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Leblose Pflanzen erschüttern Naturfreunde in Wuppertal

Botanik : Leblose Pflanzen erschüttern Naturfreunde

Die Kryptophyten im Botanischen Garten sind allerdings nicht tot - sie ruhen nur.

Der Anblick ist in der Tat traurig und tut dem Natur- und Pflanzenfreund in der Seele weh: In einem Gewächshaus des Botanischen Gartens obenauf der Hardt lassen Pflanzen leblos die Blätter hängen, und in Kübeln und Hochbeeten siecht die Vegetation erbarmungswürdig vor sich hin. „Die Gärtner haben vergessen, die zu gießen“, sagt sich so mancher Spaziergänger beim Blick durch die Glaswände, und es gibt nicht wenige, die ihrem Ärger über diese „Nachlässigkeit“ Luft machen. „Da haben sich einige Besucher sogar schon beim Oberbürgermeister über uns beschwert“, berichtet Frank Telöken, der Leiter des „Gartendenkmals Hardt“, lächelnd und klärt die vermeintlichen „Versäumnisse“ seines Mitarbeiterstabs auf.

„Nahezu alle Pflanzen in diesem Gewächshaus haben, wie auch an ihrem natürlichen Standort, eine zwei- bis viermonatige Ruhezeit. Und in der werden sie nicht gegossen. Falls sie nämlich zu den falschen Zeiten gewässert werden, bedeutet das für sie den sicheren Tod“, so Telöken und erklärt den „Sommerschlaf“ der „Kryptophyten“, wie die „verborgenen Pflanzen“ (zu ihnen gehört übrigens auch das Alpenveilchen) biologisch korrekt heißen.

„Diese Pflanzen befinden sich im Unterwuchs, in einer Art Stand-by-Modus, bei dem sie kein Licht und kein Wasser benötigen. In dieser Zeit beziehen sie ihre Nahrung aus den Knollen oder Zwiebeln, ihren Überdauerungsorganen, die sich unter der Erde befinden. Deshalb sind sie nicht vertrocknet, sondern ruhen nur. Die Pflanze ist dadurch den Witterungsbedingungen der für sie ungünstigen Jahreszeit, nämlich starke Hitze und weniger Licht, das ihnen größere Gewächse wegnehmen, nicht so umfangreich ausgesetzt“, so der Experte.

Dass der Anblick der „abgestorbenen“ Pflanzen der Öffentlichkeit zugänglich ist und immer wieder zu wütenden Protesten der Erholungssuchenden auf der Hardt und im Botanischen Garten führt, ist der Regionale 2006 „zu verdanken“.

Aushang informiert
jetzt die Besucher

„Die hat es ermöglicht, diese Gewächshäuser zu bauen und auch diese Phase im Leben der Knollen- und Zwiebelgewächse der Öffentlichkeit sichtbar zu machen“, berichtet Telöken, der seit 25 Jahren auf der Hardt und im Botanischen Garten arbeitet. „Bis dahin waren sie in diesem Zustand nämlich nur in den innerbetrieblichen Gewächshäusern des Ressorts Garten und Forsten der Stadt Wuppertal zu sehen.“ Um die Gemüter der aufgebrachten Pflanzenfreunde zu beruhigen, hat der Botanische Garten an beiden Seiten des betreffenden Gewächshauses Aushänge platziert, die den unansehnlichen Zustand der schlummernden Kryptophyten erklären.