Kurt Keil fotografierte die 1001. Herz-OP am Klinkum Barmen.

Geschichte : Die OP mit Skalpell, Eis und Kamera

Kurt Keil fotografierte 1992 die 1001. Herzoperation am Klinikum Barmen. Zeitweise wurde er dabei etwas blass.

Am 25. März 1992 bekam WZ-Fotograf Kurt Keil von der Redaktion einen ganz besonderen Anruf. Er bekam den Auftrag, die 1001. Herz-Operation im Klinikum Barmen zu fotografieren. „Kurt, schaffste das?“, sei er damals gefragt worden. Mit mulmigem Gefühl sagte er zu und fand sich bereits um 9 Uhr im Klinikum ein. Zum Auftakt wurde er vor Ort steril gemacht und mit Operationskleidung ausgestattet. „Verkleidet wie der Chefarzt selber“, berichtet Kurt Keil. Vorsichtshalber wurde Keil eine Krankenschwester zur Verfügung gestellt, die die Aufgabe hatte, den Fotografen sofort aus dem Operationssaal zu begleiten, wenn ihm schlecht werden sollte.

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Um 10.45 Uhr lag ein 55-jähriger Mann, der einen dreifachen Bypass bekommen sollte, im Operationssaal sechs für den Eingriff bereit. Der Brustkorb war bereits weit geöffnet, das Herz schlug noch normal. Um 11.17 Uhr, so berichtete die WZ damals, klemmte dann der Oberarzt Dr. Hans-Joachim Reifschneider die Aorta ab. Die 200 000 Mark teure Herz-Lungenmaschine übernahm die Arbeit des Herzens. Mit einer Akupunkturnadel und einem kleinen Kübel Eis brachte der Arzt das Herz zum Stillstand.

Als der Eingriff startete, sei Keil nur „feierlich“ geworden, wenn er mit bloßem Auge hinsah. „Wenn ich mir die Operation durch den Kamerasucher anschaute, hatte ich kein Problem“, so der Fotograf. Besonders schlimm sei aber der Geruch beim Öffnen des Brustkorbs gewesen.

Wie die WZ damals berichtete herrschte große Routine, keine hektische Betriebsamkeit. Die Assistentin reichte wortlos Messer, Spritzen, Nadeln. Im Hintergrund lief leise Popmusik. 

Gegen 12 Uhr wurde die Aorta wieder geöffnet. Alles bestens gelaufen, das Blut floss wieder. Nach der Operation blieb der Patient noch für ein bis zwei Tage auf der Intensivstation. Und für den bleichen Kurt Keil ging es in die Readktion zum Entwickeln der Fotos.

Noch immer ist das heutige Helios-Universitätsklinikum eine Anlaufstelle für Herzpatienten. 1300 Menschen mit Herzproblemen werden vom Chirurgen behandelt (Stand 2015). Aber: Die Patienten landen längst nicht alle auf dem Operationstisch. Helios-Sprecher Tobias Pott berichtet: „Vor 30 Jahren war es nach einem Herzinfarkt Usus, dass ein Bypass gesetzt wurde. Das war eine Operation.“ Heute behandele diese Fälle in der Regel der Kardiologe, der mit geringerem Aufwand einfach einen Stent setzen kann.

Gleichzeitig habe sich aber auch das Herzzentrum weiterentwickelt. So haben sich seit der 1001. Herzoperation 1992 neue Fachrichtungen im Barmer Klinikum ausgebildet. So gibt es nun die Rhythmologie, die sich unter anderem mit Herz-Rhythmus-Störungen befasst.

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