Leben im Denkmal (25): Ein wahrer Wohntraum auf der Kaiserhöhe

Leben im Denkmal (25): Ein wahrer Wohntraum auf der Kaiserhöhe

Familie Stahl wohnt im Haus Höhe. In der Villa gibt es heute zehn Eigentumswohnungen.

Nützenberg. Ludwig Adolf Simon scheint ein Glückspilz gewesen zu sein. Damals, anno 1910. Schließlich war er Teilhaber der Seidenfabrik Jung & Simons, verheiratet mit Carolina Elisabeth Bayer, einer Tochter des berühmten Friedrich Bayer — und dann gewann der 34-Jährige auch noch im Lotto. Eine Million Goldmark. Umgerechnet in Euro heute etwa das Fünffache. Viel Geld, aber offenbar nicht genug für das pompöse Bauprojekt, das Simon sodann in Angriff nahm: Das Haus Höhe auf der Kaiserhöhe. „Irgendwie hatte das was vom Kölner Dom — es wurde nie richtig fertig“, sagt Claus Stahl und schmunzelt.

Foto: Uwe Schinkel

Mit seiner Frau Nazan (40) und den Kindern Sezen (5) und Maximilian (2) wohnt der 46-Jährige in einer der zehn belegten Wohnungen in der riesigen, zweigeschossigen Villa, gelegen in einem Park, in dem natürlich auch ein pittoresker Pavillon nicht fehlen darf. „Ursprünglich umfasste das gesamte Grundstück einmal 60 000 Quadratmeter“, erklärt Stahl. Simon hatte den Bau eigentlich für eine Familie konzipiert. „Diesen Zweck hat er aber nie erfüllt. Gewohnt haben hier immer schon mehrere Parteien“, weiß Stahl, der als Vermögensverwalter arbeitet und sich mit der Historie beschäftigt hat. Die Villa, so seine Vermutung, war schlichtweg zu groß, um sie allein zu unterhalten.

Auch Simon hatte sich offenbar übernommen. 1912 zog seine Familie nämlich nicht in die Villa, sondern in das eigentliche „Kutscherhaus“, einen Steinwurf unterhalb des geplanten Prunkbaus, der damals im Rohzustand in einen Dornröschenschlaf versank. 1921, so Stahl, erweckte dann Kurt Frowein das Haus Höhe wieder zum Leben. Nach den Plänen des Architekten Carl Conradi wurde der Bau schließlich bis 1924 vollendet. „In spätklassizistischem Stil, der damals eigentlich schon aus der Mode war“, sagt Stahl. „Deshalb sieht das Haus auch älter aus, als es ist.“

Der neue Hausherr Frowein gab sich bescheidener und begnügte sich dann auch mit dem parkseitigen Flügel als Wohnstätte. Der Rest der Villa wurde in den 1930er Jahren in Wohnungen aufgeteilt.

Seit 2008 hat nun Familie Stahl dort auf 145 Quadratmetern ihre Heimat gefunden. Vor allem der Park sei ein Traum, „gerade im Mai, Juni, wenn alles blüht“. Zwar hat die Familie keinen eigenen Gartenanteil. „Aber man macht einfach die Tür auf und ist praktisch auf der Kaiserhöhe“, sagt Stahl beim Blick vom Balkon aus.

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