationen  – Textvorträge am Weg sicherten dabei den literarischen Bezug.

Das Ronsdorfer Festival rund ums Wort hatte im Jahr 2007 seine erste Ausgabe. Das sportlich-gastronomische „Vorprogramm“ war schon üblich, als vor sechs Jahren der Bürgerverein die Organisation übernahm. Günther Wülfrath, heute bei der Wanderung dabei, Hans Kemper und Christian Oelemann etablierten die Reihe aus überschaubaren Anfängen in einem hiesigen Lokal, bis immer mehr Autoren Interesse an einer Teilnahme fanden. Monika Diehle, heute im Leitungsteam mit Klaus-Günther Conrads und anderen: „Ich freue mich auch über die wunderbare Zusammenarbeit mit den Ronsdorfer Künstlern.“

Zunehmend Zuspruch erhält das Programm, diesmal bis zum 2. November, auch von außerhalb des Stadtteils wohnenden Literaturfreunden. Wobei beim Streifzug sichtlich auch Ronsdorfer selbst Entdeckungen machten: Die erste Einkehradresse, „Glaskunst“ an der Talsperrenstraße, kennt hier zwar jeder auf dem Weg zur Traditionsgaststätte Nolzen. Doch, wie am Tisch voll schmackhafter Schnittchen zu hören war: Mancher nur von außen. Drinnen setzte sich das Gesamtbild des Hauses im Zeichen hübscher Glasgestaltung dann nahtlos fort: Zahllos drapiert waren die gläsernen Objekte und Bilder im Wintergarten bis hin zum Teich auf der Terrasse.

Ute Scholl-Halbach informiert über die Mosaiktechnik

Zwar nicht literarisch, doch unterhaltsam gab ihre studierte Schöpferin  Ute Scholl-Halbach kundig Auskunft zur Mosaiktechnik: „Wenn wir mal eine Kathedrale in Ronsdorf bekommen, muss der Boden in indirekter Technik gelegt sein – dann hat er keine Stolperfallen.“

An der besagten Zielstation, der Falknerei mit einer spektakulären Greifvogelschau, wartete später noch ein Kaffeetrinken mit leckerem Streuselkuchen. Bis dahin ging es über mancherlei Sehenswertes: die alte Dörpfeld-Volksschule vom Vater des berühmten Archäologen, das Heidter Spritzenhaus, den Begräbniswald. Die literarische Fahne hoch hielt derweil Karin Esser: Passend zur jeweiligen Adresse trug sie Gedichte verschiedener Autoren vor. Bei der Schmiede an der Werkzeugfirma Strasmann mit Vorführung durch Bernd Schmidt wurden die Verse eines unbekannten Dichters spontan ganz aktuell: „Gerne würd‘ ich weiter träumen / Von der Zeit, die längst vorbei / Doch es rauscht in alten Bäumen: / Schau nach vorn! Die Zeit ist neu.“ Denn Anfang des Jahres wurde der Betrieb hier stillgelegt, die Zukunft scheint ungewiss. Soll es mit dem geschichtsträchtigen Ort nicht vorbei gehen, schien zu wünschen, dass jemand den Erhalt in die Hand nimmt.

Die Route des Tages war auch Werk von Michael Dietz, überhaupt erstmals bei der Lit.Ronsdorf dabei. Er arbeitet beim Stadtmarketing und hat aus kirchlicher Gemeindearbeit viel Erfahrung mit der Planung von Wanderwegen. Man wird sagen dürfen: Gesellenstück gelungen.

Für einen Herbstspaziergang als Literatur-Auftakt mag abschließend gerade Ronsdorf der richtige Stadtteil sein: Das Naturfreundehaus auf den Höhen etwa ist unter Wanderfans auch außerhalb bestens bekannt. Es ist auch einer der zahlreichen Leseorte quer durch Ronsdorf: So liest am 16. Oktober Hermann Schulz im Friedenshort, am 22. Oktober stellt Marina Jenkner in der Stadtsparkasse ihren hochaktuellen Roman „Die UnWillkommenen“ vor, und zum Abschluss am 2. November liest im Ronsdorf-Carrée Oberbürgermeister Andreas Mucke. Und was die Verbindung Wandern und Lesen betrifft: Schon am Sonntag nach dem Streifzug stand eine literarische Kaffeestunde plus Wanderung mit „Neuling“ Dietz auf dem Programm.

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