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Kulturkarte:Kauf vier, zahl drei

Kulturkarte:Kauf vier, zahl drei

Bühnen und Sinfonieorchester haben ein neues Angebot.

Die Neuaufstellung in der künstlerischen Leitung ist erfolgreich vollzogen, nun steht beim Kartenverkauf eine Änderung an. Die Formel heißt „4 zu 3“. Enno Schaarwächter, Geschäftsführer von Wuppertaler Bühnen und Sinfonieorchester GmbH, erklärt: „Es geht jetzt darum, beim Kartenverkauf mit dem zeitlichen Lebens- und Kaufverhalten der Menschen mitzuhalten.“ Mit einem flexiblen und finanziell ansprechenden Angebot.

Auch in Wuppertal kaufen immer mehr Menschen ihre Kultur im Internet ein. Machte der Kartenverkauf online in der Spielzeit 2015/16 25 Prozent aus, so lag er 2016/17 bei 30 Prozent, Tendenz steigend. „Wir fragen uns natürlich auch, wie sich das Publikum entwickelt, wenn sich Arbeitszeiten und Ladenöffnungszeiten ändern, und versuchen uns darauf einzustellen“, sagt Schaarwächter. Und weil gleichzeitig der so sehr geschätzte und stark umkämpfte Abonnentenstamm schrumpft, feilen die Wuppertaler stetig an ihrem Kartenangebot.

Mit Erfolg: Das Bergische Abonnement, das Wuppertal mit Solingen und Remscheid zusammen anbietet, ist für diese Spielzeit ausverkauft. Steigende Zahlen gibt es bei den Familienabonnements, mit ihren Sinfoniekonzerten oder spartenübergreifenden Veranstaltungen. In der Spielzeit 17/18 wurden bereits 84 Abonnements verkauft, 57 mehr als in der Spielzeit 16/17. Auch das Weihnachtsabonnement, das diesmal mit dem sechsten Sinfoniekonzert, „My Fair Lady“ und der Komödie „Pension Schöller“ auf dem Markt ist, wird gut angenommen.

Außerdem gehen Bühnen und Orchester auf die Menschen zu, nahmen beim Kulturtrassenfest teil, erproben neue Formate an ungewohnten Spielorten. „Wir gehen in die Stadt, um da auf uns aufmerksam zu machen, wo die Leute sind“, so Schaarwächter.

Nun geht es also darum, „diejenigen zu erreichen, die sich ungern über einen längeren Zeitraum festlegen“, sagt Jelena Löckner, die sich um die Öffentlichkeit bei den Bühnen kümmert: „Wir wollen die Leute animieren, etwas auszuprobieren.“ Sie können ab sofort vier Veranstaltungen aussuchen, die durchaus aus zwei Spielzeiten und mehreren Sparten stammen dürfen. Die Auswahl erfolgt vor Ort im Kulturkarten-Büro am Kirchplatz, per Telefon oder E-Mail. Bezahlt werden aber nur drei Veranstaltungen, eine Karte darf später kostenlos umgetauscht werden, und, ergänzt die Leiterin der Kulturkarte, Julia Kissina, das Angebot werde einmalig abgeschlossen, verlängere sich nicht automatisch.

Die Zahlen unter den drei neuen Chefs, Julia Jones (Sinfonieorchester), Berthold Schneider (Oper) und Thomas Braus (Schauspiel) sind gut. „Der Sturm“ hat die große Opernhaus-Bühne erobert, liege inzwischen bei 90 Prozent Auslastung, so Schaarwächter. „My Fair Lady“ sei gar zu 99 Prozent ausverkauft, fast 10 000 Besucher werden bis zum Ende der Spielzeit das Musical besucht haben. Im kleinen Theater am Engelsgarten haben Genets „Die Zofen“ mittlerweile 95 Prozent und Melles „Bilder von uns“ 80 Prozent erreicht. Auch die (schwierige) „Götterdämmerung“ und die politisch aktuelle Rigoletto-Inszenierung schlagen sich sehr gut. „Verwöhnt“ fühlt sich der Geschäftsführer gar vom Zuspruch, den die Sinfoniekonzerte in der Historischen Stadthalle mit 42 000 Besuchern im Jahr erfahren. Und da sind die Zahlen der Open Air-Konzerte auf dem Laurentiusplatz noch nicht mitgezählt. In der Stadt haben Oper, Schauspiel und Konzertbetrieb also wieder einen guten Ruf, nun will man im Land bestehen. Im an Kulturstätten reichen NRW eine ehrgeizige Aufgabe.