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Lahnstraße Wuppertal: Im Oktober sollen die ersten Studenten einziehen

Bergische Universität : Lahnstraße: Im Oktober sollen die ersten Studenten einziehen

Der Kölner Investor Prime Value schafft in der ehemaligen Zweigstelle des Finanzamtes Platz für insgesamt 224 Studenten. Der letzte Bauabschnitt soll zum Sommersemester 2021 abgeschlossen werden.

Es herrscht Betrieb auf der Baustelle. Der Umbau der ehemaligen Zweigstelle des Finanzamtes an der Lahnstraße läuft auf Hochtouren. Anfang Oktober sollen dort die ersten Studenten einziehen. Da bleibt noch einiges an Arbeit, dürften Außenstehende denken. Julian Weber, Geschäftsführer von Prime Invest, ist aber optimistisch: „Wir kommen gut voran.“ Zum Start des Wintersemesters, das als Hybridsemester, also eine Kombination aus digitalen sowie Lehrveranstaltungen vor Ort geplant ist, soll „Flow“, wie der Kölner Projektentwickler sein Studentenwohnheim nennt, bezugsfertig sein. Zumindest die Bauteile 1 und 3. Platz für gut 110 Studenten gebe es dort. Mit Bauteil 2, das zum Sommersemester 2021 abgeschlossen werden soll, werden es 224 Plätze.

Es ist ein Millionenprojekt. Wie viel genau Prime Invest investiert, möchte Weber nicht öffentlich machen. Es ist das erste Projekt für die Kölner in Wuppertal. Der Geschäftsführer kennt die Stadt allerdings noch von einem früheren Job her – und ist voll des Lobes. Wuppertal habe Potenzial. Das locke Investoren an. Zudem unterstütze die Verwaltung bei Projekten. Im Rathaus werde „sehr lösungsorientiert gearbeitet“. In anderen Städten dauere es mitunter länger.

In der Domstadt hat Prime Invest bereits eine ähnliche Immobilie entwickelt, in Bonn auch ein Studentenwohnheim. „Wir haben Erfahrungswerte“, betont Weber. Trotzdem ging man auf Nummer sicher, habe vorher den Wuppertaler Markt analysieren lassen. Der Bedarf an Studentenwohnungen sei enorm.

Beim Rundgang über die Baustelle brauchen Besucher noch ein bisschen Vorstellungskraft. Die Gesamtnutzfläche liegt bei 5500 Quadratmetern, die durchschnittliche Fläche pro Wohnplatz bei etwa 24 Quadratmetern. Insgesamt 80 Wohneinheiten sind vorgesehen: 33 Zweier-, 30 Dreier- und 17 Vierer-WGs. Die drei Häuser, zum Teil Neubauten, zum Teil Umbauten der ehemals städtischen Immobilie, gruppieren sich um einen begrünten Innenhof. Es gibt Gemeinschaftsräume, Lernräume, Urban Gardening und Dachterrassen. „Mit tollem Ausblick über die gesamte Stadt und mit Blick auf die Uni“, sagt Weber. Das möge er vor allem. „Die Topographie hat was und macht die Stadt unverwechselbar.“

Die Preise beinhalten alle Nebenkosten

Die angepeilte Miete liegt im Schnitt bei 485 Euro pro Platz, es wird eine Preisdifferenzierung zwischen Zweier-, Dreier- und Vierer-WGs geben. Das mag für den einen oder anderen hoch erscheinen, sei aber „all inclusive“, sagt Weber, also inklusive aller Nebenkosten, Möblierung, Komplettausstattung der Küchen, eigener Mieterapp, Reinigungsservice und Highspeed-Internet. „Dabei ist das Internet in studentisch genutzten Objekten aus der Erfahrung heraus so wichtig wie fließend Wasser.“

Die städtische Wirtschaftsförderung hatte auf ihrer Investoren-Tour „Wuppertal Inside“ 2019 an der Lahnstraße Station gemacht und das Vorhaben gelobt. Auch das Hochschulsozialwerk (HSW) begrüße grundsätzlich private Projekte für Studentenwohnungen, sagt Geschäftsführer Fritz Berger. Das HSW alleine könne mit seinen gut 1230 Wohnplätzen den Bedarf nicht decken, auch wenn Ende August die nächsten Wohnheime eingeweiht werden.

Dass „Flow“ schon im Wintersemester an den Start gehen will, sei vielleicht ambitioniert, sagt Berger, der sich selbst noch einmal vor Ort umsah. „Aber ich würde mich freuen, wenn es klappt.“ Der Bedarf an Wohnungen sei auf jeden Fall gegeben. Ob auch für eher hochpreisige werde sich zeigen. Die HSW-Plätze liegen bei den Mieten unter „Flow“. Es gebe aber auch andere Fördermöglichkeiten, so Berger. Für den Standort Lahnstraße spreche natürlich die Nähe zum Campus Grifflenberg.

Ein Thema, das im Zusammenhang mit dem Projekt der Kölner immer wieder aufkam, war die Parksituation rund um das ehemalige Finanzamt. Der Parkdruck, so die Sorge bei einigen Anwohnern, werde sich verschärfen. „Der ist ja jetzt schon hoch“, sagt ein Nachbar beim WZ-Besuch. Aktuell trage natürlich auch die Baustelle dazu bei. 27 Stellplätze für Autos wird es in einer Tiefgarage geben, kündigt Weber an. Das klingt bei potenziell mehr als 200 neuen Bewohnern erst einmal nach nicht besonders viel. Ursprünglich waren sogar noch weniger geplant. Weber geht aber davon aus, dass man mit der jetzigen Zahl gut hinkomme, auch angesichts der guten ÖPNV-Anbindung. Und dann wären da ja auch noch 170 Fahrradstellplätze. Zudem sei man mit einem Anbieter von Miet-E-Bikes in Gesprächen. Alternative für diejenigen, die die Bergauf-Strecke – die Uni auf dem Berg ist schön vom Wohnheim aus zu sehen – abschreckt. Dass die Zahl der Studenten, die aufs Rad steigt, wächst, bestätigt Fritz Berger. Dass ein Wohnheim für eine Verschärfung der Parksituation sorge, sei eher unbegründet, ist er überzeugt.

Das Projekt wird mit Bundesmitteln aus dem Programm „Zukunft Bau“ für Variowohnen gefördert.