Lilay Huser: Oma Öztürk ganz privat

Lilay Huser: Oma Öztürk ganz privat

Die Schauspielerin spielt in der ARD–Serie „Türkisch für Anfänger“ mit.

Wuppertal. Sieben gehäufte Löffel Kaffeepulver - so viele braucht Lilay Huser für eine ordentliche Kanne Kaffee, am liebsten trinkt sie ihren Kaffee schwarz. Die 1,52-Meter-Frau nimmt einen kräftigen Schluck, dann scheint allmählich Leben in sie zu kommen: "Heute schaut ein Kamerateam vorbei, da muss ich gewappnet sein", sagt sie.

Die Wuppertaler Schauspielerin ist gerade heiß begehrt - diese Woche ist sie in der ARD-Vorabendserie "Türkisch für Anfänger" als Oma Öztürk zu sehen, eine renitente kopftuchtragende Großmutter. Der sieht die Fünfzigjährige in Jeans und den locker hochgesteckten Haaren so gar nicht ähnlich, aber - "wir haben dennoch sehr viel gemein", sagt Huser.

"Öztürk ist stur, weiß was sie will. Sie ist eine Kämpferin. Wäre ich nicht ähnlich veranlagt, hätte ich es nicht so weit geschafft", sagt Huser und zieht die Augenbrauen dramatisch in die Höhe - man glaubt ihr sofort.

Die Rolle sei wie für sie geschaffen: Oma Öztürk - der Inbegriff eines weiblichen traditionell-türkischen Familienoberhaupts - kommt auf einen Überraschungsbesuch bei der Familie Özürk-Schmidt vorbei, um die Heiratspläne ihres Enkels voranzutreiben. Allmählich stellt sich heraus, dass die dominante Oma gar nicht immer so sittenkonform gelebt hat, wie sie vorgibt. "Eine herrliche Komödie", sagt Schauspielerin Huser und fügt an: "Es wird normal, auch die türkische Mentalität mit einem Augenzwinkern zu betrachten - das beweist der Erfolg der Serie"

Geplant war Husers Karriere als Schauspielerin nicht. Aufgewachsen in Istanbul kam sie 1978 für ihr Studium zur Diplom-Textilingenieurin nach Krefeld.

"Schauspielern war immer schon meine Leidenschaft" - daher habe sie auch in Deutschland weiter Theater gespielt. Als es dann hieß, zurück in die Türkei zu gehen - Lilay hatten lediglich als Studentin ein Aufenthaltsrecht - entschied sie sich, in Deutschland zu bleiben. "Es gab eine Möglichkeit, bei der türkischen Theatergruppe Arkadas in Köln zu arbeiten, um später die generelle Arbeitserlaubnis für Deutschland zu bekommen. "So wurde meine Leidenschaft zu meinem Beruf."

Der Schritt war mutig: Vom Theater allein konnte Sie zunächst nicht leben. Jahrelang arbeitete Lilay daher in der Gastronomie. "Für eine Schauspielerin eine wahre Fundgrube. Man lernt viel über das Leben - trifft auf unterschiedliche Charaktere."

Nach Wuppertal kam die Künstlerin über Umwege: "Ein Freund aus der Türkei lebt hier. Wegen ihm kam die Idee überhaupt auf, auszuwandern." 1991 gründete sie dann zusammen mit Barbara Krott, Vedat Erincin und Meray Ülgen das interkulturelle Wupper-Theater, dessen nächstes Stück "Trockenblumen" im Frühjahr 2009 uraufgeführt wird. "Jetzt lebe ich schon 20 Jahre in der Stadt, habe viele Freunde gewonnen".

In den vergangenen Jahren gab es in Deutschland einen regelrechten Lilay-Boom. Sie ist in diversen Fernseh- und Filmproduktionen zu sehen, etwa "Lindenstraße", oder "Bang, Boom, Bang". Jüngst hat der Kinofilm "Evet - ich will", bei dem sie ebenfalls mitspielt, beim Lünener Filmfest gewonnen. Hinzu kommen ganz aktuelle Produktionen, die im Dezember ausgestrahlt werden: "Dell und Richthoven" und "Plötzlich Papa".

Auch wenn die Künstlerin daher beinahe jede Woche nach Berlin fährt, möchte sie in Wuppertal bleiben. Die Stadt habe kulturell viel zu bieten, aber es sei ruhiger: "Hier kann ich mich entfalten". Das einzige, was ihr nicht gefalle seien die Berge, "die sind mir zu anstrengend", sagt sie, obwohl sie hoch oben am Platz der Republik in einer schnuckeligen Nordstadtwohnung residiert - und das ganz freiwillig.

Die Schauspielerin lehnt sich zurück und lässt das Gespräch revue passieren. Nachdenklich stellt sie fest: "Ich fühle mich mittlerweile mehr deutsch als türkisch. Letztens saß ich im Zug nach Berlin und sah aus dem Fenster - irgendwie hab ich mir gedacht: Ja - das ist dein Land."

Wovon sie träumt? Das alles so läuft wie bisher. "Ich möchte spielen, spielen, spielen." Eine Rolle wie die der Goldie Hawn in "Club der Teufelinnen", eine Hollywood-Schickse mit einer gehörigen Portion Eigenhumor, das würde sie noch besonders reizen.

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