Kurse am Mülleimer: So geht der Umgang mit Hausmüll

Kurse am Mülleimer: So geht der Umgang mit Hausmüll

GWG und AWG schulen ihre Mieter.

Wuppertal. „Manchmal flog der Müll auch einfach aus dem Fenster“, sagt Wilfried Moll von der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft (GWG). Zusammen mit der Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG) entstand unter anderem aus diesen Vorfällen vor fünf Jahren ein Projekt, um Bewohner von größeren Wohnsiedlungen für das Thema Müll zu sensibilisieren.

„Man wohnt hier einfach anonymer. Hier findet keine soziale Kontrolle statt, wie in kleineren Mietshäusern“, sagt Moll. Und so verdreckten die Müllsammelplätze, von Mülltrennung war kaum zu reden. Die Folge: Zusätzliche Volumen für Restmüll-Behälter waren nötig — und das ging ordentlich ins Geld.

So zum Beispiel an der Greifswalder Straße, wo die Initiatoren jetzt die Erfolge ihrer Arbeit präsentierten. In neun Siedlungen mit insgesamt 1 600 Bewohnern konnten in den vergangenen Jahren um die 300 000 Euro an Müllgebühren eingespart werden.

Allerdings nicht, indem die AWG den Müll für die Bewohner sortierte. Durch „Kleinigkeiten“ sollten die Menschen empfindlicher für das Thema werden. Zu Anfang wurden Flugblätter verteilt, auf denen in zehn Sprachen die verschiedenen Wertstoffcontainer erklärt wurden. Es gab „Kurse am Mülleimer“, wie Moll sagt, und es wurden Entsorgungsbetreuer bereit gestellt.

Man machte sich aber auch um die Struktur der Sammelplätze Gedanken: „Wir haben die Container anders sortiert. Manche Leute wollen ihren Müll einfach schnell loswerden und werfen ihn in die erstbeste Tonne. Also haben wir die Restmüllcontainer nach vorne gestellt“, sagt Martin Bickenbach von der AWG. So landete zumindest kein Restmüll mehr in den Wertstofftonnen. Nur bei gröberen Fehlern, wie dem Stuhl im Restmüll oder dem Pappkarton auf dem Boden fassen Abfallberater wie Patrik Schnell noch mal mit an. „Wir suchen dann aber auch nach den Verursachern“, sagt er.

Dass die „Müllboxen“ sauber sind, ist wichtig, denn: Legt der erste seinen Müll daneben, kümmert sich der nächste auch nicht um Sauberkeit und wirft seinen Müll womöglich dazu. Diese Kettenreaktion gilt es zu unterbrechen. Und so fahren immer noch bis zu vier Müllberater durch die Siedlungen und kontrollieren die Sammelplätze.

Das Engagement hat sich für alle Beteiligten gelohnt. Alle zusätzlichen Restmüllvolumen konnten wieder abgeschafft werden — und das merken die Mieter nicht zuletzt auch auf der jährlichen Nebenkostenabrechnung unter dem Posten „Abfallgebühren“.

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