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Kurzarbeitergeld kommt verspätet bei Betrieben im Bergischen Land an

Corona-Pandemie : Kurzarbeitergeld kommt verspätet bei Betrieben an

Agentur für Arbeit räumt Engpässe ein. Derzeit würden viele Anträge verlängert, neue Bedarfsanzeigen kämen hinzu.

Die Bundesagentur für Arbeit hat derzeit Schwierigkeiten mit der Auszahlung des Kurzarbeitergelds an Firmen. So wunderte sich zum Beispiel jüngst ein Solinger Getränkehändler, der pünktlich den Kurzarbeiterlohn an seine Angestellten ausgezahlt hatte. Doch die Erstattung der fälligen Summe für den August hatte er nicht zeitnah erhalten. Zugleich berichtete er von anderen Betrieben, denen es ähnlich erging.

Das Prinzip: Unternehmer gehen für das Kurzarbeitergeld in Vorkasse und rechnen es anschließend mit der Bundesagentur für Arbeit ab. So merken die Angestellten die Verzögerung nicht auf dem Konto.

Zuständig für die Solinger Betriebe ist die Bundesagentur für Arbeit Solingen-Wuppertal in der Nachbarstadt. Die Sprecherin der Behörde, Kerstin Dette, räumt die Schwierigkeiten ein: „Aktuell kommt es zu Verzögerungen, auch im Hinblick auf die für August gestellten Kurzarbeiteranträge.“

Auszahlungsverzug trifft alle Betriebsgrößen in Solingen

Das habe verschiedene Gründe. Es gebe ein erhöhtes Aufkommen an Anträgen, aber vor allem auch an neuen und erneuten Anzeigen. Denn im März hätten viele Betriebe die Einführung der Kurzarbeit nur für sechs Monate beantragt – viele verlängerten dies nun. Diese Fortsetzungsanzeige müsse „prioritär bearbeitet werden, um eine Auszahlung vornehmen zu können“.

Die Verzögerung treffe alle Betriebsgrößen. „Es wird nicht nach groß und klein unterschieden. Die Kollegen sind extrem bemüht, die Augustanträge abzuarbeiten, und kommen gut voran“, erklärt die Pressesprecherin.

Die Auszahlung verzögere sich auch aus einem anderen Grund: Denn die Bundesagentur für Arbeit müsse aktuell viele Unterlagen nachfordern, was die Bearbeitungszeit beeinträchtige. Im Schnitt könne jede zweite Anzeige nicht mehr ohne Rückfrage beim Arbeitgeber abschließend erfolgen. „Sowohl neue Kurzarbeitergeld-Betriebe als auch Betriebe, die seit März Kurzarbeitergeld bekommen, sind hier unvollständiger unterwegs“, sagt Dette.

Gleichzeitig dreht sich auch das Personalkarussell in der Agentur in Wuppertal. Punktuell würden Unterstützer ausgetauscht, wenn deren Arbeit in anderen bedeutsamen Bereichen notwendig sei. Die Zahl der Unterstützer bleibe allerdings konstant. Aufgrund der aktuellen Belastungsspitze würden zusätzliche Mitarbeiter vorübergehend eingesetzt. Diese Wechsel hätten aber nicht zur schlechteren Bearbeitung in Summe geführt. Neue Kollegen würden in einem standardisierten Prozess geschult und kämen gut in die Bearbeitung rein.

Die Gefahr einer dauerhaften Verzögerung verneint Kerstin Dette: „Wir gehen davon aus, dass nach Abarbeitung der Bearbeitungsrückstände wieder die gewohnt pünktliche Auszahlung erfolgen wird. Allein in dieser Woche konnten rund 4000 Anträge und Anzeigen bearbeitet werden und die durchschnittliche Bearbeitungsdauer ist deutlich gesunken.“