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Tanzrauschen: Zwischen Engels, Power und Klimawandel

Tanzrauschen : Zwischen Engels, Power und Klimawandel

Der Verein Tanzrauschen verfolgt in diesem Jahr drei Projekte. Er übernimmt eine zentrale Rolle bei „Maps“.

Das letzte Jahr endete glamourös. Im November hatte der Wuppertaler Tanzrauschen-Verein die Tanzfilm-Welt bei seinem Dancescreen-Festival zu Gast. Doch das ist gestern, 2020 stehen gleich drei Projekte und etliche Termine an. Den Auftakt macht die Berlinale, auf der „Maps“, „migrating artists projects“, vorgestellt wird, zugleich der Premierenfilm von Dancescreen „touched“ gezeigt wird. Mit dabei die Kommunikationsdesignerin Kerstin Hamburg und der Medienwissenschaftler und „touched“-Regisseur Marc Wagenbach vom Tanzrauschen-Vorstand. „Wir sind so auch eine Art Botschafter Wuppertals nach außen“, sagt Hamburg nicht ohne Stolz.

Vier Projekte mit
verschiedenen Ländern

Vor zwei Jahren, beim Filmfestival in St. Etienne, kam die Idee auf, länderübergreifend den Austausch von Wissen und Erfahrung der Tanz Communitys zu fördern. Durch Vernetzung und Gespräch sowie durch Filme. „Maps“ will vier Projekte mit verschiedenen Ländern realisieren, an deren Ende vier Tanzfilme und Dokumentationen stehen. Während sich die Franzosen als Maps-Initiatoren um Förderung bemühten, formierte sich ein Netzwerk mit Kreativen aus Griechenland, Italien, Frankreich, Finnland und Deutschland. 2019 kam das OK, „Maps“ wird aus EU-Töpfen unterstützt. „Nun können wir durchstarten. Das Projekt soll bis 2022 dauern“, erklärt Kerstin Hamburg.

Als inhaltliches Thema wurde „Power“ bestimmt, die Vertreter der fünf Länder wählen eigene Unterthemen für sich, Finnlands Schwerpunkt beispielsweise liegt bei Umweltthemen, Griechenlands bei Transformation. Tanzrauschen mit seinem Projektleiter Marc Wagenbach entschied sich für Evaluation und Dokumentation, begleitet damit an verantwortlicher Stelle das Projekt vom Anfang bis zum Ende. „Tanzrauschen ist immer mit dabei, filmen die Arbeiten. Wir wollen ein Endprodukt schaffen, einen Film, eventuell mit einer Publikation“, so Hamburg.

Beiträge von insgesamt
50 internationalbesetzten Teams

Beim Wuppertaler Festival im November startete die Bewerbungsfrist, bis Ende Januar gingen Beiträge von 50 international besetzten Teams aus Choreographen und Filmemachern ein. Eine Fach-Jury wählte beim Festival du Court-Mètrage de Clermont-Ferrand (eine Art Oberhausen Frankreichs des Kurzfilms, so Hamburg), vier Projekte aus. Auf die wartet nun ein strammes Programm aus Schulungen, Präsentationen und Produktionsarbeit, das bei der Berlinale beginnt und mit der Premiere im Mai 2021 endet. Hamburg: „Wo diese Premiere stattfindet, steht noch nicht fest.“ Auf drei verschiedenen Campus in Turin, Vaasa und Lyon werden Fertigkeiten in Drehbuch, Production und Nachproduktion vermittelt, bei drei sogenannten Residencies in allen fünf Ländern die Filme erstellt. Nach der Premiere sollen die Filme auf verschiedenen Märkten und Festivals gezeigt werden. So wie es auch mit den älteren Produktionen gehandhabt wird, etwa die Serie „Letters from Wuppertal“, aus der der Film „Wicked Woods“ Ende März in Amsterdam laufen soll.

Gefilmt wird 2020 auch in Wuppertal, wo das Engels-Jubiläumsjahr Thema eines weiteren Projekts des Vereins ist. Unter dem Arbeitstitel „Denk mal“ soll es um Personenkult und Erinnerungskultur gehen, mit dem Ziel der Idealisierung entgegen zu wirken. Ausgangspunkt ist die von der Volksrepublik China geschenkte mächtige Statue im Engelsgarten, die Gegenstand heftiger Diskussionen war. Mitwirkende sind der Choreograph und Tänzer Paul White sowie der Filmemacher Michael Baudenbacher. Gedreht werden soll im Sommer, im Herbst stehe die Premiere an, erzählt Hamburg. Heraus kommen soll eine selbstironische, spielerische, kritische Doku mit Tanzfilmelementen.

Vergangenes Jahr nahm die irische Filmemacherin Mary Wycherly mit einem Beitrag am „Dancescreen 2019 + Tanzrauschen“-Festival in Wuppertal teil. Nun lud die Leiterin des irischen Filmfestivals „Light Moves“ zu einem Projekt ein, das sich mit dem Themenkanon Identität, Ort und Umwelt im Zuge der Klimaveränderung auseinandersetzt. Tanzrauschen ist Kooperationspartner, im Moment wird am Konzept gefeilt, im Sommer soll es los gehen.

Es gibt viel zu tun für Tanzrauschen im neuen Jahr.