Lehrer beklagen: Schwimmen lernen schwer gemacht

Lehrer schlagen Alarm : Schwimmen lernen schwer gemacht

Lehrer beklagen unter anderem Enge in den Bädern: „Aufsichtspflicht wird zum Glücksspiel.“

Immer weniger Kinder können schwimmen, sagt die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft und schlägt regelmäßig Alarm. Nur noch 40 Prozent erreichten mit Abschluss der vierten Klasse das Deutsche Jugendschwimmabzeichern in Bronze. Im Schulunterricht schwimmen zu lernen, erscheint aufgrund der Bedingungen, sowohl personell als auch räumlich, aber kaum möglich, obwohl der Schwimmunterricht im Lehrplan fest verankert ist. Da macht Wuppertal, das lange als Schwimm-Hochburg galt, keine Ausnahme, wie der Stadtverband der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisiert.

„Unsere Bäder sind überbelegt, unserer Lehrer sorgen sich teilweise sogar um die Sicherheit“, sagt Richard Voß von der GEW Wuppertal. Die plastische Schilderung einer Grundschullehrerin, die mit 24 Viertklässlern freitags im Leistungszentrum Schwimmunterricht hat, hat die GEW zum Anlass genommen, eine Umfrage unter ihren Lehrern zu starten, und sie hat eine Menge Verbesserungsbedarf festgestellt. Das größte Manko bleibt, dass bei 90 bis 120 Minuten Zeitaufwand inklusive An- und Abfahrt nicht mehr als 30 Minuten reine Wasserzeit möglich sind.

Ein riesiger Lärmpegel, drei Klassen, die sich das Nichtschwimmerbecken im Schwimmleistungszentrum teilen müssen, fehlende Randbahnen dort und im großen Becken, die gerade bei Nichtschwimmern oder solchen, die noch unsicher sind, unabdingbar sind, und ein Chaos in den Umkleidekabinen, schildert die Lehrerin unter der Überschrift „Ein besonderes Erlebnis . . . Schwimmunterricht in Wuppertal“ Ihr Fazit lautet: „Aufsichtspflicht wird zum Glücksspiel.“

Dass bei der Umfrage der GWE, die noch bis kommenden Montag läuft, bereits in den ersten vier Tagen 19 Rückmeldungen eingingen, wertet Richard Voss als Indiz, wie sehr den Lehrern das Thema unter den Nägeln brennt. Zeitweise Bäderschließungen werden darin genauso angesprochen, wie der Bustransport zu den Bädern, bei dem nicht jedes Kind einen Sitzplatz habe und so auch über die Autobahn gefahren werde. Außerdem seien die Busfahrer aufgrund der engen Zeitpläne, die natürlich einzuhalten sind, um ein Chaos zu vermeiden, teilweise völlig überfordert. Ausgesprochen positiv wird nur die Situation im kleinen Bad Am Röttgen genannt, das die Stadt vor allem für den Schul- und Vereinsbetrieb offen hält.

„Wir stellen unsere Pläne in enger Abstimmung mit den Schulen auf und lassen uns jeweils bestätigen, ob das in Ordnung ist. Insofern erstaunt uns die jetzige Kritik etwas“, sagt Sabine Fahrenkrug, Leiterin des Stadtbetriebs Schulen.

Stadt reagiert auf Kritik und versucht Schulen zu entzerren

Auf die enge Situation, die dienstags und freitags im Schwimmleistungszentrum existiere, habe man reagiert. Wir haben weiterführende Schulen, die dort gleichzeitig Unterricht hatten, nach hinten verschoben. Dienstags war das die Realschule Vohwinkel, freitags die Realschule Hohenstein“, berichtet Stefan Wollny, Abteilungsleiter Schulservice. Ein Problem, so Fahrenkrug sei, dass immer mehr Schüler von weiterführrenden Schulen nicht schwimmen könnten oder hier Nachholbedarf hätten. Das belaste die Kapazitäten in den Bädern natürlich. Generell sagt sie, „sind wir in Wuppertal noch gut aufgestellt.“ Gut aufgestellt ist Wuppertal auch in punkto „NRW lernt Schwimmen“, nach der Übungsleiter des Schwimmverbands teilweise im Schwimmunterricht mithelfen. Doch auch hier wirkt die Platznot limitierend bei der nötigen Differenzierung.

Sabine Fahrenkurg räumt ein, dass es enger werde, wenn immer wieder Bäder geschlossen seien, wie aktuell zur Renovierung das Gartenhallenberg in Cronenberg. „Das Schwimmsportleistungszentrum ist dann der Puffer für uns. Ich wundere mich, dass die Klagen jetzt kommen. Die Situation ist wesentlich entspannter als vor ein, zwei Jahren als das SSLZ geschlossen war“, so Fahrenkrug. 16 von 20 Bahnen im großen Becken sind dort vormittags dem Schulsport vorbehalten. Im Lehrschwimmbecken sind es nur drei breitere Bahnen. Der derzeitige Belegungsplan zeigt, wie stark das Bad in Anspruch genommen wird, dienstags von neun Schulen, mittwochs und freitags von elf, donnerstags sogar von zwölf, mit zum Teil mehreren Klassen.

Zur Kritik, dass die Kinder in den Schulbussen nicht angeschnallt seien und nicht immer alle eine Sitzplatz hätten, sagt Stefan Wollny: „Laut eines Urteils ist auch Stehen im Bus nicht verboten, so sind in die Kapazitäten auch Stehplätze mit einberechnet. Auf den Autobahnen dürfen unsere Busse nur 60 Stundenkilometer fahren und halten sich auch daran.“ Antworten, die Lehrer und Eltern kaum zufriedenstellen werden.

(gh)