Kurt Keil erinnert sich an an die legendären Wuppertaler Tornax-Räder

Bilder erzählen Stadtgeschichte : Wo einst die legendären Tornax-Motorräder entstanden

Bilder erzählen Stadtgeschichte: Kurt Keil erinnert sich an die Zweiräder aus dem Bergischen Land.

Ob den Anrainern der Schwelmer Straße in Langerfeld klar ist, welch historischen Grund sie bewohnen? Ob sie vielleicht manchmal von nostalgisch knatternden Motorrädern aus einer anderen Zeit träumen?

Falls ja, könnte es daran liegen, dass die legendären Tornax-Maschinen dort einst gebaut wurden. Schön, schnittig und ausgestattet mit liebevollen Details, sind sie aus heutiger Sicht vergnüglich röhrende Möhrchen, eingehüllt vom Duft eines zeitgemäßen Benzin-Hustens.

Etliche Exemplare gibt es auch heute noch, aufwändig gepflegt und auf Oldtimer-Treffen präsentiert. An viele solcher Schönheitswettbewerbe kann sich Kurt Keil gut erinnern. Der langjährige WZ-Fotograf hielt unzählige blitzend-polierte Motorräder fest. „Ich kannte natürlich alle Modelle, die damals auf dem Markt waren“, sagt er, „selbstverständlich auch die Tornax-Maschinen. Aber mir war nicht bewusst, dass sie nur einen Steinwurf entfernt gebaut wurden.“

Kurt Keil wohnte bis in die frühen 1960er Jahre mit seinen Eltern nämlich noch im benachbarten Hattingen und hatte ein NSU-Moped. „Ich hätte auch gern was Größeres gehabt, aber meine Eltern haben gemeint, das sei zu gefährlich“, sagt er und lacht: „Also bekam ich mit 18 einen Opel Rekord. Den hab ich natürlich auch genommen.“

Tornax: Die Anfänge des Traditionsunternehmens reichen zurück ins Jahr 1925, Firmengründer Ernst Wewer begeisterte sich damals schon für Motorsport, und schnell nahmen erste Modelle sogar an Wettbewerben teil.  Nicht nur den Wuppertalern gefielen die  Produkte aus bergischer Fertigung,  Tornaxräder wurde auch auf internationalen Automobil- und Motorradausstellungen, so zum Beispiel in Berlin, einer größeren Öffentlichkeit vorgeführt. Mit dem Ergebnis steigender Absatzzahlen.

Ob NSU, BMW, DKW oder die legendäre Tornax aus Langerfelder Produktion – es war eine Zeit besonderer Design-Vielfalt. Mehr als 500 Hersteller soll es in den 1920er Jahren gegeben haben. Die meisten von ihnen haben die Jahrzehnte nicht überdauert, und auch die Tornax-Räder kann man heute fast nur noch bei Fan-Veranstaltungen bewundern.

Im Spätsommer 2003 wurde schließlich auch den letzten steinernen Zeitzeugen der Fahrzeugproduktion der Garaus gemacht - und das alte Fabrikgebäude abgerissen. Geplant waren Wohnungen auf Flächen zwischen Schwelmer-, Stefan-George- und Flexstraße.

Etwas mehr als ein Jahr später standen die ersten Häuser, und eine neue Straße durchzieht seither das Wohngebiet. Zwar heißt sie nicht Tornax-Weg, sondern Droste-Hülshoff-Straße. Doch die Erinnerungen an das Gelände werden auch ohne die Schilder wach bleiben.

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