Kanu-Rennsport: Leo Korns Taktik ist aufgegangen

Kanu-Rennsport : Leo Korns Taktik ist aufgegangen

Der 14-Jährige ist das aktuell größte Talent der KSG Wuppertal. Er startet gerade bei den Hope Games.

Während für seine Kollegen von der KSG Wuppertal am Samstag zum Saisonabschluss bei der Wuppertaler Stadtregatta vor allem der Spaß im Vordergrund steht, wird es für Leo Korn noch einmal ernst. Als Lohn für sein gutes Abschneiden bei den Deutschen Meisterschaften in Brandenburg, wo der Noch-14-Jährige über 1000 Meter im Einer-Canadier als Vierter Schnellster seines Jahrgangs 2004 geworden war, hatte ihn der Bundestrainer, wie berichtet, für die Olympic Hope Games nominiert, die an diesem Wochenende in Bratislava in der Slowakei stattfinden.

Probleme, sich für den unverhofft dazugekommenen Saisonhöhepunkt zu motivieren, hatte Leo Korn nicht. „Für mich ist das ganz klar mein bisher größter Erolg“, sagt er schon vor der Teilnahme an dem internationalen Jugend-Kräftemessen mit Athleten aus 36 Ländern, das vom sportlichen Stellenwert gleich hinter Europa- und Weltmeisterschaften rangiert, im ersten Jugend-Jahr, in dem Leo Korn sich befindet, sozusagen eine Vorstufe ist.

Gerechnet habe er selbst nicht damit, bekennt Leo Korn, der im Vergleich zu vielen Paddlern in seinem Doppeljahrgang 2004/2003 noch eher schmächtig ist. „Ich wusste zwar, dass er im Winter gut gearbeitet hat. Er fährt aber auch taktisch hervorragend und hat in Brandenburg ein bisschen die Bedigungen ausgenutzt“, sagt sein Heimtrainer Enno Aufdemkamp. Er hatte ihm über die Spezialstrecke 1000 Meter vor dem Finale geraten, die Lücke zu den großen, schweren Athleten nicht zu groß werden zu lassen, weil die hinten heraus nachlassen würden, und das setzte sein Schützling dann auch hervorragend um. Mit dem Wind von vorne rechts hatte er als Rechtspaddler auch weniger Probleme, auf der Außenbahn auf den letzten 100 Metern zudem Windschutz durch eine Werbebande und kassierte einen Kontrahenten nach dem anderen ein. Am Ende wäre es fast noch Bronze geworden. Diese Medaille holte er sich dann bekanntlich mit seinem ein Jahr älteren Bruder Lucas noch dreimal im Zweier über 200, 500 und 1000 Meter.

Beide haben vor fünf Jahren bei der KSG mit dem Paddeln angefangen. Damals hatte Enno Aufdemkamp in Leos Grundschulklasse in Dahlerau für die Ferienkurse geworben. Leo blieb hängen. „Die Faszination, das erste Mal in einem Canadier zu sitzen, war groß“, berichtet er in der Rückschau. Kurz darauf kam auch sein Bruder Lucas mit, der mit dem Fußball aufgehört hatte und nach etwas Neuem suchte. Während Lucas zunächst nur unregelmäßig zum Training kam, gehörte Leo gleich zu den Fleißigsten, wie Aufdemkamp berichtet. „Paddeln ist mein Leben“, sagt Leo Korn inzwischen über sein größtes Hobby, das die Zeit neben der Schule stark ausfüllt. Heißt: Sechsmal Training in der Woche und dazu immer wieder Wettkämpfe und Trainingslager. Seit dem Sommer besucht er die 9. Klasse des Theodor-Heuss-Gymnasiums in Radevormwald, war aber erst eine Woche in der Schule. Zunächst war er für die DM freigestellt, in der vergangenen Woche dann mit der Nationalmannschaft in Vorbereitung auf die Hope Games am Bundesstützpunkt in Kienbaum. „Zunächst einmal kannte ich nur meinen Zimmerpartner aus Bochum, aber das hat sich schnell eingespielt“, übermittelte Leo Korn aus dem Trainingslager, von wo aus es am Donnerstag mit Kleinbussen nach Bratislava ging.

An diesem Freitag begannen die Rennen. Leo Korn wurde vom Bundestrainer für den Einer über alle drei Distanzen nominiert, was er am Freitag als Schnellster der beiden Deutschen über 1000 m auch mit dem Finaleinzug rechtfertigte (siehe Kasten). Eventuell wird er am Samstag auch im C 4 über 500 m sitzen, wenn bis dahin zwei seiner Paddelpartner, die mit im Boot sitzen, eine Erkältung auskuriert haben sollten.

So oder so ist Leo Korn für die KSG das nächste Aushängeschild, nachdem schon in den vergangenen Jahren immer wieder Canadier-Talente vom Beyenburger Stausee die Teilnahme an den Hope Games und sogar Europameisterschaften geschafft hatte. Mal EM oder WM zu fahren, das ist auch der Traum von Leo Korn. „Ich bleibe dran“, versichert er.