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Land durchkreuzt Pläne für eine sechste Gesamtschule

Land durchkreuzt Pläne für eine sechste Gesamtschule

Eine sechste Gesamtschule mit Ganztagsbetrieb wird es in Wuppertal nicht geben. Das hat das Land unmissverständlich klar gemacht.

Wuppertal. "Da haben wir einen Dissens." Der Kommentar von Oberbürgermeister Peter Jung (CDU) fiel denkbar knapp aus, als ihm beim Schulleitertreffen der Staatssekretär im Ministerium für Schule und Weiterbildung, Günter Winands (CDU), gegenübersaß und gelassen ausführte, dass Wuppertals Pläne für eine neue Gesamtschule mit ihm "so auf absehbare Zeit" nicht zu machen seien.

Eine Gesamtschule im Ganztagsbetrieb komme schon gar nicht in Frage. Da setze das Land zurzeit andere Prioritäten. Die schwarz-gelbe Landesregierung will die Betreuungsangebote im dreigliedrigen Schulsystem ausbauen, also das vorhandene Geld vor allem in Gymnasien und Realschulen investieren.

So soll jede NRW-Stadt zwei zusätzliche Ganztags-Gymnasien einrichten können. Außerdem ist geplant, den Halbtags-Einrichtungen mit Blick auf das verkürzte Abitur bis zu 30000 Euro für eine pädagogische Übermittagsbetreuung zur Verfügung zu stellen.

"Ganztags-Gesamtschulen werden nicht gefördert", sagte Winands unmissverständlich. Genau die aber planen CDU und SPD in Wuppertal. Einen entsprechenden Ratsbeschluss haben sie bereits durchgesetzt, nun prüft die Stadt Standorte und Konzepte.

Ohne das Land kann der Schulträger Stadt nicht viel ausrichten, weil Schule auch Landessache ist, die Stadt zwar für die Gebäude, das Land aber für das entsprechende Lehrpersonal zu sorgen hat. Auch bei einer Ersatzschule, also einer Gesamtschule in nicht-städtischer Trägerschaft, müsste das Land laut Winands den Ganztag finanzieren. Also wäre auch das keine Lösung.

"Ohne Ganztag macht eine zusätzliche Gesamtschule keinen Sinn", gab Jung dem Staatssekretär zurück und sprach bereits über Alternativen. "Sollte sich das Land nicht bewegen, müssen wir neu nachdenken - auch über die Zügigkeit der bestehenden Gesamtschulen."

Der amtierende Schuldezernent Stefan Kühn (SPD) zeigte sich überrascht über die kalte Abfuhr des Staatssekretärs. Die Schulaufsicht der Bezirksregierung habe, so Kühn, bereits signalisiert, dass es sich bei der Einrichtung einer weiteren Gesamtschule um eine Aufgabe des Schulträgers, also der Stadt handele.

Kühn verweist deshalb unbeirrt auf die Beschlusslage des Rates. "Wir arbeiten unseren Prüfauftrag ab, dann sehen wir weiter." Mit einem Ergebnis rechnet Kühn ohnehin nicht vor Anfang kommenden Jahres.

Bis dahin müsste das Land entsprechende Ansinnen aus anderen Städten beantwortet haben. Außer Wuppertal setzt eine Reihe weiterer Kommunen auf den Ausbau des Gesamtschul-Angebots, darunter Leverkusen und Solingen.

Die Mehrheitsfraktionen in Wuppertal wollen mit ihrer Entscheidung für eine zusätzliche Gesamtschule dem Elternwillen Rechnung tragen. Jedes Jahr müssen an Wuppertaler Gesamtschulen rund 500 Schüler abgewiesen werden.