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Wahlkampfrede: Lindners Solo-Talkshow in der Alten Papierfabrik

Wahlkampfrede : Lindners Solo-Talkshow in der Alten Papierfabrik

Vor 450 Zuhörern hielt der Vorsitzende der FDP seine Wahlkampfrede. Lindner stellte Fragen und beantwortete sie selbst.

Wuppertal. Als Christian Lindner die Bühne in der Alten Papierfabrik betrat, da zückte er sein Handy, um demonstrativ von den rund 450 Besuchern im sehr gutgefüllten Saal ein Foto für sein Wahlkampf-Fotoalbum zu machen. Vor einem vollen Saal hat der FDP-Vorsitzende sicherlich schon öfter gesprochen, aber ein Zugpferd wie er spürt ganz genau, wie gut der Karren gerade läuft. Und es läuft bei den Liberalen, denen die jüngsten Umfragen elf Prozent bei den Landtagswahlen in NRW voraussagen.

„Dass die FDP manchmal keine Sitze hat, ist bekannt. Das ihr aber die Sitzplätze ausgehen, das ist ein ganz neues Gefühl“, sagte Lindner und sorgte damit für den ersten Lacher des Abends. Weitere folgten, denn bei den folgenden Attacken gegen die rot-grüne Landesregierung sparte er nicht mit Ironie. Das kam bei den Zuhörern an, zu denen ganz offensichtlich auch viele Nichtmitglieder der FDP und Jungwähler zählten, die den FDP-Wiederbelebungsexperten Lindner einmal live erleben wollten — und nicht wie ihn die meisten kennen in den Fernseh-Talkshows.

Angesichts des hervorragenden Besuchs war dem FDP-Kreisvorsitzenden Marcel Hafke und dem FDP-Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat, Alexander Schmidt, die gute Laune schon vor dem Eintreffen des FDP-Spitzenkandidaten ins Gesicht geschrieben. Doch es sind offensichtlich nicht nur die guten Umfragewerte, die für Zulauf sorgen.

„Christian Lindner hat in den sozialen Medien viel Werbung für seinen Auftritt gemacht. Ich bin aus Neugier hier, denn er ist ein Spitzenpolitiker sowohl im Hinblick auf die Landtags- als auch die Bundestagswahl“, sagt der Student Hermann Schauerte. Auch Ramon Kreuz ist kein FDP-Mitglied. Er empfand den Abend als gute Gelegenheit, zu überprüfen, ob er sich mit der Partei identifizieren kann. „Die FDP vertritt ganz gute Positionen“, sagt Ramon Kreuz.

Die Standpunkte der FDP hatten vor dem Auftritt des Hauptredners die beiden Wuppertaler Landtagskandidaten Marcel Hafke und Oliver Walgenbach sowie der stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Landtag Joachim Stamp dargelegt. Marcel Hafke erneuerte seine Forderung nach flexibleren Öffnungszeiten in Kitas. „Von 10 000 haben in NRW nur 400 nach 16.30 Uhr geöffnet. Entspricht das der Lebenswirklichkeit vieler Eltern?“, lautete seine Frage. Oliver Walgenbach plädierte für die Abschaffung des Tariftreue- und Vergabegesetzes. „Es sind Aufgaben, die ein kleiner Betrieb nicht erfüllen kann und sich daher gar nicht an einer Ausschreibung beteiligen wird. Das schadet dem Handwerk“, sagte Walgenbach.

Die Bühne war damit bereitet für Christian Lindner, der zunächst noch einmal klar stellte, dass die Liberalen einen Politikwechsel in NRW fordern und für eine Ampelkoalition nicht zu haben sind: „Wir wollen die Agenda 2030, Martin Schulz will die Agenda 1995 und Angela Merkel will gar nichts.“

Deutlich härter als mit der CDU ging Lindner mit den Landesministern von SPD und Grünen ins Gericht. Die Bildungspolitik von Sylvia Löhrmann bezeichnete er als grünen Scherbenhaufen im Altglascontainer. „Ein Innenminister, der das Vertrauen der Bürger in den Rechtsstaat untergräbt, kann nicht Minister unseres Landes sein“, sagte Lindner über Ralf Jäger (SPD), dem er in zahlreichen Punkten und zuletzt im Fall Amri Fehlverhalten vorwirft.