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Lebenshilfe-Hotel vor dem Aus?

Lebenshilfe-Hotel vor dem Aus?

Die Stadt will das Gebäude verkaufen, für die Lebenhilfe wäre das ein herber Verlust.

Wuppertal. Eigentlich könnte der Geburtstag des ehemaligen Wuppertaler Kinderkurheims auf der Insel Norderney in diesem Frühjahr groß gefeiert werden - wenn da nicht die Absicht der Stadt wäre, das Gebäude zu verkaufen. Dieser Schritt, so er denn kommt, wird vor allem die Lebenshilfe Cronenberg hart treffen, denn die hat das Haus gepachtet und nutzt es als Behindertenhotel.

Die Lage ist verfahren: Das hoch verschuldete Wuppertal wird von der Bezirksregierung Düsseldorf gegängelt und muss seine freiwilligen Leistungen zurückführen. Dazu gehört auch die extrem billige Verpachtung des ehemaligen Kinderkurheims an die Lebenshilfe.

Etwa 10000 Euro Pacht, exakt 843 Euro im Monat, zahlt die Lebenshilfe an die Stadt. Das ist, so Stadtsprecherin Martina Eckermann, weit entfernt von marktüblichen Konditionen - also eine freiwillige Leistung.

Die Verwaltung macht nun, was der Stadtrat bereits gefordert hat: Sie versucht, Grundstücke und Gebäude zu verkaufen, damit die Schulden nicht mehr so rasant steigen. Aus diesem Grund ist für das Gebäude auf Norderney eine sogenannte Marktvoruntersuchung gestartet worden.

Das Ergebnis: Die Stadt könnte bei einem Verkauf des Hauses zwischen 1,8 und 2,5 Millionen Euro erlösen. Ein marktüblicher Pachtzins würde zirka 70000 Euro im Jahr betragen.

Das alles sind Preise, die die Lebenshilfe nicht bezahlen kann, wie deren Geschäftsführer Stefan Pauls bereits Radio Wuppertal mitgeteilt hatte. Das muss er vielleicht auch gar nicht, denn nach Informationen der WZ ist die Stadt bereit, der Lebenshilfe beim Kaufpreis entgegen zu kommen. Allerdings muss die Stadt aufpassen, denn die Bezirksregierung wacht mit Argusaugen darüber, dass die Stadt ihr Vermögen nicht unter Marktwert "verschleudert".

Es gibt eine weitere Lösung: Die Lebenhilfe könnte sich Partner, wie etwa die Diakonie oder die Caritas, suchen, mit denen sie das Haus gemeinsam erwirbt. Bis zum Beginn der Sommerferien hat die Lebenshilfe Zeit, um Partner zu finden. Möglich wäre auch, das Haus weiterhin zu pachten - allerdings zu einem marktüblichen Pachtzins.

Die Stadt würde dem gemeinnützigen Verein entgegenkommen und nur dann das Gebäude verkaufen, wenn es zu keiner Einigung kommt. sagt Peter Jung.

Die Lebenshilfe Cronenberg hat jedoch noch einen Grund, für den Erhalt der derzeitigen Eigentumsverhältnisse zu sorgen. Nach Recherchen der WZ soll der frühere Lebenshilfe-Geschäftsführer entgegen der Absprachen mit der Stadt erheblich mehr an dem Gebäude saniert haben, als notwendig gewesen wäre.

Das hat zur Folge, dass die Lebenshilfe Verbindlichkeiten in Höhe von 900000 Euro bedienen muss. Würde das Haus verkauft, dann müsste die Lebenshilfe diese Summe abschreiben.

Lebenshilfe-Geschäftsführer Stefan Pauls weiß, dass er sich in einer Zwickmühle befindet. Die Werkstätten in Cronenberg müssen saniert werden. Wenn die 900000 Euro Schulden abgeschrieben werden, ist das für den Verein ein herber Schlag. Aus eigener Kraft, das räumt er im Gespräch mit der WZ ein, kann die Lebenshilfe das Haus nicht kaufen.

Pauls fordert daher von der Stadt, sich darauf zu besinnen, dass es eben nicht immer nur ums Geld geht. "Rettet das den Haushalt?", fragt der Theologe und Betriebswirt und macht klar, dass das Behindertenhotel auf Norderney für die schwächsten Menschen in der Gesellschaft oft die einzige Möglichkeit ist, einmal Urlaub zu machen.

Wenn das Haus verkauft wird, dann wird es dort wohl bald Eigentumswohnungen für Menschen geben, die sehr viel Geld haben. "Das ist eine Katastrophe", sagt Pauls