1. NRW
  2. Wuppertal

Langerfeldtrasse: Verpasst Wuppertal eine historische Chance?

Radwegeplanung : Hickhack um die Langerfeldtrasse: Stadt muss Chance und Risiko abwägen

Die Stadt weicht nicht von ihrer Linie ab: Kein Risiko eingehen. Dabei läuft bekanntlich bereits das Planfeststellungsverfahren der Deutschen Bahn für die Sanierung des Bahntunnels.

Verpasst die Stadt bei der Langerfeldtrasse eine „historische Chance“? Das befürchten Bezirksbürgermeister Eberhard Hasenclever und Dajana Meier vom Verein Neue Ufer. Die Zeit dränge. Aber der Bericht der Verwaltung, der am 16. Juni in der Bezirksvertretung behandelt werden wird, dürfte den beiden kaum gefallen. Denn die Stadt weicht nicht von ihrer Linie ab: Kein Risiko eingehen. Dabei läuft bekanntlich bereits das Planfeststellungsverfahren der Deutschen Bahn für die Sanierung des Bahntunnels. Und ab Ende des Jahres könnte eine Umplanung teuer werden, wie aus dem Bericht hervorgeht.

Die Stadt hofft jetzt auf Gespräche mit dem Landesumwelt- und -verkehrsministerium. Der Wunsch: Eine „belastbare Zusage zur Förderung des Projektes aus Landesmitteln“ zu bekommen. Ohne die, das wird aus dem Bericht ziemlich deutlich, wird von Seiten der Stadt nichts passieren. Ein offizieller Antrag auf Förderung könnte frühestens 2021 eingereicht werden. Dann wäre aber, befürchten Meier und Hasenclever, der Zug möglicherweise abgefahren. Zwar gab es immer wieder Signale aus den Ministerien und auch vom Bund, dass das Projekt grundsätzlich förderwürdig sei. Sozusagen eine Vorab-Zusage zu bekommen, daran glaubt Meier kaum.

Die Stadt hingegen setzt auf den zwischen Land, Deutscher Umwelthilfe und Stadt vor dem Oberverwaltungsgericht Münster geschlossenen Vergleich zur Luftreinhaltung aus diesem Jahr. Darin heißt es, dass die drei Beteiligten anstreben, „den Langerfeldtunnel für den Radverkehr zu öffnen. Das Umweltministerium des Landes wird sich gegenüber dem Verkehrsministerium des Landes für eine dahingehende Förderung verwenden“. Meier bleibt skeptisch und sieht das Verhalten der Stadt als „Schattenboxen“.

Knackpunkt des Projektes: Der Eisenbahntunnel Leibusch. Dessen dritte Röhre wäre wesentlicher Bestandteil des Trassenprojektes. Durch ihn würde der gut ein Kilometer lange Weg vom Ende der Schwarzbachtrasse an der Grundstraße bis zur Öhder Straße an der Wupper deutlich vereinfacht, würden den Radfahrern sowohl Steigungen als auch viel Straßenverkehr erspart bleiben.

Tunnelröhre als Knackpunkt: Bahn plant aktuell mit Verfüllung

Der Haken: Die Bahn wollte mit dem Abraum aus den beiden anderen Röhren, die für die S 7 von Oberbarmen nach Remscheid weiter in Betrieb sind und nun ausgebaut und zusammengelegt werden sollen, die dritte Röhre verfüllen. In Gesprächen mit der Stadt und dem Verein Neue Ufer hatte sich die Bahn aber kooperativ gezeigt und eine Alternative überlegt. Der Abraum würde stattdessen für eine nötige Rampe von der Spitzenstraße zum Tunnel und auf der anderen Seite für die Unterfütterung des Wegs zur Öhder Straße hin verwendet.

Das würde auch die Kosten für die Trasse senken. Statt drei bis vier Millionen Euro, die mal im Raum standen, wären es dank der fertigen Rampe nur noch 1,5 Millionen, rechnet Hasenclever vor.

Allerdings: Damit das passiert, hätte die Stadt den Tunnel bzw. die Röhre und damit die Verkehrssicherungspflicht frühzeitig übernehmen müssen. Diese Zusage wollte und will die Stadt allerdings nicht geben - die Bahn startete das Planfeststellungsverfahren mit verfülltem Tunnel. Vor allem Kämmerer Johannes Slawig warnte ob der nicht abzusehenden Unterhaltskosten für einen Tunnel, den - falls es mit der Förderung nicht klappt - die Stadt dauerhaft am Bein hätte.

Die Unterhaltskosten will die Stadt jetzt zumindest berechnen lassen. Ob sie diese dann aber auch übernehmen würde, ist noch offen. Ebenso was passiert, wenn die Vorab-Zusage des Landes nicht erfolgt. Meier ist sauer: „Wir haben mit der Bahn alle Voraussetzungen geschaffen.“