Kurrende stimmt auf den Advent ein

Kurrende stimmt auf den Advent ein

Beim ersten von drei Quempas-Konzerten überzeugten die jungen Sänger mit ausdrucksvollen Stimmen.

Die Weihnachtsmärkte sind of-fen. Die ersten Advents- und Weihnachtsveranstaltungen liegen zurück. Doch etwas hat bisher noch gefehlt. Ohne die Quempaskonzerte der Wuppertaler Kurrende, seit Jahrzehnten Kult, kann man sich hier eine Einstimmung auf das Fest der Geburt Christi kaum vorstellen. Jetzt ist es wieder soweit. Am zweiten Advent kehrte nun der traditionsreiche Knabenchor in die Laurentiuskirche ein, die den Umständen entsprechend gut besucht war. Der sehr starke Schneefall an diesem Tag vereitelte wohl die Anreise mancher Freunde gehaltvoller Weihnachtsgesänge.

So schaffte laut Aussage des Chormanagers Klaus Kölsch der Leiter der Vorchöre, Ricardo Navas, nicht die Strecke von der Nachbarstadt Essen in die Elberfelder City. So gebührt der Respekt vor allem den jüngsten der Sänger, die aus den vier Ecken des Kirchenschiffs ohne ihn ihre Rolle beim „Quem pastores laudavere“ (der Quempas) achtbar meisterten. Wie üblich mit Kerzen in der Hand stimmten sie anschließend inmitten des Konzertchors das polnische Weihnachtslied „Als die Welt verloren“ in einer modernen Fassung ergreifend an.

Doch dieser Wuppertaler Kurrende-Brauch war nicht der einzige Programmpunkt, der schließlich die Zuhörer zu stehenden Ovationen animierte. Denn ein abwechslungsreiches Programm hatte der neue Kurrendeleiter Markus Teutschbein außerdem zusam-mengestellt.

Ein Magnificat von Jacques Berthier singend, ging eingangs die Kurrende durch die Kirche zu ihrem Ort vor dem Altar. Von dort gestaltete sie die bekannten Melodien wie „Machet die Tore weit“, „Maria durch ein Dornwald ging“, „Tochter Zion“, „Es ist ein Ros entsprungen“ und „In dulci jubilo“ außerordentlich nuanciert.

Genauso harmonisch wurden weniger bekannte Weisen wie „Nun sei willkommen“ von Carl Hirsch, John Francis Wades „Herbei, o ihr Gläub’gen“ und „Noel!“ von Steven Sametz vorgetragen.

Die überwiegend drei bis vierstimmigen Werke dirigierte Teutschbein äußerst präzise und ermutigend. Dementsprechend selbstbewusst interpretierten die Choristen die Stücke ohne Scheu vor wenigen kleinen Unsauberkeiten. Genussvoll konnte das Publikum ihrem harmonischen Gesamtklang und ihren dynamisch fein abgestuften musikalischen Linien zuzuhören. Auch solistisch glänzten ein paar Kurrendaner mit ausdrucksvollen Stimmen.

Zwischendurch spielte sehr engagiert ein Streichquartett mit den Geigerinnen Susanne Imhof und Krisztina Sonder, Bratschist Martin Sonder sowie Cellistin Bettina Baumann ein Stück des zeitgenössischen englischen Komponisten Thomas Adès und einen Kanon Johann Pachelbels. Ferner begleitete es sensibel mit dem Kurrendaner Maximilian Hilger an der Truhenorgel den Konzertchor bei einigen Weisen gemeinsam. Schön war auch der Einsatz einer sirrende Töne von sich gebenden Glasharfe bei „Stars“ aus der Feder von Eriks Eenvalds aus Lettland.

Selbstredend wurde die alte Sitte nicht außer Acht gelassen, zum Schluss „O du fröhliche“ unter Mithilfe von Trompeter Robert Essig vom Sinfonieorchester Wuppertal gemeinsam mit dem Publikum zu singen. So schnell wurden die Kurrendaner aber nicht aus dem Altarraum entlassen. Erst nach dem sehr stimmungsvoll vorgetragenen „Stille Nacht“ als zweite Zugabe zog man in weihnachtlicher Stimmung von dannen.

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