Langer Tisch in Wuppertal war tolles Sommerfest

Stadtjubiläum : Langer Tisch in Wuppertal war tolles Sommerfest

200 000 Wuppertaler waren unterwegs, um den 90. Geburtstag der Stadt zu feiern.

90 Jahre Wuppertal – bunter, vielseitiger und ausgelassener hätte die Stadt diesen Anlass nicht feiern können. Bei mehr als 30 Grad bis spät in die Nacht wurde der Lange Tisch zwischen dem Campus Haspel und dem Opernhaus zu einer Sommerparty, bei der die ganze Stadt auf den Beinen war. Die Organisatoren von Wuppertal Marketing gehen von 200 000 Menschen auf der Festmeile aus. „Das ist eine tolle Sommerstimmung hier, ich bin begeistert“, sagte Stadtdirektor Johannes Slawig auf der Festmeile. Und auch Stadtmarketingchef Martin Bang konnte am späten Abend ein glückliches Fazit abgeben: „Wenn ich eine Wunschliste hätte abgeben können, wäre alles genau so eingetreten. Nun ja, vielleicht hätte es fünf Grad kälter sein dürfen.“

Die Hitze hatte dafür gesorgt, dass sich die B7 besonders in der Abenddämmerung noch einmal spürbar füllte. Beliebt waren neben den bekannten Durstlöschern an den rund 200 Ständen auch die Station der Feuerwehr, weil hier immer mal die Gelegenheit bestand, einen Wasserstrahl mit dem Kopf abzufangen

Die Meile der Bürgervereine zwischen Heinz-Kluncker-Straße und Völklinger Straße mit den historischen Häusern und den alten Bäumen war ein beliebter Anlaufpunkt — auch wegen des Schattens. Die Bürgervereine freuten sich über ihren Platz. Bezirksbürgermeister Hans-Hermann Lücke (CDU) freute sich des Zuspruchs und betonte, Barmen sei eben „der schönste Teil der Stadt“. Maja Luhn, zweite Vorsitzende des Küllenhahner Bürgervereins, sagte diplomatisch, dass sie zumindest für diesen Teil zustimme. Margret Hahn vom Langerfelder Bürgerverein sagte, es sei „sehr ruhig und gemütlich“, aber „sehr kommunikativ“. An vielen Ständen schwärmten die Vereine und Organisationen davon, mit wie vielen Menschen sie ins Gespräch gekommen sind. Mit Menschen, die sich sonst vielleicht selten treffen.

Die Bürgervereine standen im Schatten der alten Bäume

Magdalena Kowalska und ihre Kolleginnen von der Tanzgruppe, deren Namen auf Deutsch „polnische Blumen Wuppertal“ bedeutet. Die Damen hatten es sich nicht nehmen lassen, am Engelsgarten in traditioneller polnischer Trachtenkleidung – die die Träger auch bei zwanzig Grad weniger warm gehalten hätte – eine „Poloneze“ aufzuführen.

Ja, Wuppertal hat eine polnische Tanzgruppe, eine Dudelsack-Band, einen kurdischen Frauen-Verein, philippinische Köche, einen humanistischen Verband und und und. Vor allem weiß die Stadt nun viel mehr, was sie hat. Beim Schlendern über den Langen Tisch wurde diese enorme Vielfalt sichtbar: Hier lagen jeweils nur ein paar Schritte zwischen Karnevals- und Kulturverein, Fassbier und Prosecco mit Erdbeere, Schlager-Disco und Kurrende sowie dem Vorwerk-Stand und dem privaten Geburtstag. Organisator Martin Bang war begeistert: „Das ist ja so klasse, weil es nicht choreografiert ist.“ Auch wenn Kritiker bemängelten, dass es eben nicht mehr der „Lange Tisch“ der Anwohner sei, sondern vielfach nur noch aus IGs und e.V.s bestehe.

Den einzigen vom Stadtmarketing angestoßenen Punkt stellte die WSW-Aktion „Stadtleuchten“ dar. Mit etwas Verspätung ließ Lichtkünstler Gregor Eisenmann die Architektur von Haspelhäusern, Unigebäude und Opernhaus mit Projektionen lebendig werden. Plötzlich malte eine Hand auf die Gebäude und tausende bunte Sterne tanzten auf der Fassade.

Für WSV-Legende Günter Pröpper war der Lange Tisch ein Superfest, bei dem jeder Wuppertal dabei gewesen sein sollte. Er hatte sich den Termin extra freigehalten.

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