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Wuppertal: Lehrermangel in Wuppertal

Wuppertal : Lehrermangel in Wuppertal

An den Schulen fehlen noch 81 Lehrer, 34 an den Grundschulen. Da bleibt weniger Zeit für die einzelnen Schüler.

Wuppertal, „Ich habe jetzt eine Stelle zum dritten Mal ausgeschrieben“, sagt Andrea Oppermann, Leiterin der Grundschule Marienstraße und Mitglied der Lehrergewerkschaft GEW seufzend. Bisher hat sich keine neue Kollegin, kein neuer Kollege gefunden: „Im Moment sind kaum Lehrkräfte auf dem Markt.“ In Wuppertal sind aktuell 81 Lehrerstellen nicht besetzt, für 36 weitere Stellen läuft das Besetzungsverfahren.

Helga Krüger vom Leitungsteam der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) berichtet, dass das Land bereits versucht hat, junge Lehrer direkt per Listenverfahren auf Stellen zu verweisen — statt Bewerbungen bei den Schulen abzuwarten. „Das ist gescheitert“, sagt sie trocken.

Andrea Oppermann hofft jetzt auf den 1. November — zu dem Datum ist die Stelle erneut ausgeschrieben. Denn zum 31. Oktober sind die nächsten Referendare mit ihrer Ausbildung fertig. „Im Regierungsbezirk Düsseldorf werden 221 Grundschul-Referendare fertig“, sagt Richard Voß von der GEW. Aber es gebe im Bezirk 350 offene Stellen — man könne also nicht alle besetzen.

Insgesamt sind noch 34 Stellen an Grundschulen offen, für weitere sechs Stellen laufen die Verfahren. Richard Voß sagt: „An fast jeder Grundschule in Wuppertal ist eine Stelle unbesetzt. Das bedeutet, dass wir nur den Mindestbedarf abdecken.“ Auf der Strecke blieben die Teamstunden, in denen zwei Lehrkräfte eine Klasse betreuen.

„Ich habe in meiner Klasse acht Leistungsstufen von der Lernbehinderung bis zum hochbegabten Kind. Um denen gerecht zu werden, brauche ich individualisiertes Material. Und ich muss mich mal zu einem Kind setzen und ihm etwas erklären. Das geht nicht, wenn ich allein bin“, erklärt Andrea Oppermann. Das habe nichts mehr mit dem Ziel zu tun, kein Kind zurückzulassen: „Da gehen definitiv einige unter“, befürchtet sie. „Das betrifft starke wie schwache Schüler.“

Der Schulbetrieb funktioniere nur noch, weil die Kollegen zusammenhalten und sich gegenseitig aushelfen. Es gebe auch keine Reserve für Krankheitsfälle: Fällt einer aus, werden die Kinder auf andere Klassen aufgeteilt. „Dann müssen sich die Kollegen um noch mehr Kinder kümmern. Das ist eine extreme Belastung.“

Die Bezirksregierung führt den Mangel an Grundschulen vor allem auf die längere Studiendauer zurück. Seit der Umstellung auf Bachelor und Master studieren Grundschullehrer fünf statt drei Jahre. „Daraus ergibt sich ein ‚Leerlauf’ von ungefähr zwei Jahren“, sagt Sprecherin Dagmar Groß.

Helga Krüger kritisiert, dieser Leerlauf sei absehbar gewesen, ebenso wie steigende Schulerzahlen. Das Land hätte in Zeiten des Überangebots einstellen müssen, findet sie. Möglicherweise sei der Beruf durch die gestiegenen Anforderungen nicht mehr attraktiv. Sie verweist darauf, dass es immer noch Gehaltsunterschiede für Lehrer an verschiedenen Schulformen gebe — obwohl die Ausbildung inzwischen für alle gleich lang sei. Daher fehlten wohl auch an den Gesamt- und Realschulen vergleichsweise viele Lehrer. Laut Bezirksregierung sind es 14 an Realschulen und zwölf an Gesamtschulen. An Gymnasien dagegen fehlten nur einzelne Fachlehrer.

Sie fordert zudem, die nicht gezahlten Gehälter den Schulen zukommen zu lassen. „Das Land spart allein pro Grundschullehrer und Monat etwa 3500 Euro, wenn die Stelle nicht besetzt ist. Das sind bei 34 Stellen knapp 120 000 Euro pro Monat. Das sollte nicht in den Haushalt fließen, sondern den Schulen gegeben werden.“