Legenden und Talente wechseln sich in Wuppertal an den Piano-Tasten ab

Klavier-Festival Ruhr : Legenden und Talente wechseln sich an den Piano-Tasten ab

Das Klavier-Festival Ruhr kommt mit fünf hochkarätigen Konzerten in die Stadthalle. Mit Chilly Gonzales gibt es auch eine Veranstaltung zum Schmunzeln und Lachen.

Das Klavier-Festival Ruhr, das jährlich im Ruhrgebiet und Umgebung stattfindet, ist weltweit das größte seiner Art. In diesem Jahr beinhaltet es vom 7. Mai bis 19. Juli 60 Veranstaltungen auf 34 Podien. 78 Pianisten, davon 32 Festival-Debütanten, werden dann auftreten. Wuppertal ist mit insgesamt fünf Konzerten in der Historischen Stadthalle wieder mit dabei. Sie ist zu einem festen Standbein geworden. Intendant Franz Xaver Ohnesorg ist hier „wahnsinnig gerne“ und freut sich, sich hier „zuhause fühlen zu dürfen“. Damit meint er nicht nur die erstklassige Akustik und das Ambiente. Ausdrücklich lobt er das professionelle Stadthallen-Team, auf das man sich immer verlassen könne.

Bei Chilly Gonzales erwartet das Publikum eine Entdeckungsreise

Diesjähriges Motto des Klavier-Festivals Ruhr lautet „Living Legends“ und „Rising Stars“, also lebende Legenden und aufstrebende Talente. Es sollen Verbindungen zwischen den Generationen und zwischen Menschen verschiedener Herkunft hergestellt werden. So werden sich auch hier Jung und Alt ein Stelldichein geben.

Daniel Barenboim kehrt 13. Januar 2020 zurück in die Historische Stadthalle. Foto: MARK WOHLRAB/Mark Wohlrab

Also kommt am 6. Juni der international renommierte Pianist Jean-Yves Thibaudet auf den Johannisberg. Begleiten wird ihn der ebenfalls bedeutende Cellist Gautier Capuçon und das WDR Sinfonieorchester Köln unter der Leitung des berühmten Dirigenten Michael Sanderling. Zentrales Werk des Abends ist das Doppelkonzert „Eros athanatos – Fantaisie concertante for violoncello, piano and orchestra“, op. 69 aus der Feder des 1968 in Lausanne geborenen Schweizer Komponisten Richard Dubugnon. Auch er ist international bekannt und mit Auszeichnungen prämiert. Er wird stilistisch als Enkel von Maurice Ravel und Sergei Prokofjew bezeichnet, aber mit einer eigenen Tonsprache. Vergangenes Jahr im Oktober in Perth in Australien uraufgeführt, erfährt sein junges Werk nun seine Deutsche Erstaufführung. Außerdem stehen Paul Hindemiths Suite französischer Tänze und die 6. Sinfonie („Pathétique“) in h-Moll, op. 74 von Peter Iljitsch Tschaikowsky auf dem Programm.

Ein weiterer Star kommt am 14. Juni: Grigory Sokolov. Er gilt als einer der bedeutendsten Pianisten der Gegenwart und ist bekannt für seine klar konzeptionierten Programme. Je ein Früh- und Spätwerk Ludwig van Beethovens will er präsentieren: die 3. Klaviersonate in C-Dur, op. 2/3 und „Elf neue Bagatellen“ op. 119. Ferner spielt er späte Literatur von Johannes Brahms: Sechs Klavierstücke op. 118 und die vier Klavierstücke op.119.

Weiter geht es am 27. Juni mit Jan Lisiecki. Der Kanadier gehört der jungen Pianistengeneration an und wird mit seinem Wuppertaler Debüt zum 5. Mal auf dem Festival spielen. Mit „Night Music“ ist sein Programm überschrieben. Also stellt er Werke vor, die die Nacht thematisieren. Die Nocturnes op. 55, das Nocturne in e-Moll op. 72/1 und das erste Scherzo in h-Moll op. 20 von Frédéric Chopins hat er sich ausgesucht. Außerdem hat er sich für die Nachtstücke op. 23 Robert Schumanns, Maurice Ravels „Gaspard de la nuit“ und „Cinq Morceaux de fantaisie“ op. 3 von Sergej Rachmaninow entschieden.

Unter die Rubrik „Jazz Line“ fällt der Auftritt von Jason Charles Beck alias Chilly Gonzales am 18. Juli. Sein Markenzeichen ist ein Morgenmantel, ohne den er nie auf der Bühne erscheint. Eigene Tonschöpfungen will der Entertainer vorstellen, die unter anderem eine eigene Lesart des Oeuvres von Johann Sebastian Bach zum Inhalt haben könnten. Cellistin Stella Le Page ist mit dabei, die er laut Ohnesorg in Szene setzen wird. Er ist sich sicher: „Das wird eine Entdeckungsreise zum Schmunzeln und auch schallendes Gelächter hervorrufen“.

2020 ist ein Beethoven-Jahr. Denn dann jährt sich zum 250. Mal der Geburtstag des berühmten Komponisten. Als Klavier-Festival Ruhr extra trägt diesem Jubiläum Daniel Barenboim am 13. Januar Rechnung. Denn dann hat der Weltstar zwei frühe, eine mittlere und die letzte Klaviersonate von ihm mit im Gepäck: die Sonaten Nr. 4 in Es-Dur (op. 7), Nr. 9 in E-Dur (op. 14/1), Nr. 22 in F-Dur (op. 54) und Nr. 32 in c-Moll (op. 111).

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