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Lässt die Bundesregierung das Wuppertaler Modell platzen?

Mobilität : Das Wasserstoff-Projekt der AWG steht auf der Kippe

Die Zukunft der Wasserstoff-Tankstelle an der Müllverbrennnung auf Korzert ist fraglich.

Aus den Abfällen der Wuppertaler Bürger wird im AWG-Müllheizkraft nicht nur Strom und Fernwärme erzeugt, sondern seit Sommer 2020 wird bei der Verbrennung anfallende Energie zur Produktion von Wasserstoff verwendet. Wasserstoff, mit dem Busse der Wuppertaler Stadtwerke angetrieben werden. Die Wuppertaler Stadtwerke haben zurzeit zehn Brennstoffzellenbusse im Einsatz, zehn weitere sollen in diesem Jahr folgen.

Die Wasserstofferzeugung erfolgt durch Elektrolyse auf Korzert, wo die Busse auch betankt werden, bevor sie nahezu emmissionsfrei im Öffentlichen Nahverkehr eingesetzt werden. Dieses Wuppertaler Modell hat für großes Aufsehen gesorgt, zwei Drittel aller Anlagenbetreiber in Deutschland beschäftigen sich konkret mit vergleichbaren Plänen.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Manfred Todtenhausen zeigt sich besorgt um die Zukunft des Wuppertaler Modells. Anlass der Sorge ist das geplante Gesetz zur Weiterentwicklung der Treibhausgasminderungs-Quote. Mit dem Gesetz sollen die Emissionen von Treibhausgasen im Verkehr reduziert werden. „Die Bundesregierung und allen voran Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) wollen in Müllheizkraftwerken produzierten Wasserstoff nicht mehr als emissionsarm anerkennen. Das würde das Ende des Wuppertaler Wasserstoffprojekts bedeuten und die WSW müssten andere Technologien suchen, um ihre Treibhausgasemissionen zu reduzieren.“ Bei Bussen und anderen Nutzfahrzeugen sei man sich aber einig, dass Wasserstoff die beste Lösung ist. Diese Erkenntnis setze die Bundesregierung in ihrem Gesetzesvorhaben nicht um.

Todtenhausen hofft, dass Union und SPD in der weiteren Beratung der Bundesregierung widersprechen und dem Vorschlag des Bundesrates folgen, der dazu aufgefordert hat, den in Müllverbrennungsanlagen produzierten Wasserstoff auch zukünftig als emissionsarm anzuerkennen.

AWG-Geschäftsführer Conrad Tschersich erwartet die Entscheidung innerhalb von zwei Wochen. „Im Moment bin ich verhalten optimistisch, dass wir das Projekt wie geplant ausbauen können“, so Tschersich. Sollte die Entscheidung negativ für die AWG ausfallen, verliere das Projekt seinen Modellcharakter. „Der besondere Reiz liegt ja darin, dass wir den Müll vielfältig für Strom, Wärme und Wasserstoff verwerten und keine Plantagen anlegen, um Biomasse zu produzieren, mit der dann Wasserstoff für die Brennzellen hergestellt wird.“ Der Clou: Wenn der erste Müllwagen in Wuppertal unterwegs ist, der mit Wasserstoff angetrieben wird, tankt der Wagen Energie aus der Verbrennung von Müll, der in einem Wasserstoff-Müllwagen angeliefert worden ist. ab